Günstige Oldtimer – Audi Coupé (Typ 89) Den Hintern zum Himmel

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem – es gibt sie nämlich, die Schnäppchenschlitten. Diesmal: das Audi Coupé B3, der nahezu unkaputtbare Sportler mit putzigem Entenbürzel.
Foto: Jörg Wellmann
Günstige Oldtimer

Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

Klar, für Großvaters abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat - und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.

Allgemeines zum Modell:

Das Audi Coupé (Typ 89) stammt von einem der wohl besten Wagen ab, den die Marke mit den vier Ringen je baute – dem 1986 eingeführten Audi 80 B3. Auf dem Weg in die automobile Oberklasse investierten die Ingolstädter seinerzeit massiv in Qualität und Haltbarkeit und spendierten den Wagen unter anderem vollverzinkte Karosserien. Das Ergebnis waren Langzeitautos wie Audi 100 C4 oder 80 B3, die bis heute als Alltagskutschen auf den Straßen unterwegs sind – oft ohne eine Spur von Rost.

1988 folgte auf die B3-Limousine das Sportcoupé auf gleicher Plattform, aber als komplette Neuentwicklung. Statt mit biederem Stufenheck schloss der Zweitürer mit einer großen gläsernen Heckklappe ab. Die Dachlinien zeichneten die Designer flacher und äußerst filigran. Dafür mussten unter anderem die Schweller verstärkt werden. Die ausgezeichnete Karosseriesteifigkeit übernahm man später beim Audi Cabriolet (ab 1991). Einzig das stummelige Heck des Coupés mit dem kleinen Spoiler kam nicht überall gut an. »Das wurde lange als Entenarsch geschmäht«, sagt Gerrit Bruns aus Hamburg, der seit über 20 Jahren klassische Audis fährt.

Anfangs war das Audi Coupé nur mit Fünfzylinder erhältlich, als 2.3E mit 136 PS und als 20V-Vierventiler mit 170 PS. Beide sind unter Fans Kultmotoren, weil der klangvolle Fünfzylinder-Benziner der Grundstein für die Audi-Markenbildung war – neben dem Allradantrieb Quattro. Den gab es gegen Aufpreis auch beim Audi Coupé Typ 89, er machte den Wagen allerdings 150 Kilogramm schwerer.

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Audi Coupe 89

Foto: Jörg Wellmann

Der 1989 nachgereichte Basis-Vierzylinder 2.0E mit 113 PS war bissig, aber nur ein Jahr lang erhältlich. Der 2.0 mit 115 PS mit geänderter Einspritzung fuhr sich spürbar lahmer. Immerhin wiegt schon der Fronttriebler mit einigen Extras wie elektrischen Fensterhebern oder Schiebedach locker 1,3 Tonnen.

1991 ergänzte ein Sechszylinder die Motorenpalette, der 2.8E bot 174 PS und 220 km/h Spitze. Der kleinere 2.6E (ab 1992) kam auf 150 PS, war von den Fahrleistungen aber kaum schneller als der sonore 2.3E. Wer es sich leisten konnte, wählte indes das Coupé S2 mit Fünfzylinder-20V-Turbo und 220 PS. Der kostete 1990 im Grundpreis über 60.000 Mark und bot serienmäßig Allradantrieb, Sportfahrwerk, Bordcomputer und edle Satin-Sitzbezüge. Gegen Aufpreis konnten Coupé-Fahrer auch Tempomat, Klimaautomatik, Automatikgetriebe oder die bei Liebhabern begehrten hinteren elektrischen Ausstellfenster ordern.

Ende 1996 endete die Produktion des Audi Coupés Typ 89. Einen wirklichen Nachfolger gab es lange nicht, weil der 1998 eingeführte Audi TT eine Klasse niedriger – nämlich auf Basis des kompakten VW Golf bzw. Audi A3 – siedelte. Erst 2007 bot Audi mit dem A5 wieder ein echtes Mittelklasse-Coupé an.

Warum ausgerechnet der?

Audis berühmtestes Coupé ist der Audi Quattro auf Basis der Baureihe B2 (1980 bis 1988). Mit dem heute auch Urquattro genannten Boliden mischten die Ingolstädter vor 40 Jahren die Rallye-Szene auf. Gegen den Audi mit seinem perfekten Grip konnten praktisch alle klassischen Hecktriebler einpacken.

Heute sind B2-Coupés selten und im Fall des Urquattro kostspielig. Die günstige Alternative ist das B3-Coupé, das lange ein Mauerblümchen war. Erst in den vergangenen Jahren stiegen Beliebtheitsgrad und Preise.

Denn die Langzeitqualität ist herausragend, so kommen gerissene Armaturenbretter auch nach 30 Jahren Sonnenbestrahlung kaum vor. Alltagstauglich ist der Zweitürer auch, dank großer Heckklappe und umlegbarer Rücksitzbank taugt er zum Einkauf im Baumarkt. Die Vierzylinder sind mit sechs bis acht Litern Verbrauch genügsam, dazu kommt simple Technik.

Wer die Wahl hat, nimmt den Fünfzylinder, einfach wegen des herrlichen Klangs. »Dieses bollernde Von-unten-Heraus!«, schwärmt Bruns. Die Sechszylinder sind auch fein und mit Automatik prima zum Cruisen. Wer auf Wertsteigerung spekuliert, sollte einen Quattro wählen. Ansonsten reicht beim Audi Coupé normaler Frontantrieb.

Die Hauptkonkurrenz des Audi Coupé Typ 89 sah und sieht das freilich anders: Fans des BMW 3er E36 käme ein Sportcoupé mit Frontantrieb niemals in die Garage, sie schwören auf Hinterradantrieb. Dafür rostet der Audi nicht. Übrigens sah man in Ingolstadt das Topmodell S2 Coupé als Nachfolger des legendären Urquattro. Beide Boliden haben einen Fünfzylinder-20V-Turbo unter der Haube, der S2 kam in der letzten Ausbaustufe ab 1992 auf 230 PS.

BMW präsentierte im selben Jahr den M3 mit 286 und später bis zu 321 PS. Damit waren die BMW-Fahrer weit vorne, und die Audi-S2-Fahrer mussten sich etwas einfallen lassen. Für ein paar Hundert Euro bekommt man bis heute einen Chipsatz für circa 280 PS, für etwa 2000 Euro (bei eigener Montage) sind laut Bruns mit Turbolader und Steuergerät 360 PS möglich »Das reicht dann locker für die Nordschleife, alles darüber ist ohne umfangreiche Umbauten an Bremse und Fahrwerk nur noch Angst.« Mit dem RS2 bot Audi ab 1994 dann so viel Power auch ab Werk an. Der damals schnellste Serien-Audi war allerdings ein Kombi.

Verfügbarkeit:

Vom Audi Coupé Typ 89 finden sich in den Gebrauchtwagenportalen Dutzende erschwingliche Fahrzeuge. Vierzylinder, aber auch Fünf- und Sechszylinder findet man ohne Probleme. Leider ist Wartungsstau die Regel. Speziell die Quattros waren lange Zeit als günstige Winterautos beliebt und haben entsprechend gelitten. Gut ausgestattete Coupés mit Automatik, Klima, Ledersitzen und Co. wurden gerne geschlachtet, um andere Autos aufzurüsten. Deutlich häufiger findet man daher heute das Audi Cabriolet, das von seinen Besitzern meist besser behandelt wurde. Das S2 Coupé indes ist heute noch seltener als der Urquattro.

Ersatzteilversorgung:

Im Vergleich zu den Klassikersparten bei Mercedes und BMW ist die Lage bei Audi mies. Audi Tradition wirbt zwar mit gut gefüllten Regalen, doch die Realität sieht oft anders aus. Pluspunkt: Weil Rost praktisch kein Thema ist, braucht man selten Karosserieersatz. Gängige Verschleißteile bekommt man über den Zubehörmarkt. Zierrat wie die Audi-Pflaume für den Kotflügel drucken sich findige Fans selbst. »Immerhin gibt es wieder Stoffe bei Audi«, sagt Kenner Gerrit Bruns. Die habe der Hersteller nachproduzieren müssen, weil man sonst seine Autos aus der Klassikersammlung mit Löchern in den Sitzen nicht hätte ausstellen und gebührend vorführen können.

Ersatzteilpreise (beispielhaft):

  • Satz Bremsen (Schreiben und Beläge) vorne: ca. 120 Euro

  • Zahnriemen-Wechsel in der Werkstatt: 2.3E bis 500 Euro, V6 bis 800 Euro

  • Tür (gebraucht): ca. 50 Euro

  • Sportauspuff aus Edelstahl: ca. 700 Euro

Schwachstellen:

Die größte Schwachstelle bei Klassikern fällt beim Audi Coupé B3 weg: Dank des hervorragenden Korrosionsschutzes ist Rost selten und allenfalls nach Unfallschäden ein Thema. Auch die Motoren sind für hohe Laufleistungen gut, sofern die Pflege stimmt und der Zahnriemen alle 120.000 Kilometer gewechselt wird. Bei den Vierzylindern mit viel Platz im Motorraum können das Hobbyschrauber selbst machen. Beim Fünfzylinder wird es schwieriger, den Zahnriemen-Wechsel beim V6 sollte besser eine versierte Werkstatt übernehmen. Bei unrundem Motorlauf lässt man vom 2.3E lieber die Finger. Nebenluft, malader Mengenteiler, falsch eingestellte Regler: Die Fehlersuche ist aufwendig. Beim moderneren 2.8E ist die Einspritzanlage weniger fehleranfällig. Größte Schwachstelle beim Audi Coupé ist die Teileversorgung. Der Hersteller hat kaum Originalteile auf Lager und die Fachwerkstätten kennen sich mit dem Fahrzeug nicht mehr aus – es sei denn man hat Glück und findet einen Altmeister, der sich an Audis letztes Classic-Coupé erinnert.

Preis:

Fahrbereite Einsteigermodelle mit gültigem HU-Siegel gibt es ab etwa 3500 Euro. Fünf- und Sechszylinder-Modelle kosten Aufschlag, wobei der kultige 2.3E teurer oft teurer gehandelt wird als die größeren V6: Gepflegte Kandidaten liegen inzwischen im fünfstelligen Bereich. In einer anderen Liga spielt das S2 Coupé mit Preisen ab ca. 25.000 Euro.

Anlaufstellen im Internet:

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