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01. Mai 2019, 07:07 Uhr

Uralt-Wohnwagen zu versteigern

Komm, wir fahren nach 1937

Von Jürgen Pander

Für manche Fahrzeuge muss man einfach mehr bieten. SPIEGEL ONLINE zeigt Raritäten, die in Kürze versteigert werden. Diesmal: ein alter US-Luxuswohnwagen des Typs Pierce-Arrow Travelodge mit vielen Campingutensilien.

Unterm Hammer: Ein Wohnwagen des US-Automobilherstellers Pierce-Arrow Model C Travelodge aus dem Baujahr 1937 mitsamt zeitgenössischem Campingzubehör.

Warum mitbieten? Einen Wohnwagen aus den Dreißigerjahren und dann noch von einer Autofirma - das ist eine absolute Rarität. Am kommenden Wochenende (4. und 5. Mai) wird jedoch so ein Fahrzeug vom Auktionshaus RM Sotheby's versteigert. Dass der Hersteller, der ehemalige US-Autobauer Pierce-Arrow, überhaupt solche luxuriösen Wohnanhänger fertigte, hatte mit blanker Not zu tun.

Gegründet wurde die Firma 1865. Zunächst stellte sie Vogelkäfige, Haushaltswaren und Fahrräder her. Ab 1901 dann auch Automobile, und zwar ziemlich bald solche von der extravaganten Sorte. Die ersten beiden Staatslimousinen der USA, die der damalige Präsident William Howard Taft im Jahr 1909 orderte, waren zwei Modelle von Pierce-Arrow. Ab 1912 dann fertigte das Unternehmen aus Buffalo im US-Staat New York das Modell 66 HP, das bis heute den Rekord für den Pkw mit dem größten Serienmotor hält: Der Sechszylinder hatte einen Hubraum von 13,5 Litern.

Irgendwann jedoch war die Konzentration auf Masse, Wucht und Protz nicht mehr das, was die finanzstarke Kundschaft verlangte. Der Absatz von Pierce-Arrow ging zurück, das Unternehmen wurde von Studebaker übernommen. Die ab 1929 einsetzende Depression in den Vereinigten Staaten machte die Situation noch schwieriger. Ende des Jahres 1936 entschloss sich die Geschäftsführung von Pierce-Arrow, die sinkenden Automobilumsätze durch den Bau von Wohnwagen etwas auszugleichen.

In der Fabrik in Buffalo wurde eine Abteilung eingerichtet, in der Caravans mit dem Namen Travelodge gefertigt wurden. Die Wohnwagen wurden in insgesamt drei unterschiedlichen Längen angeboten. Kleinstes Fabrikat war der Typ Model C mit einer Länge von 4,12 Metern - eines dieser Fahrzeuge wird jetzt bei der Auktion verkauft.

Wie schon bei den Autos legte Pierce-Arrow auch bei den Wohnwagen größten Wert auf eine grundsolide Verarbeitung und ein gediegen-luxuriöses Ambiente. Der Wohnwagen basiert auf einem Stahlrahmen, auf dem außen eine Aluminiumkarosserie vernietet und der innen mit Birken- und Gummibaumholz verkleidet ist. Auf dem Boden des Wohnanhängers ist Linoleum verlegt. Das Fahrwerk ist mit Einzelradaufhängung und einer hydraulischen Bremse ausgestattet, die über einen Schlauch mit dem Zugfahrzeug verbunden werden kann.

Im Wohnwagen gibt es eine Essecke, die sich mit wenigen Handgriffen in ein Doppelbett verwandeln lässt, außerdem eine Kochnische inklusive Spülbecken und Eisschrank, ein separates Sofa sowie mehrere Schränke, Kommoden und Ablagefächer. An allen Fenstern sind Vorhänge sowie Moskitonetze angebracht, letztere gibt es auch an der Dachluke.

Nach Angaben des Auktionshauses RM Sotheby's haben von den insgesamt 450 Travelodge-Wohnwagen, die Pierce-Arrow bis zur Insolvenz der Firma im Jahr 1938 fertigte, weniger als 20 Exemplare bis heute überlebt. Das zur Auktion stehende Modell gehörte zur Sammlung des Architekten Fred Guyton aus St. Louis. Guyton verstarb im vergangenen Jahr, jetzt wird seine gesamte Fahrzeugsammlung aus 60 Automobilen, Hunderten von Memorabilia und eben der Wohnwagenrarität von Pierce-Arrow in St. Louis versteigert.

Ehe Guyton den Wohnwagen erwarb, gehörte er über Jahrzehnte Charles und Veronica Orin aus Ruidoso Downs im US-Staat New Mexico. Das Paar hatte den Caravan im Jahr 1956 gekauft und offensichtlich gut gepflegt. Zum Wohnwagen gehören auch diverse Reise- und Campingutensilien aus den Fünfziger- und Sechzigerjahren: ein Kofferradio, ein Campingkocher, Reisetaschen, drei Lederkoffer sowie Laterne, Wassersack und ein blaues Campingservice aus Kunststoff.

Zuschlag! Das Auktionshaus Sotheby's versteigert den Wohnwagen am 4. Mai in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri. Erwartet wird ein Preis von 40.000 bis 60.000 US-Dollar, interessierte Bieter können per Telefon oder online mitbieten.

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