Auto-Recycling Wrack auf Zack

Zwei Kumpel kaufen für 300 Euro ein Mercedes-Wrack, drei Monate später hat das Auto wieder TÜV und sieht beinahe aus wie neu. In einem Buch beschreiben die Bastler, wie einfach und günstig das Projekt war.

Haffmans & Tolkemitt / Arne Weychardt

Schrauber-Bücher sind meist ein bisschen einschüchternd. So viel Technik, so viel Fachwissen, so spezielle Handgriffe - ganz klar, hier wendet sich der Fachmann an den Eingeweihten mit Tipps und Tricks auf höchstem Niveau und praktisch null Unterhaltungswert.

Es geht auch anders. Etwa so, wie es Arne Weychardt und Peter Pursche jetzt gemacht haben. "Bring das Wrack auf Zack" heißt ihr soeben erschienenes Buch, das nicht nur 28 Reparaturanleitungen für den Mercedes W124 enthält, sondern vor allem zum Selberschrauben motivieren will, sofern man "einen Nagel in die Wand schlagen kann und keine Angst vor schmutzigen Fingern hat".

Eines von 30 Schrottautos im Stall

Entdeckt hatten Weychardt, 52, und Pursche, 68, das Wrack auf Ebay. Es stand im mecklenburgischen Dargun in einem ehemaligen Stall, dessen Dach vor Jahren abgebrannt war, und in dem etwa 30 Schrottautos vor sich hin gammelten.

Eines davon war der Mercedes 230 TE aus dem Baujahr 1987, in bemitleidenswertem Zustand, aber "auch nach 13 Jahren Standzeit im Freien ohne einen Riss im Armaturenbrett. Und der Motor drehte auch noch", wie sich Weychardt erinnert. Das Geschäftliche war rasch erledigt, 300 Euro kostet die Mercedes-Ruine, dann ging es auf dem Autoanhänger ab nach Hamburg. "Zum Recyceln", wie Weychardt sagt.

Ein Auto zum Entschleunigen

Vielleicht sollte man an dieser Stelle erwähnen, dass Weychardt, im Hauptberuf Fotograf und seit vier Jahren zudem Betreiber der Hamburger Carsharing-Firma "Rent an Oldie", ein Faible für Mercedes der Baureihe W124 hat. Eine Verkehrspsychologin hatte ihm einst, da war Weychardt Mitte 20 und als buchstäblich rasender Reporter unterwegs, zu diesem Fahrzeugtyp geraten. Zuvor hatte der Fotograf mit einem Turbo-Golf 23 Punkte in der Verkehrssünderkartei in Flensburg eingefahren. Er musste seinen Fahrstil also grundlegend entschleunigen.

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Autobuch: Mercedes recycelt

Die Zuneigung, die Weychardt damals zu dem grundsoliden, zuverlässigen, bequemen und geräumigen Mercedes-Modell entwickelte, hält bis heute. Die durchschnittlich zehn Autos seiner Carsharing-Flotte sind, bis auf eine Ausnahme, ebenfalls W124er-Mercedes. Mit den Jahren hat sich Weychardt ein umfassendes Knowhow zu diesem Autotyp angeeignet - weil er durch das Selberschrauben eine Menge Geld spart, und weil es ihm Spaß macht.

In drei Monaten vom Schrotthaufen zum Wertgutachten

Um seinem Lieblingsauto ein Denkmal zu setzen, und vor allem auch um andere zum Selberschrauben an Altfahrzeugen zu ermuntern, startet er vor rund einem Jahr mit seinem Kumpel Peter Pursche, einem ehemaligen Journalisten, das Projekt "Bring das Wrack auf Zack". In drei Monaten verwandelte das Duo den Schrotthaufen in ein Auto, das anstandslos eine TÜV-Plakette erhielt. Es darf dank grüner Plakette in jede Umweltzone einfahren. Ein Sachverständiger stellte ein Wertgutachten über 4500 Euro für den Wagen aus.

Investiert wurden 300 Euro Kaufpreis, etwa 1200 Euro in Reparaturmaterial und Ersatzteile sowie eine nicht zu beziffernde Menge an Enthusiasmus und Willen. "Wir sind Bordsteinschrauber", sagt Weychardt. "Nur dreimal waren wir in der Selbsthilfewerkstatt, um dort Arbeiten am Unterboden zu erledigen", ergänzt Pursche. Wie und mit welchen Kniffen sie den Mercedes wieder auf Vordermann brachten, erläutern sie in 28 Kapiteln detailliert, vom Runderneuern der Sitze bis zum Überarbeiten des Tachos und anderer Instrumente, vom Austauschen der Windschutzscheibe bis zum Beseitigen der Leerlaufschwankungen.

Zwei-Euro-Teil als Lösung des Problems

"Ein Klassiker", sagt Weychardt. Meist werde als Fehlerquelle ein defektes Relais oder ein Problem mit der Einspritzanlage vermutet. "Dabei fehlt in der Regel nur eine Feder am Gasgestänge. Die kostet zwei Euro und ist in weniger als 30 Minuten eingebaut, man muss zuvor nur mit Hilfe eines 10er-Steckschlüssels den Luftkastenfilter abbauen." So ungefähr muss man sich das gesamte Buch vorstellen: Voller Tipps und launiger Beschreibungen, dazu reichlich Fotos von den Details in den Tiefen des Autos.

Einen Aspekt betont Autor Pursche, der die Texte geschrieben hat, dabei ganz besonders: Nämlich dass diese Art von Fahrzeug-Instandsetzung auch der beste Weg sei, um Ressourcen zu schonen und Umweltschutz zu praktizieren. Fazit: "Ein Auto früher als nötig zu verschrotten, ist ziemlicher Quatsch." Weychardt ist es in diesem Zusammenhang noch wichtig zu erwähnen, dass der Wagen nicht restauriert, sondern recycelt wurde. Denn nach 13 Jahren auf dem Autofriedhof ist auch ein Mercedes eigentlich tot.

Arne Weychardt, Peter Pursche: "Bring das Wrack auf Zack. 28 Reparaturanleitungen für den Mercedes W124", 188 Seiten, 22,95 Euro. ISBN 978-3-942048-58-3



insgesamt 49 Beiträge
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Seite 1
sandiro 30.09.2018
1. Klartext
Damit wird wieder einmal in aller Deutlichkeit gesagt, dass es ein Irrsinn ist Euro 5 Autos durch eine Kaufprämie auf Euro 6 d temp abzuwracken. Nur glaube ich natürlich nicht an das abwracken, sondern an die cleveren Geschäftsideen solche Wagen im Ausland als super wagen zu verkaufen. Wahrscheinlich noch mit Gewinn. Also energieverschwendung durch Neuproduktion und Luft kann auch wo anders verschmutzt werden. >schöne neue Welt
freudentanz 30.09.2018
2. Machen die Kollegen
in Osteuropa schon seit Jahren für ein Drittel der Zeit und in einem Monat. Zu finden bei allen Händlern die auf Kommision verkaufen, vorzugsweise Stadtrand, Schotterparkplatz. Mal im Ernst: Nette Werbung für die Berufskollegen. Aber ein paar essentielle Dinge sollten im Text schon genannt werden, wie zB das H-Kennzeichen. Sonst gibt es nämlich keine Plakette für so eine alte Kutsche, tataa oder die Riesenportion Glück das der beschriebene 124er nicht an den Aufhängepunkten der Raumlenkerachse durchgegammelt ist usw usw usw. Ja es gibt diese Scheunenfunde aber mal im Ernst: Die sind sehr sehr rar gesät. Obwohl in den einschlägigen Verkaufsportalen sind zZ mehr Scheunenfunde zu finden als das es Scheunen gibt. Nachtigall ick hör dir trapsen. Trotzdem ist der 124 ein geiler Karren
Cascara LF 30.09.2018
3.
Zitat von freudentanzin Osteuropa schon seit Jahren für ein Drittel der Zeit und in einem Monat. Zu finden bei allen Händlern die auf Kommision verkaufen, vorzugsweise Stadtrand, Schotterparkplatz. Mal im Ernst: Nette Werbung für die Berufskollegen. Aber ein paar essentielle Dinge sollten im Text schon genannt werden, wie zB das H-Kennzeichen. Sonst gibt es nämlich keine Plakette für so eine alte Kutsche, tataa oder die Riesenportion Glück das der beschriebene 124er nicht an den Aufhängepunkten der Raumlenkerachse durchgegammelt ist usw usw usw. Ja es gibt diese Scheunenfunde aber mal im Ernst: Die sind sehr sehr rar gesät. Obwohl in den einschlägigen Verkaufsportalen sind zZ mehr Scheunenfunde zu finden als das es Scheunen gibt. Nachtigall ick hör dir trapsen. Trotzdem ist der 124 ein geiler Karren
Kann das vielleicht daran liegen, dass in so eine Scheune mehr als nur ein Auto reinpasst...?
räbbi 30.09.2018
4.
Zitat von freudentanzin Osteuropa schon seit Jahren für ein Drittel der Zeit und in einem Monat. Zu finden bei allen Händlern die auf Kommision verkaufen, vorzugsweise Stadtrand, Schotterparkplatz. Mal im Ernst: Nette Werbung für die Berufskollegen. Aber ein paar essentielle Dinge sollten im Text schon genannt werden, wie zB das H-Kennzeichen. Sonst gibt es nämlich keine Plakette für so eine alte Kutsche, tataa oder die Riesenportion Glück das der beschriebene 124er nicht an den Aufhängepunkten der Raumlenkerachse durchgegammelt ist usw usw usw. Ja es gibt diese Scheunenfunde aber mal im Ernst: Die sind sehr sehr rar gesät. Obwohl in den einschlägigen Verkaufsportalen sind zZ mehr Scheunenfunde zu finden als das es Scheunen gibt. Nachtigall ick hör dir trapsen. Trotzdem ist der 124 ein geiler Karren
Kein Stress, den 230er mit G-Kat bekommt man auf Euro2 und damit "grün". Davon ab - interessant dass man diese Geschichte in Medienkreisen für so wichtig hält, dass man gleich ein - nicht ganz billiges - Buch darüber verfasst. OK, der Oldi-Verleich, Promo, ich versteh schon. Ich nenn das "normal". Fahr mein Auto inzwischen seit gut 16 Jahren (nein, liegt nicht am Geld). Neuer Aufkleber ist auch wieder am Nummernschild. Hätte auch ein Buch über die letzte Schweißerei am Unterboden schreiben sollen. Sonderpreis 19,99€. ;)
janfred 30.09.2018
5. Das ist ein alter Hut,
Schrauberhandbücher gibt es schon ewig und die sind definitiv für Laien geschrieben und für Laien geeignet. Der Unterschied wäre ein Werkstatthandbuch für das selbe Modell direkt vom Hersteller. Das ist für Fachleute geschrieben und der Unterschied ist sehr deutlich. Wenn man das Schrauben als Hobby ansieht, dann ist die Arbeitszeit nicht von Bedeutung, da man schließlich seinem Hobby nachgeht. Knackpunkt allerdings, dass zumindest beim allerersten selbst instandgesetzten Auto ein Vielzahl von kleinen Problemchen auftauchen können und werden, die unwahrscheinlich Zeit und auch Nerven kosten können. Wenn man es aber bereits gemacht hat nur noch ein Zehntel der Zeit brauchen. Das können banale Dinge sein, wie das Entfernen oder Wiederanbringen von Zierleisten. Da kann man durch einen falschen Handgriff viel zerstören. Eine sehr große Hilfe sind unbedingt Internet Foren, die es en Mass gibt. Ich selber fahre auch einen 28 Jahre alten Audi als Alltagswagen. Und so teuer können Reparaturen gar nicht werden, wie man bei einem 3-Jahreswagen, den man 6 Jahre fährt, allein an Wertverlust verbrennt. Und @Freudentanz – ich möchte und brauche auch kein H-Kennzeichen. Ein Benziner aus den 80er Jahren hat eigentlich immer die grüne Plakette. Mich stört auch ein Verbrauch von 10l/100km nicht. Wie schon gesagt. Mein Wagen hat keinen Wertverlust mehr. Was brauche ich einen 2015er Golf, der 7 liter nimmt und bei dem ich jedes Jahr 2-3000 Euro an Wert verliere, egal wie oft oder wenig ich ihn nutze. Bin übrigens mit meinem alten Audi noch nie liegengeblieben. Und bei Problemen fand ich immer Hilfe im Internet. Meine Unkosten sind alle 2Jahre Tüv mit kleinen Reparaturen sowie alle 2 Jahre eine grosse Inspektion, die ich so gut wie selber mache. Hochgerechnet kaum 300 Euro pro Jahr.
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