24-Stunden-Kontrolle in Deutschland So kommen Sie entspannt durch den Blitz-Marathon

Mehr als 13.000 Polizisten machen beim Blitz-Marathon Jagd auf Raser. Wie behält man die Ruhe am Lenkrad? Fünf Tipps zum entspannten Fahren.
Polizist bei einer Tempokontrolle: Weg vom Gas

Polizist bei einer Tempokontrolle: Weg vom Gas

Foto: Rolf Vennenbernd/ picture alliance / dpa

Autofahren ist Stress, und schuld daran - klar - sind immer die anderen. Schneckt der Vordermann mit 49 km/h in der 50-Zone, ist der Puls schnell auf 180. Bei der nächsten Gelegenheit drückt man dafür umso mehr aufs Gas - und riskiert, geblitzt zu werden. Wir wollen Ihnen deshalb dabei helfen, am Steuer entspannt zu bleiben - und unbehelligt den Blitz-Marathon zu überstehen.

1. Schauen Sie sich das an

Fotostrecke

Raser-Warnplakate: Todesanzeigen am Fahrbahnrand

Foto: DVR

Die Kampagne "Runter vom Gas" des Deutschen Verkehrssicherheitsrats  (DVR) sorgte vor einigen Jahren für einen kleinen Skandal: Denn auf den Plakaten, mit denen der Rat die Raser sensibilisieren wollte, waren schwarz umrahmt - im Stile einer Todesanzeige. Darauf zu sehen war zum Beispiel ein Familienfoto, daneben ein Kreuz und die Zeilen "Gabi, Frank, Mia und Max T. Wollten schnell nach Hause".

"Diese Motive haben polarisiert", sagt DVR-Sprecherin Carla Bormann. Damit war die Kampagne ein Erfolg, denn "viele Menschen wurden auf das Thema Verkehrssicherheit aufmerksam". Die darauffolgenden Plakataktionen waren nicht so schockierend, "man kann ja nicht immer so weitermachen", sagt Bormann. Ihren Zweck erfüllen sie trotzdem: Wer sich die Bilder anschaut, wird zumindest Zweifel daran haben, ob sich die Raserei lohnt - oder ob nicht zu viel auf dem Spiel steht.


2. Löwe frisst Stress

Der klassische Verlauf des Arbeitsweg: Stop-and-go seit Fahrtbeginn, und schon wieder steht die Ampel auf Rot. Statt jetzt gleich mit Vollgas wieder durchzustarten, können Sie die Wartezeit besser nutzen: Entspannen Sie sich - mit Yoga am Steuer. "Das ist besser, als aufs Lenkrad einzuprügeln", sagt Yogalehrerin Pezra Orzech  aus Bäch am Zürichsee. Sie empfiehlt drei einfache Übungen:

  • Der Löwe

Zugegeben, es gibt elegantere Yoga-Übungen als den Löwen - aber für die Krähe ist im Auto zu wenig Platz

Zugegeben, es gibt elegantere Yoga-Übungen als den Löwen - aber für die Krähe ist im Auto zu wenig Platz

Foto: Petra Orzech

"Atmen Sie tief durch die Nase ein und dann durch den Mund wieder aus. Öffnen Sie dabei weit den Mund und strecken Sie die Zunge raus. Wenn Sie möchten, können Sie dabei auch laut brüllen (deshalb heißt die Übung 'Löwe'). Dabei schielen Sie mit den Augen nach oben in Richtung Rückspiegel. Dreimal wiederholen. Die Übung entspannt die Kiefermuskulatur."

Petra Orzech ist sich übrigens bewusst, dass man schreiend, schielend und mit rausgestreckter Zunge auf andere Verkehrsteilnehmer seltsam wirken könnte. Halb so schlimm: "Stellen Sie sich einfach vor, Sie würden im Rückspiegel ihre Mandeln begutachten."

  • Der Pheromone-Check

Yoga-Lehrerin Petra Orzech macht vor, wie man im Auto den Nacken entspannt

Yoga-Lehrerin Petra Orzech macht vor, wie man im Auto den Nacken entspannt

Foto: Petra Orzech

"Drehen Sie den Kopf im 45-Grad-Winkel nach rechts, ungefähr auf Höhe des Außenspiegels. Greifen Sie mit der rechten Hand über den Kopf und fassen Sie hinter das linke Ohr. Drehen Sie dann den Kopf runter in Richtung Achselhöhlen. Anschließend das ganze mit der linken Hand. Diese Übung entspannt die Nackenmuskulatur.

  • Die Teetassenatmung

Kräftig pusten hilft gegen Stress

Kräftig pusten hilft gegen Stress

Foto: Petra Orzech

"Legen Sie die Finger und Daumen übereinander und formen Sie eine Höhle - so, als ob Sie eine Teetasse umschlossen hielten und sich daran wärmen. Atmen Sie jetzt durch die Nase ein und lang durch den Mund aus, in die Hände hinein. Diese Atemübung baut Stress ab."

3. In Punkte investieren lohnt sich nicht

Zeit ist Geld, aber manchmal kann ein kleiner Zeitgewinn ziemlich teuer werden. Dabei gibt es eine Menge besserer Möglichkeiten, als das Ersparte für Bußgelder zu verpulvern. Ein paar Beispiele:

  • Außerorts 25 km/h zu schnell - 70 Euro: Ein Besuch in einem Restaurant, zu dritt oder zu viert. Fisch, zum Beispiel. Aber bitte dran denken: Gab es zum Essen reichlich Wein, ein Taxi bestellen. Alkohol am Steuer kommt nämlich ebenfalls teuer.

4. Last Night the DJ saved my Driving License

Sie hören gerne Kirmes-Techno oder Speed-Metal am Steuer? Kein Wunder, dass der Bleifuß zuckt. Mit der richtigen Entspannungsmusik bleiben Sie hinterm Lenkrad locker: Kollege Andreas Borcholte aus dem Kulturressort von SPIEGEL ONLINE hat dazu den ultimativen Blitz-Marathon-Mix zusammengestellt:

Alle Songs finden Sie in dieser Spotify-Liste. 

  • Arvo Pärt: Tabula Rasa: II. Silentium (Album: Portrait)
  • Jon Brion: Magnolia (Album: Magnolia Soundtrack)
  • Pink Floyd: Echoes (Album: Meddle)
  • Radiohead: The Tourist (Album: OK Computer)
  • Bon Iver: Holocene (Album: Bon Iver)
  • Freur: Doot Doot (Album: Freur)
  • James Blake: Retrograde (Album: Overgrown)
  • Massive Attack: Heat Miser (Album: Protection)
  • Beck: Lonesome Tears (Album: Sea Change)
  • Brian Eno: An Ending (Ascent) (Album: Apollo: Atmospheres & Soundtracks)
  • Bonus-Track: John Cage: 4'33''

5. Wer schneller fährt, kommt trotzdem nicht früher an

"Schnelleres Fahren bringt kaum einen Zeitvorteil", sagt der Verkehrsexperte Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg. Kurz mal Gas zu geben verursache vor allem eins: einen höheren Spritverbrauch. "In der Stadt ist das meistens nur Energieverschwendung, weil man sowieso an der nächsten Ampel warten muss."

24-Stunden-Aktion in Deutschland: Die Standorte der Kontrollstellen

Aber auch auf der Autobahn lässt sich ein Zeitverlust durch Raserei kaum aufholen. Schreckenberg stellt eine einfache Beispielrechnung auf: "Sie planen eine Strecke von A nach B mit 120 km/h in einer bestimmten Zeit zu fahren. Angenommen, Sie schaffen die eine Hälfte wegen stockendem Verkehr aber nur mit 80 km/h: Dann müssten Sie in der zweiten Hälfte konstant 240 km/h fahren, um pünktlich anzukommen. Das ist völlig illusorisch."

cst