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17. Juni 2019, 04:40 Uhr

Oldtimer BMW 5er E34

Geliebtes Eisenschwein

Von Haiko Prengel

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem - es gibt sie nämlich, die Schnäppchenschlitten. Diesmal: der BMW 5er E34, dessen seidenweichen Motoren die Münchener bis heute ihren Nimbus verdanken.

Allgemeines zum Modell: Die 1988 vorgestellte 5er-Baureihe E34 stammt aus einer Ära legendärer Motoren: Damals pflanzte BMW seinen Autos seidenweiche, laufruhige Reihensechszylinder ein, von deren Nimbus der Hersteller bis heute zehrt. "Eisenschwein" nennen Liebhaber etwa den unverwüstlichen M30-Motor aus dem 530i und 535i, dessen Grundkonstruktion in die Sechzigerjahre zurückreicht. Zudem gab es zum Marktstart die zwei kleineren Reihensechszylinder 520i und 525i.

Mercedes-Fahrer mussten sich im Konkurrenzmodell W124 damals als Basismotorisierung mit einem 200er-Vierzylinder begnügen. Während bei Daimler Komfort im Vordergrund stand, zielte BMW mit dem E34 auf die sportlicher orientierten Kunden. W124-Fahrer orderten in der Regel ein Automatikgetriebe, die meisten E34 wurden dagegen mit Schaltgetriebe bestellt. "Die Handschalter sind bei E34-Fans auch heute gesucht", sagt Dele Gläsmann vom BMW Club 5er E34 IG. Denn mit Automatik kommt ein 520i träge aus dem Quark.

Erstmals in der 5er-Historie wurde beim E34 ab 1991 auch eine fünftürige Kombi-Version namens Touring eingeführt. Außerdem war der E34 der erste 5er, der mit Allradantrieb erhältlich war - als Modell 525iX. Ab 1992 wurde die Motorenpalette um zwei V8-Motoren ergänzt, 1993 kam mit dem 518i ein Vierzylinder mit 113 (später 115 PS) ins Programm. "Der wird absolut unterschätzt", sagt Experte Gläsmann. So sei der 518i spritzig und kaum langsamer als der am häufigsten verkaufte 520i mit seinem schwereren Sechszylinder.

In der Basisausführung lief der BMW E34 relativ nackt vom Band - mit Stoffsitzen, Kurbelfenster und Analoguhr. Die Aufpreisliste war allerdings lang. Auf Wunsch konnten Kunden ihren 5er zum Luxusvehikel aufrüsten, mit Ledersitzen, Klimaanlage, Bordcomputer oder elektrisch verstellbaren Kopfstützen im Fond. Begehrt sind heute Einzelstücke mit Sonderlackierungen (zum Beispiel Daytonaviolett oder Avusblau) oder die Sonderserien "Sportlimousine" (525i mit M5-Optik) und "Edel-Touring" (Lackierung in Nachtblau oder Zyklamrot, Interieur-Holz in grauem Vogelaugenahorn). 1996 endete die Produktion des E34 nach über 1,3 Millionen Stück.

Im Video: Faszination Oldtimer - Leidenschaft zwischen Rost und Chrom

Warum ausgerechnet der? Allein der sonore Klang eines 525i wäre für viele Grund genug, sich einen BMW E34 zuzulegen. Dazu kommt die Fahrfreude: Der 5er der späten Achtziger- und frühen Neunzigerjahre steht für eine Motorenqualität, die ihresgleichen suchte. Auch wegen seines Designs werden Fans des E34 wehmütig: Der kantige, bis 1996 gebaute 5er ist der letzte BMW mit der klassischen Doppelrundscheinwerfer-Front. Bei den Baureihen danach kamen die Scheinwerfer hinter eine Glasabdeckung, zudem folgte eine rundlichere Formensprache. Ein weiterer großer Pluspunkt des E34, insbesondere gegenüber seinem Nachfolger E39: "Fast alle Reparaturen sind günstiger, der E34 ist schrauberfreundlicher", sagt Dele Gläsmann von der E34 IG. Selbst an den V8-Modellen können halbwegs talentierte Hobbybastler viel selbst reparieren, beim E39 ist die Elektronik deutlich komplizierter. Lohnen tut sich das Schrauben in jedem Fall. Ein 540i der Baureihe E34 kostete mit einigen Extras vor 25 Jahren um die 100.000 Mark. Wer heute einen Bruchteil davon hinblättert, bekommt viel Auto für wenig Geld.

Verfügbarkeit: Wer einen BMW 5er E34 sucht, wird relativ problemlos fündig. 520i-Limousinen gibt es noch reichlich, viele sind allerdings heruntergeritten. Solide 525i sind deutlich seltener, die Achtzylinder noch rarer und teurer. Auch die meisten guten Touring sind in Liebhaberhand. Extrem beliebt sind außerdem Fahrzeuge mit Sportpaket M, besonders in Diamantschwarz. Eher als Exoten werden die Diesel-Versionen 524/525 td und 525 tds gehandelt.

Ersatzteilversorgung: Die Ersatzeillage ist für ein 30 Jahre altes Modell hervorragend. Praktisch alle Verschleißteile des BMW E34 sind problemlos über BMW zu beziehen, wenngleich etwa neue Achsteile nicht mehr die Langzeitqualität haben wie vor 30 Jahren ab Werk. Auch Karosseriekomponenten und Innenraumteile liegen beim Hersteller auf Vorrat. Allerdings sind die Preise wegen der hohen Lagerkosten mitunter sportlich.

Ersatzteilpreise (beispielhaft):

Schwachstellen: Korrosion ist beim E34 ein Grundproblem. "Rostfreie E34 gibt es nicht, höchstens rostarme", sagt Experte Gläsmann. Bei vielen Autos gammeln die Türunterkanten. Weitere Schwachpunkte sind Wagenheberaufnahmen, Schweller und der Bereich um den Tankdeckel. Bei der Elektrik bricht im Alter schon mal der Kabelbaum der Heckklappe (Touring und Limo). Auch der Stellmotor der Leuchtweitenregulierung quittiert oft den Dienst. Die Folge können unsinnige Fehlermeldungen des Bordcomputers sein. Bei den Sechszylindern ist die größte Schwachstelle das Kühlsystem. Erste Amtshandlung nach Neuerwerb sollte der Austausch von Wasserpumpe und Thermostat(-gehäuse) sein. Bei den V8-Aggregaten kann Flüssigkeit aus undichten Servobehältern die Motorlager zerfressen. Zudem lösen sich die Schrauben der Ölpumpe häufig. Diese sollten also angezogen sein, wenn man einen Ölpumpen-Ausfall und dadurch einen Motorschaden vermeiden möchte.

Preis: Eine 520i-Limousine mit Rest-TÜV und einigen Baustellen kann man für 1500 Euro finden. Besser ist es, 2500 bis 3000 Euro in die Hand zu nehmen und nach einem soliden Fahrzeug zu suchen. Touring-Modelle kosten mindestens einen Tausender Aufschlag. Gute 525i mit Handschalter und ein wenig Fahrzeughistorie kosten locker 5000 Euro, E34 mit V8 sind noch teurer. Generell ziehen die Preise für alle E34 spürbar an.

Anlaufstellen im Internet:

Weitere, fast schon frech günstige Fuhren finden Sie in den vorangegangenen Folgen der Serie:

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