Günstige Oldtimer - der BMW 7er E32 Harry, ich hol mir den Wagen!

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem - es gibt sie nämlich, die Schnäppchenschlitten. Diesmal: der BMW 7er, ein Zwölfzylinder-Pionier.

BMW

Von Haiko Prengel


Günstige Oldtimer
    Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

    Klar, für Opas abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat - und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.

BMW 7er (E32)

BMW 7er
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BMW 7er



Allgemeines zum Modell: Die Oberklasse-Limousine E32 kam 1986 auf den Markt und war die zweite 7er-Baureihe von BMW nach dem E23. Das damals neue Flaggschiff der Münchner war anfangs verhältnismäßig bescheiden ausgestattet. So war der 7er im ersten Jahr der Markteinführung nur mit den bereits vom Vorgängermodell bewährten Sechszylindermotoren erhältlich.

Ein Jahr später wurde die Zylinderzahl aber verdoppelt: BMW präsentierte im Jahr 1987 den 750i mit einem fünf Liter großen V12 unter der Haube. Der gewaltige Block leistete 300 PS und war damals der erste Zwölfzylindermotor in einem deutschen Serienauto der Nachkriegszeit. Das Konkurrenzmodell von Mercedes, die S-Klasse W126, hatte beispielsweise einen Achtzylinder als Top-Motorisierung. Erst 1991 präsentierten die Schwaben den ebenfalls mit einem Dutzend Zylindern bestückten 600 SE (W140).

Bei der Spitzengeschwindigkeit nahm BMW damals allerdings keine Vorreiterrolle ein, 1987 einigte man sich zusammen mit Mercedes-Benz und Audi auf eine freiwillige Selbstbeschränkung auf maximal 250 km/h, die für die Fahrzeuge ab Werk bis heute Bestand hat.

Zwölfzylinder von BMW
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Zwölfzylinder von BMW

Für den von Chefdesigner Claus Luthe gezeichneten E32 gab es drei Ausstattungsvarianten, die höchste hieß Highline und trumpfte mit Extras wie Kühlschrank, Telefon, klappbaren Wurzelholztischen im Fond oder Zweizonen-Klimaautomatik auf. Für Politiker und Firmenchefs mit besonderen Platzbedürfnissen gab es den 7er in einer Langversion. Aber: Es liefen auch Buchhalter-7er mit Stoffsitzen und ohne Klimaanlage vom Band.

Achtzylinder, wie sie bei der Mercedes S-Klasse seit langem Standard waren, führte BMW beim E32 erst 1992 im Rahmen einer Modellpflege ein. Im Innenraum gab es mit dem Facelift mehr Holzelemente, besonders edel wirkten die Nussbaumleisten mit Goldstreifen. Außen bekam der E32 breitere Nieren auf der Front, Blinker auf den Seiten sowie eine neugeformte Motorhaube. 1994 wurde der E32 dann vom 7er-Nachfolgemodell E38 abgelöst.

Warum ausgerechnet der? Das ist das Schöne bei Oldtimern: Selbst Luxusautos werden im Alter erschwinglich. Für den Preis eines 750i mit Zwölfzylinder oder selbst einen gut ausgestatteten 740i (V8) hätte man vor 30 Jahren auch ein Haus kaufen können. Heute stehen die Edel-Limousinen für vergleichsweise kleines Geld beim Fähnchenhändler.

Das ist erstaunlich, handelt es sich bei dem E32 doch keineswegs um ein Fahrzeug von gestern. Unter anderem bietet er einen Bordcomputer, Crash-Sensoren, ein Automatisches Stabilitätssystem plus Traktionskontrolle (ASC + T) sowie Xenon-Lichter.

Für die Zwölfzylindermodelle sollte man allerdings Reserven haben, denn die Wartungs- und Reparaturkosten bei dem komplizierten Aggregat können beträchtlich sein. Unter anderem machen Thermikprobleme dem Motor zu schaffen, und selbst bei harmlosen Eingriffen wie dem Austausch der hinteren Zündkerzen braucht man Schlangenarme.

Die Langversion des 7er
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Die Langversion des 7er

Nico Conrady, BMW-Fahrer aus Berlin, schwört daher auf seinen 740i mit V8-Motor, dessen Durchzugskraft im Zwischensprint - etwa beim Überholen auf der Landstraße - enorm sei. "Von 60 auf 100 km/h geht der richtig ab", sagt Conrady. Ein Auto mit bis zu 300 PS und Heckantrieb sind allerdings nicht jedermanns Sache, etwas Fahrgefühl benötigt der 7er. Conrady: "Ansonsten dreht er dir den Arsch herum."

Oder aber man lässt sich fahren, so wie Oberinspektor Stephan Derrick (Horst Tappert) in der gleichnamigen Krimi-Serie. Der Ermittler war vor 30 Jahren einer der prominentesten 7er-Fahrer. Die popkulturelle Kontroverse um das angebliche Derrick-Zitat "Harry, hol schon mal den Wagen" soll an dieser Stelle nicht aufgerollt werden. Fest steht: Der 7er ist sowohl mit als auch ohne Chauffeur ein empfehlenswerter Oldtimer.

Verfügbarkeit: Das Angebot ist bei Weitem nicht so groß wie bei der S-Klasse von Mercedes. Doch auch vom BMW 7er E32 findet man mit etwas Geduld einige gut gepflegte Exemplare. Doch es gibt mittlerweile diverse Profihändler, die alte E32 aufkaufen, ausschlachten und die Teile teuer weiterverkaufen.

Reicht ein Sechszylindermodell statt eines Acht- oder Zwölfzylinders, erhöhen sich die Chancen auf eine erfolgreiche Suche. Die 7er mit Sechsern sind außerdem deutlich günstiger im Unterhalt als größer motorisierte Varianten, denn ohne H-Kennzeichen kann die Kfz-Steuer bei vier bis fünf Litern Hubraum ganz schön ins Geld gehen.

Manche Innenraumteile sind nicht mehr lieferbar
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Manche Innenraumteile sind nicht mehr lieferbar

Ersatzteilversorgung: Laut E32-Fahrer Conrady hat das Internet-Angebot an Ersatzteilen seit einiger Zeit zwar stark abgenommen, doch knapp ist die Lage noch nicht. Viele Verschleißteile hat auch BMW noch auf Lager, aber gerade Stoßstangen, Kotflügel oder bestimmte Innenraumteile sind oft nicht mehr lieferbar. Glücklicherweise ist die BMW-Klassiker-Szene sehr aktiv, über Foren und Klubs finden 7er-Fahrer viel Unterstützung.

Ersatzteilpreise (beispielhaft):

V8-Steuerkette mit Anbauteilen: circa 1100 Euro bei BMW (ohne Einbau bzw. Arbeitskosten)

Satz Bremsscheiben vorne: circa 200 Euro

Lichtmaschine: gebraucht circa 80 Euro

Kotflügel vorn: gebraucht circa 200 Euro

Schwachstellen: Bei frühen E32 ist die Rostvorsorge ab Werk gut, ab Baujahr 1990 wird sie schlechter. Betroffen sind häufig Türunterkanten, die Schweller am Radkasten hinten, die hinteren Radläufe sowie die Falz unter dem Tankdeckel. Inspizieren sollte man auch Pendelstützen, Querlenker und Spurstangenköpfe an den Achsen.

Ein feuchter Fußraum kann darauf hindeuten, dass der Wärmetauscher kaputt ist, für den Austausch muss fast das komplette Armaturenbrett raus. Weniger dramatisch ist ein Ausfall der Klimaautomatik: Das defekte Heizschwert kann man nachlöten.

Robust zeigen sich die Motoren. Die V8 halten bei guter Pflege 300.000 Kilometer und länger. Eine Legende ist auch der M30-Sechszylinder, der wegen seiner Zähigkeit auch "Eisenschwein" genannt wird.

Preis: Ab etwa 2000 Euro aufwärts findet man fahrbereite BMW 7er E32, mitunter auch mit gültiger HU-Plakette. Für die Beseitigung von Wartungs- und Reparaturstau sollte man dann aber noch einmal ein, zwei große Scheine einplanen.

Gute Autos mit nachvollziehbarer Historie können auch mal 6000 Euro und mehr kosten. Für ein Luxusauto wie den 7er ist das aber immer noch ziemlich wenig Geld. Vergleichbare S-Klassen (W140) kosten oft das Doppelte bis Dreifache.

Anlaufstellen im Internet:

E32 Forum BMW 7er Forum

BMW E23 Club Weitere, fast schon frech günstige Fuhren finden Sie in den vorangegangenen Folgen der Serie:



insgesamt 73 Beiträge
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Seite 1
xcountzerox 09.12.2017
1. Tolles Auto
Habe den 750 iL als Gebrauchten mit Vollausstattung Mitte der 90er 2 Jahre lang gefahren. Hat schon ordentlich Spaß gemacht, aber auch reichlich Sprit verbraucht. Allerdings sogar weniger als der vorherige Chrysler LeBaron 3.0l V6.
Bueckstueck 09.12.2017
2. Was ist ein Oldtimer?
Bevor die Schlaumeier hier aufgaloppieren, nochmal schnell den Hinweis: Ab 30 Jahren gilt ein Auto als Oldtimer. Das ist die Definition, nicht die persönliche Meinung und das Missverständnis dessen wofür 'Oldtimer' steht.
DerBlicker 09.12.2017
3. kein Luxus
Das Interieur des alten 7-er sieht ziemlich ärmlich aus, jeder aktuelle 1-er BMW sieht innen hochwertiger aus. Allein das rein schwarze Airbag Lenkrad ohne BMW Logo im E32 sieht aus wie im Dacia.
hannasagmalzopf 09.12.2017
4. Der schönste 7er ever!
Für mich der schönste 7er! Der E38 war auch noch hübsch, aber alles andere danach ist ja Geschmacksverirrung pur. Bin selber einige Jahre E23 gefahren. Schon irre, was die alten Kisten für eine Performance bieten. Hubraum ist und bleibt durch nichts zu ersetzen! :)
monolithos 09.12.2017
5.
Zitat von DerBlickerDas Interieur des alten 7-er sieht ziemlich ärmlich aus, jeder aktuelle 1-er BMW sieht innen hochwertiger aus. Allein das rein schwarze Airbag Lenkrad ohne BMW Logo im E32 sieht aus wie im Dacia.
Das nennt man Fortschritt. Ein 1er oder Ihr X1 wird im Vergleich zu einem Dacia aus dem Jahre 2040 auch ziemlich ärmlich dastehen. Das ändert nichts an der Tatsache, dass dieser 7er der schönste aller 7er und einer der gelungensten BMW überhaupt ist (neben dem E34 und dem E30).
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