BMW Isetta, Baujahr 1959 Klein, aber oho

Der Winzling mit der Kühlschranktür sah zwar aus wie ein Bonbon auf Rädern, fuhr aber zuverlässig und bot mehr Platz, als man denkt. Leider kippte SPIEGEL-ONLINE-Leser Hilmar Zeissig in seinem Studentenauto Isetta ab und zu von der Fahrbahn.


Nahezu jeder Autobesitzer fühlt sich mit seinem Fahrzeug auf besondere Weise verbunden. Bei SPIEGEL ONLINE stellen Leser ihr persönliches Lieblingsmodell und ihre persönlichen Erlebnisse mit dem Gefährt vor. Diesmal berichtet Hilmar Zeissig über das Leben mit seiner BMW Isetta 250, Baujahr 1959, Ein-Zylinder-Motorradmotor, 250ccm, zwölf PS.

Meine Isetta hieß Uzi, da mich ihr Fahrgeräusch an die bei der Bundeswehr benutzte israelische Maschinenpistole erinnerte. Andere nannten sie Schlaglochspürgerät oder Asphaltblase. Der bekannteste Spitzname war jedoch Knutschkugel.

Gekauft hatte ich die Isetta mit 46.320 Kilometern auf dem Tacho im Dezember 1962. Das Fahrzeug war in der typischen Farbkombination gelb-orange lackiert und verfügte über die Standardausrüstung mit Rolldach. Den Kaufpreis von 700 Mark bezahlte ich aus dem Gewinn zweier Volksaktien, die ich rechtzeitig verkauft hatte.

Bequemer Einstieg auch bei großer Körperlänge

Der Umstieg vom Fahrrad mit Hilfsmotor aufs Auto markiert den Beginn meines persönlichen Wirtschaftswunders. Das begann recht frisch, denn im Winter musste ich immer Skikleidung tragen, da das Ding keine Heizung hatte. Dafür bot die Isetta viel Platz. Wegen meiner Größe von 1,96 Metern habe ich den bequemen Einstieg von vorne besonders geschätzt. Bei einer Fahrt zum Kölner Karneval hatte ich vier ausgewachsene und angeheiterte Beifahrerinnen an Bord. Wie das ging, kann ich allerdings nicht mehr rekonstruieren.

Gemeinsam mit anderen Isetta-Fahrern erstanden wir ein weiteres Exemplar vom Schrotthändler als Ersatzteilquelle. Dennoch hatte ich erfreulich wenige Probleme mit meiner Isetta, die ich intensiv nutzte.

Meine Studentenbude lag am Bahnhof in Beuel, und ich musste jeden Tag zur Uni oder zum Repetitor über die Rheinbrücke nach Bonn knattern. Mindestens einmal die Woche fuhr ich über die Autobahn zu Vorlesungen an der Kölner Uni. Hinzu kamen am Wochenende weitere 200 Kilometer Heimweg nach Bad Bentheim an der holländischen Grenze. Dort fuhr die niedersächsische Polizei elegante tannengrüne Isettas als Dienstwagen. Meine längste Tour ging nach Konstanz am Bodensee. Der kleine Viertakter tuckerte immer zuverlässig und brauchte mit seinen zwölf PS nur hin und wieder eine Tasse Benzin.

Nur einmal musste der Vergaser ersetzt werden. Außerdem brach die Antriebskette, und Scheibenwischer und Rückspiegel mussten nach kleinen Unfällen ausgetauscht werden. Obgleich ich wie die meisten meiner Freunde Jura studierte, wurden wir mit Hilfe einer kleinen Werkstatt, bei der wir unser Ersatzteilauto abstellten und am Wochenende gegen geringe Gebühr die Werkzeuge und Hebebühne benutzten, recht gute Mechaniker.

Ausgezeichnete Straßenlage

Die Isetta besaß selbst bei der rasanten Höchstgeschwindigkeit von 85 km/h eine ausgezeichnete Straßenlage - dank der breiten Vorderachse und dem niedrigen Schwerpunkt. Schwieriger war die Fahrt bei Neuschnee, da die Spurrinnen anderer Autos für die Vorderräder zu breit waren und die beiden Hinterräder ihre eigene Spur machen mussten.

Ich entsinne mich, wie mich einmal frühmorgens auf der Autobahn nach Köln ein Lkw überholte und ein dicker Schneeklumpen auf meine Frontscheibe klatschte. Darauf drehte sich die Isetta mehrmals im Kreis und landete rückwärts am Straßenrand, wo nur die Hinterräder die Schneemauer durchbrachen und in der Luft hingen. Wegen des Gewichts des hinten liegenden Motors wäre der Wagen in den Straßengraben gekippt, wenn ich ausgestiegen wäre. Also winkte ich aus der geöffneten Tür dem Verkehr zu, bis sich einer erbarmte und mich auf die Straße zog.

Am Ende meiner Studienzeit verkaufte ich 1965 das Musterexemplar deutsch-italienischer Ingenieurskunst. Doch noch immer erinnere ich mich gern an diese Zeit und meine Isetta.

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insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
Hajojunge 26.07.2009
1. Die Isetta hatte sehr wohl eine Heizung !!!
Auf der Fahrerseite gab es eine Entfrosterdüse für die Windschutzscheibe, die mit Motorkühlluft versorgt wurde. Über einen Klappenhebel konnte man die Warmluft auch in den Fußraum umlenken. Natürlich war die Heizung recht kümmerlich, aber den Winter 1966/67 habe ich mit meiner Isi ganz gut gemeistert, auch dank "serienmäßigem Sperrdifferential", nämlich gar keinem. Auf Straßen mit Spurrillen fuhr das Ding immer diagonal. Die Isetta war meine allererste Autoliebe, mein erster (und bislang letzter) BMW - unvergessen.
johannesdoe 26.07.2009
2. beziehungen
lt meinem vater (körpergröße 1,90 m) war in der Isetta sogar genug platz für.."zwischenmenschliches"..und dann war die minimale heizung gar kein problem mehr ;-)
tempus fugit 26.07.2009
3. Reloaded
Zitat von HajojungeAuf der Fahrerseite gab es eine Entfrosterdüse für die Windschutzscheibe, die mit Motorkühlluft versorgt wurde. Über einen Klappenhebel konnte man die Warmluft auch in den Fußraum umlenken. Natürlich war die Heizung recht kümmerlich, aber den Winter 1966/67 habe ich mit meiner Isi ganz gut gemeistert, auch dank "serienmäßigem Sperrdifferential", nämlich gar keinem. Auf Straßen mit Spurrillen fuhr das Ding immer diagonal. Die Isetta war meine allererste Autoliebe, mein erster (und bislang letzter) BMW - unvergessen.
Sowas heute - ggfls. mit E-Antrieb - wäre doch das Autochen für den Stadtverkehr. Zu Parken wo auch der Platz für ein grosses Motorad nötig ist. Unübertroffen klein aussen, richtig gross innen und als 'fast Dreirad' eher in der Kategorie 'Dreirad' mit Motoradführerschein als als 'Auto' festzumachen.
johannesdoe 26.07.2009
4. tempus...
..welches "schweinderl" hätten sie denn gerne? http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Elektroautos
tempus fugit 26.07.2009
5. Schweinderl, das nicht grunzt und nicht stinkt...
Zitat von johannesdoe..welches "schweinderl" hätten sie denn gerne? http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Elektroautos
Danke - ich wart' ja förmlich drauf, bis da mal was kommt - und bezahlbar - keinen Tesla... Ja eben - die Isetta, elektrisch mit der klassischen Vordertür, dann kann man parken wie man Platz findet... Auch die C1 - elektrisch - wär' sowas interessantes - nur halt schade, dass so ein Platzhirsch wie BMW nur einen Mini schafft mit Batterien auf dere Sitzbank und im Kofferraum. Dagegen ist sogar der Hotzenblitz Längen voraus. Schade um ihn.
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