BMW R 90 S, Baujahr 1976 25 Jahre, 250.000 Kilometer

Als Jens Schlichting die BMW R 90 S das erste Mal sah, verliebte er sich sofort. Inzwischen fährt der SPIEGEL-ONLINE-Leser das Motorrad der legendären Strich-Sechser-Baureihe seit einem Vierteljahrhundert - auf drei Kontinenten hat die Maschine eine Viertelmillion Kilometer zurückgelegt.

Das Durchschnittsalter der rund vier Millionen Krafträder in Deutschland liegt bei gut zwölf Jahren, einige sind noch deutlich älter. SPIEGEL ONLINE testet mit Hilfe der Leser, wo die Stärken und Schwächen des Altmetalls liegen. Diesmal berichtet Jens Schlichting über seine BMW R90S.

Meine Liebe entflammt 1976. Auf dem Fußweg zum Gymnasium komme ich eher zufällig an einer Garagenauffahrt vorbei, von der mich eine neu glänzende R 90 S in der Farbe Silberrauch anstrahlt. Wow! Das Design spricht mich sofort an, begeistert inspiziere ich das Motorrad genauer. Von nun an mache ich des Öfteren einen kurzen Umweg, um die Maschine zu bestaunen. Ein Wunsch brennt sich bei mir ein: So ein Traummotorrad soll auch mir einmal gehören.

Über Vitamin B finde ich 1981 eine fünf Jahre alte Maschine des Typs 75/6, die ab Werk komplett als 90 S ausgerüstet worden war. Das Moped ist lediglich 21.000 Kilometer gelaufen und sieht aus wie neu. Allerdings ist es statt in Silberrauch in Daytona Orange lackiert. Ich finde die Farbe grausam. Aber so etwas kann man ja ändern.

Gummikuh in Japan

25 Jahre sind seitdem vergangen. Die BMW befindet sich inzwischen in Tokio, hat 271.000 Kilometer auf der Uhr und erstrahlt im grellsten Daytona Orange! Noch immer genieße ich es sehr, wenn ich mit der alten Gummikuh fahre. Zügig brummt sie durch die Häuserschluchten der japanischen Metropole, erst die Kampachi hoch, dann in die Meguro Dori, so fängt der Arbeitstag gut an.

Im Grunde ist technisch in den 25 Jahren seit dem Kauf nichts mehr passiert. Die 75/6 wurde nicht umgespritzt, die gleiche Kurbelwelle dreht sich noch immer im Gehäuse, nur sind wir beide älter geworden und haben gemeinsam 250.000 km hinter uns gelassen.

Ich durfte die Gummikuh begleiten durch Europa, vom Polarkreis bis runter nach Spanien, nach Italien, auf den Balkan, von Griechenland bis nach Kurdistan, zum Ararat, und nicht zu Vergessen von der mexikanischen Grenze bis nach Kanada und wieder zurück. Und nun in Japan: In einem Container reiste sie im Sommer 2005 gen Tokio.

Pannen und Defekte? Von wegen!

Jetzt müsste die Kritik an der 75/6 folgen, nur: mit welchen Macken hat mich denn die Kuh geärgert? Wenn man alle 100.000 Kilometer den Motor überholt, bei der Dampfstrahlkosmetik auf die Lager achtet, den Motor erst bei Betriebstemperatur fordert, ja dann kann man – wohl auch mit etwas Glück versehen - sich auf das Fahren beschränken. Nie musste das Motorrad auf einen Hänger geladen werden, klaglos ertrug es alle Widrigkeiten. Über 100.000 Kilometer musste der Motor sogar mit dreißiger Einbereichsöl auskommen – weil es billiger war. Es hat ihm zumindest bis jetzt nicht geschadet.

Die schwarzen Teile haben noch die Original-Lackierung, das Daytona Orange musste teilweise erneuert werden, unter anderem, weil meine Beine am Tank scheuern. Außer einer etwas höheren Scheibe an der S-Verkleidung, den uralten Krauser Koffern und dem Krauser Kunststoffgepäckträger sowie den stahlummantelten Bremsleitungen vorne ist die Kuh auch heute noch original ausgestattet, eine 90S mit dem 75/6 Motor.

Ich schaue immer wieder gerne in mein umfangreiches Fahrtenbuch, das auch über ein Vierteljahrhundert gemeinsame Lebensgeschichte berichtet. Und noch läuft sie wie am ersten Tag. Ich melde mich dann nach weiteren 25 Jahren und nach hoffentlich weiteren 250.000 km wieder.

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