Bobby-Car für Erwachsene Nein, wie niedlich!

Das Bobby-Car, ein Flitzer aus Plastik für die Kleinsten, gehört inzwischen in jedes Spielzimmer. Jetzt gibt es das Kult-Auto auch für Erwachsene. Roddy heißt ein Elektromobil, das der Kinderkutsche nachempfunden ist. Seine Kurvenlage ist rasant, sein Preis auch.

Mario Andreya

Von Anna Matuschek


Sie gehören zur Grundausstattung einer modernen Kinderstube, zum Fuhrpark vieler Kindertagesstätten und neben dem Einkaufswagen auch zur Standardausstattung einer Familie, die bei IKEA einkauft: Bobby-Cars. Seit 1972 assistiert das von Pädagogen etwas sperrig als Lauflerngerät der Jüngsten bezeichnete Gefährt bei der Fortbewegung und führt zu zerfetzten Kinderschuhen. Und manche, die mit den Krachmachern einst die Nachbarn in den Wahnsinn getrieben haben, machen längst weiter. Inzwischen hat sich eine eng vernetzte Clubszene entwickelt, die Meisterschaften im Bobby-Car-Rennen veranstaltet.

Die Faszination für die Plastikautos ließ auch den Wiesbadener Designer Stephan Kühler nie wirklich los. Sie brachte ihn sogar auf die Idee, ein ganz spezielles Miniatur-Auto zu konstruieren, an dem vor allem Erwachsene ihren Spaß haben sollen. Es sieht auf den ersten Blick wie ein nach dem Vorbild eines amerikanischen Hot-Rod-Autos gestaltetes Bobby-Car aus. Aus der Kombination beider Namen entstand schnell auch der Name: Roddy.

Der Roddy erinnert jedoch nur auf den ersten Blick an das Vorbild. Ein Blick unter die Karosserie zeigt, warum: Dort arbeitet nämlich ein aufwendiges Fahrwerk und ein Elektroantrieb mit 750 Watt Leistung - moderne Pedelecs leisten etwa 250 Watt. Der Hasardeur steuert das Gefährt per Paddel hinter dem tief geschüsselten Hot Rod-Lenkrad.

Der Star der Kurven

Die Haltung auf dem Roddy ist zunächst gewöhnungsbedürftig. Je nach Größe muss sich der Pilot mehr oder weniger krümmen. Die Füße finden vor dem Lenkrad auf einem Rahmen Halt, den man zunächst für eine Stoßstange gehalten hätte. Dann, nach kurzer Orientierungsphase, setzt sich der Roddymotion lautlos in Bewegung. Unter der Sitzschale summt der E-Antrieb, dessen Blei-Gel-Batterien für 1,5 Stunden Fahrzeit garantieren sollen. Samt Besatzung rennt das 55-Kilo-Spielzeug maximal 30 km/h.

"Mehr nicht?", ist eine häufig gestellte Frage angehender Testfahrer. Doch bereits die ersten Meter zeigen, dass das vollkommen ausreicht. Die Stärke des Roddy sind die Kurven. Das Fahrwerk nimmt Anleihen aus dem Kartsport, die hinteren Räder kommen normalerweise bei Strandseglern zum Einsatz. Öffentliche Straßen sind allerdings tabu.

Weil der Roddy mit einem Preis von fast 7000 Euro für die Kurverei um Pylonen auf dem Supermarktparkplatz ein wenig zu teuer erscheint, liefert Kühler die Ideen für die mögliche Anwendung gleich mit. So soll das Retro-Spielzeug beispielsweise an langen Messetagen für ermüdungsfreien Transfer sorgen - oder bei Rennveranstaltungen werbewirksam als Transporter dienen. Für diesen Einsatz plant sein Erfinder noch einen passenden Anhänger - wie bei Gevatter Bobby-Car.

Während dieser in seiner Urfassung zunächst ausschließlich in Rot an die kindliche Kundschaft ausgeliefert wurde, gibt es für das moderne Pendant gleich 25 Designvorschläge. Sie sollen allerdings eher Anregung sein als Vorgabe. "Ich würde den Roddy gerne nur in Schwarz anbieten, damit jedem Käufer Platz für Individualität bleibt", erklärt Kühler seine Strategie: "Natürlich stehe ich bei der Entwicklung gerne zur Seite".

Während der erste Zögling noch komplett in Eigenregie entstand, wird die Teilefertigung zukünftig von deutschen Firmen übernommen. "Bis auf den Elektromotor sind alle Komponenten Made in Germany. Leider ist der Antrieb hierzulande noch zu teuer", resümiert er, und rechtfertigt damit auch gleich den hohen Preis. Man kann den Roddy aber auch leasen oder samt Instruktor und Pylonen-Park mieten. Gut 20 Liebhaber haben für 2011 schon ihre Unterschrift unter den Kaufvertrag gesetzt und sich damit ein Stück Kindheitserinnerung gesichert.



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