Unterm Hammer Das Salzsee-Ungeheuer

Für manche Autos muss man einfach mehr bieten: SPIEGEL ONLINE zeigt Raritäten und Fahrzeuge mit berühmten Vorbesitzern, die versteigert werden. Diesmal: Bombshell Betty, die Rekordbrecherin von Bonneville.

Barrett Jackson

    Die teuersten Autos der Welt sind oft keine Neuwagen, sondern gebrauchte: Oldtimer, die sich in Händen reicher Sammler befinden oder nach langer Vergessenheit plötzlich aus Scheunen wieder auftauchen. Für den gewöhnlichen Auto-Enthusiasten bleiben diese Fahrzeuge unerreichbar, nur mit ganz viel Glück bekommt man sie mal zu Gesicht. In seltenen Momenten ergibt sich aber die Gelegenheit, etwas über diese Traumwagen zu erfahren: Wenn sie versteigert werden.

    Bevor die Autos zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten wieder verschwinden, werden die alten Storys über sie neu erzählt oder sogar Geheimnisse gelüftet. Je schillernder die Geschichte eines Autos, desto höher sein Marktwert. Die glamourösesten Fahrzeuge stellen wir in einer Serie in loser Reihenfolge vor. Sie sind unsere Helden unterm Hammer - die Auction Heroes.

Unterm Hammer: Das, was mal ein 1952er Buick Super Riviera war und dann zu "Bombshell Betty" wurde.

Warum mitbieten? Weil man mit Bombshell Betty in Rekordgeschwindigkeit über einen Salzsee brettern kann. Genau zu diesem Zweck hat der US-Customizer Jeff Brock dieses Aluminium-Geschöpf erschaffen. Heißt im Umkehrschluss, dass Betty ein Nischenmodell ist. Sie und der durchschnittliche TÜV-Prüfer werden wohl kaum warm miteinander.

Aber: Wer sich schon immer Zugang zum innersten Zirkel der extravagantesten Geschwindigkeitsfanatiker der Welt gewünscht hat, sollte auf jeden Fall um die Bombshell mitbieten. Denn in Bonneville, Utah, wo sich jedes Jahr eine Schar von Kfz-Extremisten zur Speed Week trifft, genießt Betty einen exzellenten Ruf: Seit 2009 hat sie dort bei den Salzwüstenrennen in ihrer Wettbewerbsklasse einen Rekord nach dem anderen aufgestellt.

Der bislang letzte stammt von 2013, da schaffte es der Einsitzer auf exakt 266,72 km/h. Wie es sich anfühlt, in diesem Tempo in diesem Ding, das mal ein Auto war, durch eine weiße Wüste zu rasen - wer weiß das schon außer den Glücklichen, die ans Steuer durften? Wie es Jeff Brock aber geschafft hat, den Buick in ein Geschoss zu verwandeln, lässt sich an der Liste der Umbaumaßnahmen ablesen.

Das Basisfahrzeug, der Buick Super Riviera von 1952, wurde gechoppt, also sein Dach um mehrere Zentimeter herabgesetzt und die Karosserie durch einen aerodynamisch gebogenen Aluminiumpanzer ersetzt. Die bronzefarbenen Scheinwerferabdeckungen stammen von einem Chevrolet aus den Dreißigerjahren und dienten dereinst als Lampenfassung der Vorderlichter.

Die Minirakete vor der Frontscheibe ist ein Lufteinlass, sie sitzt auf Doppelvergasern und einem Achtzylinder-Reihenmotor mit 340 PS und 5,2-Liter Hubraum, der ursprünglich aus einem 1950er Buick Roadmaster stammt und wiederrum mit speziellen Kolben modifiziert wurde. Die Vorderachse gehörte mal zu einem 1968er Chevy Van und die Hinterachse zu einem 1973er Ford Thunderbird. Das manuelle Vierganggetriebe wurde in den Sechzigerjahren von dem US-Autozulieferer Borg-Warner gefertigt.

Dieses Versatzstückhafte erinnert natürlich an Frankensteins Monster, und an dem Vergleich ist ja auch nichts Ehrrühriges für die schöne Betty: Schließlich ist sie ein echtes Salzsee-Ungeheur.

Zuschlag! Der Bombshell-Buick kommt in diesen Tagen in Las Vegas unter den Hammer. Das für die Versteigerung zuständige Auktionshaus Barrett-Jackson hat zwar keinen erwarteten Erlös angegeben, auf einer Verkaufsplattform für Edelkarossen wurde der Wagen zuletzt für 195.000 Dollar angeboten.

cst



zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.