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Buffalo Bike: Das Mary-Mobil

Foto: World Bicycle Relief

Buffalo Bike Ein Rad bewegt die Welt

Es hat weder Handbremse noch Licht. Doch das Buffalo Bike gehört zu den besten Rädern der Welt, weil es Leben verändert - zum Beispiel das von Mary aus Sambia.

Vier Uhr, die Sonne schläft noch, als sich Mary aus dem Bett quält. Das Mädchen wohnt in einem Waisenhaus in Palabana, Sambia. Ihr Vater starb früh, wegen einer HIV-Erkrankung konnte sich die Mutter nicht um sie kümmern.

Mary schlüpft in ihre grüne Schuluniform, zieht einen strengen Scheitel in die schwarzen Locken und macht sich auf den Weg zur Mikango Oberschule. Acht Kilometer muss sie zurücklegen - zu Fuß. Gut anderthalb Stunden dauert der Marsch.

Als Mary in der Schule ankommt, fallen ihr im Unterricht fast die Augen zu, müde von den Strapazen. "Ich habe oft gedöst", sagt das Mädchen in einem YouTube-Video später. Ihre Leistungen in der Schule leiden - bis sich im vergangenen Jahr alles ändert.

Es ist ein Fahrrad, das Marys Leben einen Kick gibt. Das Fahrrad heißt Buffalo, entspricht in Deutschland nicht im entferntesten der Straßenverkehrsordnung und wiegt mit 23 Kilo ganz schön schwer. Für Afrika ist es genau der richtige Typ Rad - nahezu unkaputtbar und im Notfall leicht zu reparieren. Seit Mary damit fährt, vergeudet sie weniger Zeit mit dem Schulweg, schafft so ihre Hausaufgaben regelmäßig. Auch kann sie sich besser konzentrieren.

Die internationale Entwicklungsorganisation "World Bicycle Relief" (WBR)  mit Hauptsitz in Chicago leistet mit dem Buffalo Fahrrad Hilfe zur Selbsthilfe. Entstanden ist die Organisation nach dem Tsunami im Jahr 2004. Die Gründer F.K. Day und Leah Missbach Day reisten nach Sri Lanka, um zu sehen, wie sie dort die Opfer am besten unterstützen könnten. Day, damals einer der Inhaber des Fahrradteile-Herstellers SRAM, sprach mit verschiedenen Hilfsorganisationen vor Ort. Er stellte fest, dass Mobilität das A und O für den Wiederaufbau ist: Denn mit dem Fahrrad kann ein Einzelner im gleichen Zeitraum die vierfache Distanz zurücklegen und fünfmal mehr transportieren als zu Fuß. Mit ihrem Privatgeld kaufte Familie Day 24.000 Räder in Indien und verschiffte sie nach Sri Lanka, wo sie sozusagen zum Motor des Wiederaufbaus wurden. Daraufhin baten verschiedene Hilfsorganisationen, das Projekt auf Afrika zu übertragen.

WBR unterstützt auch die Ausbildung von Mechanikern

"Am Anfang haben wir versucht, mit Fahrrädern zu arbeiten, die es vor Ort gab", sagt Day gegenüber SPIEGEL ONLINE. "Aber diese waren billig hergestellt und von kurzer Lebensdauer". Deshalb entschied sich Day, ein eigenes Fahrrad zu entwickeln. Seit acht Jahren gibt es nun das Buffalo. Der Rahmen wird bei dem Fahrradhersteller Giant in China gebaut, die Teile kommen von Fahrradherstellern weltweit, montiert wird das Buffalo vor Ort in Afrika. Mit Spendengeldern fördert WBR auch die Ausbildung von Mechanikern. "Das, was wir am wenigsten wollen ist, lokale Wirtschaft zu zerstören", sagt WBR-Pressesprecherin Lena Kleine-Kalmer.

Die Weite Afrikas: Mary auf dem Weg zur Schule

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Foto: World Bicycle Relief

Was macht das Rad so besonders? Es muss hart im Nehmen sein und ist reduziert auf das Allernötigste. Selbst Handbremse und Licht fehlen, damit die Teile nicht kaputt gehen. In der Umgebung von Palabana gibt es keine befestigten Straßen. In der Regenzeit erschwert Matsch die Fahrt, bei Hitze setzt der Staub den beweglichen Teilen zu.

Die Produktionskosten für das Buffalo liegen derzeit bei 147 Dollar, viel mehr zahlen die Menschen auch nicht dafür. "Wir sind eine gemeinnützige Organisation und nicht profitorientiert", sagt Kleine-Kalmer. Der Erlös aus den Verkäufen kommt World Bicycle Relief wieder zugute.

Der Gepäckträger ist für eine Last von 100 Kilo ausgelegt und kann bis zu zwei Meter hoch beladen werden. Gabel und Rahmen des Buffalos sind aus besonders strapazierfähigem Stahl, so Day. Die Reifen sind pannensicher. Die größten technischen Herausforderungen stellen aber die Rücktrittbremse und der Pedalantrieb dar - "bei all dem Schmutz und Staub". An einer weiteren Verbesserung dieser neuralgischen Punkte arbeiten Ingenieure von SRAM in Schweinfurt.

"Ich möchte ein Waisenhaus gründen"

WBR ist es wichtig, dass das Fahrrad mit den Erfahrungen der Besitzer ständig weiterentwickelt wird. Erst dieses Jahr waren Mitarbeiter von SRAM aus Deutschland in Sambia, um dort Buffalo-Fahrräder zu untersuchen, die vor sieben Jahren in einem Dorf ausgeliefert worden waren. Die Räder konnten eine Überholung nun gut gebrauchen. Die Ingenieure nahmen wichtige Informationen mit nach Hause, was an den Fahrrädern noch verbessert werden muss.

Der britische Sender BBC wählte das Buffalo zu den schönsten Bikes der Welt

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Foto: World Bicycle Relief

Von 2005 bis heute hat WBR mehr als 270.000 Fahrräder nach Südamerika, Afrika und Asien ausgeliefert. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt in Afrika. Für die Menschen dort gibt es zwei Möglichkeiten, ein Buffalo zu erhalten. Entweder es wird ihnen von WBR gesponsert oder sie können es kaufen. Gesponsert heißt nicht geschenkt, denn mit dem Fahrrad sind Auflagen verbunden: "Wir schließen mit den künftigen Fahrradbesitzern einen Vertrag", sagt Lena Kleine-Kalmer.

Darin stehe dann zum Beispiel, dass ein Kind in den nächsten zwei Jahren jeden Tag zur Schule fahren- oder ein Krankenpfleger Medikamente mit dem Rad ausliefern muss. Hält sich der Vertragspartner daran, geht das Rad nach Ablauf einer Zweijahresfrist in seinen Besitz über. Wird der Vertrag gebrochen, kann das Fahrrad durch ein zehnköpfiges Komitee entzogen werden, das aus moralischen Instanzen wie dem Dorfältesten oder dem Pastor besteht. "Das passiert nicht oft, aber es ist schon vorgekommen", sagt Kleine-Kalmer.

Im besten Fall profitieren von dem einen Fahrrad gleich mehrere Menschen. Auf Mary, die sich nun dank des Buffalos unbeschwert der Schule widmen kann, ruhen große Hoffnungen. "Wenn ich einmal groß bin", sagt die 18-Jährige, "möchte ich ein Waisenhaus gründen."

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