Schönes Ding: Buick Centurion Concept Wer im Glashaus flitzt

Die Automobilgeschichte ist voll von irren Studien, die erst begeisterten und dann verschwanden. Wir zeigen die gewagtesten Visionen. Diesmal: ein Auto im Düsenjet-Design, aber ohne Rückspiegel.
Glaskuppel, Raketennasen und ausladende Heckflügel - das Konzeptauto Buick Centurion von 1956 wirkte optisch eher wie ein Düsenjet als ein Automobil.

Glaskuppel, Raketennasen und ausladende Heckflügel - das Konzeptauto Buick Centurion von 1956 wirkte optisch eher wie ein Düsenjet als ein Automobil.

Als die Welt noch ohne Internet war, mussten sich Autokonzerne etwas einfallen lassen, um ihre Innovationskraft und technische Überlegenheit quer durch das Land zu demonstrieren. General Motors beispielsweise veranstaltete ab 1949 spezielle Hausmessen, die schon bald unter dem Namen "Motorama" Furore machten. 1956 tourte die PS-Show durch fünf US-Großstädte, lockte insgesamt 2,2 Millionen Besucher an und diese wiederum staunten vor allem über ein Auto, das aussah, als seien soeben Außerirdische damit gelandet: der Buick Centurion Concept. Die beiden Stoßfänger am Bug sahen aus wie die Spitzen von Flugzeugrümpfen. Über den Innenraum mit vier roten Kunstledersitzen wölbte sich ein spektakuläres Glaskuppeldach. Und am Heck streckten sich zwei Flügel aus der Karosserie aus glasfaserverstärktem Kunststoff.

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Buick Centurion Concept - Zukunft rot-weiß

Foto: Contact

"In den Dreißiger- und Vierzigerjahren sahen Autos aus wie Lokomotiven, weil die Leute mit der Eisenbahn fuhren. In den Fünfzigerjahren wurden Flugreisen extravagant und immer populärer - und das Autodesign orientierte sich auf einmal an Jets", sagt Jeremy Dimick, Leiter der Sammlung der Detroit Historical Society, zu deren Institutionen auch das "Sloan Musem" im nahe gelegenen Flint im US-Staat Michigan gehört. Und zur Sammlung des Museums wiederum gehört bereits seit 1963 der Buick Centurion Concept - das erste "Jet-Car" aus dem General-Motors-Konzern.

Dabei waren die Designdetails damals noch nicht mal neu: Das erste Auto mit Heckflossen war von der GM-Marke Cadillac vorgestellt worden. Der Ford-Konzern mit den Studien Ford FX-Atmos und dem Lincoln Futura die Glaskuppel populär gemacht. Der Buick Centurion jedoch verknüpfte beide Stilmerkmale auf neue Art und trumpfte zudem mit einigen technischen Besonderheiten auf. Jetzt hatte General Motors die Nase wieder vorn im Rennen um das futuristischste "Jet-Car".

Der Designer gestaltete später Opel GT und Manta A

Das Design des viersitzigen Zweitürers stammte von Charles Jordan, der seit 1949 für General Motors arbeitete und zwischen 1967 und 1970 Designchef von Opel in Rüsselsheim war, wo unter seiner Leitung unter anderem der Opel GT, der Manta A und der Ascona A entstanden. Für den Buick Centurion hatte er sich eine rot-weiße Zweifarb-Lackierung ausgedacht, sowie ein Cockpit, das - ebenso wie das Äußere des Autos - an ein Flugzeug erinnern sollte. So gab es zwar noch ein rundes Dreispeichen-Lenkrad, in dessen Mitte jedoch saß der Wählhebel für die Dreigangautomatik. Und beim Tacho stand, anders als üblich, der Zeiger fest, während sich das Ziffernblatt drehte.

Völlig neu war auch der Verzicht auf Rückspiegel. Stattdessen trug der Prototyp eine Fernsehkamera unter dem Heckdeckel, deren Bild auf einem kleinen Monitor in der Mitte der Armaturentafel angezeigt wurde. Außerdem fuhren die Sitze ein wenig zurück, sobald die Türen - per Knopfdruck, denn es gab keine Türgriffe - geöffnet wurden, um das Einsteigen zu erleichtern. Die Antriebstechnik hingegen entsprach dem GM-Standard der Zeit. Unter der vorderen Haube saß ein 5,7-Liter-V8-Motor, der rund 340 PS entwickelte.

Heckflossenform und Chromleiste kehrten wieder

Der Buick Centurion blieb ein Einzelstück. Designdetails wie die flach abstehenden Heckflossen gingen bei den Buick- und Chevrolet-Modellen des 1959er-Jahrgangs in Serie, die schwungvolle "sweep-spear" Chromseitenlinie fand sich bereits bei einigen 1957er Buick-Typen wieder. Und der Name Centurion tauchte ebenfalls noch einmal auf: Für eine zwischen 1971 und 1973 gebaute Variante der Buick-Baureihe LeSabre.

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