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Cadillac als Swimmingpool: Der Vollgas-Jacuzzi

Foto: Phil Weicker / Duncan Forster

Cadillac als Swimmingpool Planschbecken zum Rumheizen

Zwei Kanadier leben ihren nassen Traum: Sie haben einen Oldtimer in einen fahrenden - und beheizbaren - Swimmingpool verwandelt. Jetzt wollen die beiden damit einen Weltrekord aufstellen.

Es war im Juli, vor einem Jahr. Vier Jungs aus dem Erzgebirge handelten sich mächtig Ärger mit der Polizei ein. Denn das Auto, in dem sie unterwegs waren, hatte definitiv keine Straßenzulassung: Bei ihrem BMW war das Dach abgesägt, alle Sitze rausgerissen, der Innenraum abgedichtet - und bis unter die Türkante mit Wasser befüllt. Die vier hatten ein motorisiertes Planschbecken gebaut.

Einen Sommer später haben zwei Kanadier ebenfalls einen fahrbaren Pool gebastelt. Aber anstatt sich dafür eine Anzeige einzuhandeln, lassen sich Phil Weicker und Duncan Forster ihr Projekt über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter  mit einer Spende von rund 11.000 Dollar bezuschussen.

Die beiden brauchen das Geld, um ihren Traum zu verwirklichen: Sie wollen den Weltrekord für den "schnellsten Pool" aufstellen.

Motor mit 7,7 Litern Hubraum, Becken mit 1000 Liter Wasser

Ihr sogenanntes Carpool ist ein modifizierter 69er-Cadillac-DeVille. "Der Wagen eignet sich perfekt dafür", sagt Phil Weicker gegenüber SPIEGEL ONLINE, "er ist riesig und seine Aufhängung stammt noch von einer Fleetwood-Limousine für neun Passagiere, er hält also einiges an Gewicht aus." Genau die richtigen Voraussetzungen, um den Oldtimer mit einer Wassermenge von rund 1000 Litern zu befüllen.

Als Erstes entfernten Weicker und Forster Sitze, Rückbank und anderes Mobiliar. Damit der DeVille unter der Wasserlast nicht zerbricht, verbauten sie Eisenträger an den Seiten. Das exakt an die Karosserie angepasste Becken besteht aus Holzfasermaterial und ist mit Fiberglas ummantelt. Im Innern des Wagens ragt nur das Lenkrad aus der Wanne. Beschleunigt und gebremst wird das Auto über einen Hebel, der auf Höhe des Lenkers an der Fahrertür installiert ist. Über einen zweiten Hebel direkt daneben wird die Gangautomatik bedient.

Spätestens jetzt wird jeder Autoingenieur schon anerkennend genickt haben - aber es kommt noch besser, und Bademeisterherzen werden auch erobert: Wasserpumpe und -filter sind im Kofferraum untergebracht, das Nass in dem Auto lässt sich auf 40 Grad erwärmen. Die Energie dazu liefert: der Original-V8-Motor des DeVille. 7,7 Liter Hubraum setzen den Wagen in Bewegung und machen ihn zu einem angenehm beheizten Jacuzzi. "Leer, also ohne Wasser, haben wir den DeVille auf dem Freeway auf 120 km/h gebracht", sagt Weicker.

Der Traum der beiden Kanadier vom Weltrekord der schnellsten Badewanne war mit dieser Fahrt natürlich nicht erfüllt. Zum einen war ja kein Wasser im Auto, zum anderen hätte ihnen das gleiche Schicksal gedroht wie den Jungs aus dem Erzgebirge. Für ihren Rekordversuch haben sich Weicker und Forster einen würdigeren Rahmen ausgesucht - die legendäre Bonneville Speedweek im US-Bundesstaat Utah, wo seit mehr als 60 Jahren in einer Salzwüste Geschwindigkeitsrekorde aufgestellt werden.

Hier wollen Weicker und Forster eine 13 Jahre alte Rechnung begleichen.

Ihr jetziges Gefährt ist nämlich nicht das erste Auto, das sie in einen Pool verwandelten. Mitte der Neunziger, als die beiden an einer Universität im kanadischen Ontario studierten, bauten sie bereits einen 82er-Chevrolet-Malibu zur fahrbereiten Wanne um.

Wiederholungstäter auf Rekordjagd

Welchen Ruf sich zwei junge Typen mit einem Jacuzzi-Schlitten an einer Uni erarbeiten, lässt sich nur erahnen. Der Malibu parkte 2001 aber auch auf der Canadian International Auto Show, wo die Veranstalter der Bonneville Speedweek auf ihn aufmerksam wurden. Sie unterbreiteten Weicker und Forster ein Angebot: Sollten die beiden den Wagen in Utah an den Start bringen, werde man sich dafür einsetzen, dass der Weltrekord für den schnellsten Pool offizielle Anerkennung findet.

Aber daraus wurde nichts. Der Malibu war noch nicht reif für die große Bühne - 2004 landete er auf dem Schrotthaufen.

Doch jetzt scheint die Zeit gekommen.

Weicker ist mittlerweile 35 Jahre alt und arbeitet als Elektroingenieur in der Automobilindustrie, Forster ist 38 und ebenfalls Ingenieur. Ihr DeVille-Carpool erfüllt die Sicherheitsauflagen der Speedweek-Veranstalter und wird beim Rennen mit einem Überrollkäfig ausgestattet sein.

"Unseres Wissens gibt es noch keinen offiziellen Weltrekord für den schnellsten Pool", sagt Weicker, "wir werden die Ersten sein." Offenbar hat er sich gut informiert, denn auch die Geschichte der vier Jungs aus dem Erzgebirge ist ihm bekannt.

Wasserquelle in der Salzwüste

Mit der erfolgreichen Sammelaktion auf Kickstarter haben die Kanadier auch ihr Budget von rund 10.000 Dollar beisammen. Die Kosten für die Überführung des DeVille von ihrem derzeitigen Wohnort Los Angeles nach Utah seien damit gedeckt. Außerdem gibt es da noch die logistische Herausforderung, einen 1000-Liter-Pool mit Wasser zu füllen - mitten in einer Salzwüste. "Wir haben einen großen Tank im Schlepptau", sagt Weicker.

Zwischen dem 9. uns 15. August wird sich herausstellen, ob sich der Aufwand gelohnt hat, dann findet die Speedweek statt. Die Chancen für eine Poolparty in der Salzwüste stehen nicht schlecht.