Chevrolet Corvair Monza, Baujahr 1964 Der amerikanische Käfer

Der Chevrolet Corvair Monza kam vor fünfzig Jahren als Konkurrent zum VW Käfer auf die US-Straßen. Dank des luftgekühlten Boxermotors im Heck fährt sich der kleine Kreuzer sportlich wie ein alter Porsche. Dafür steckt SPIEGEL-ONLINE-Leser Tim Wright auch gerne Arbeit in sein Cabrio.
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Chevrolet Corvair Monza, Bj. 1965: Konkurrenz für den Käfer

Foto: Tim Wright

Nahezu jeder Autobesitzer fühlt sich mit seinem Fahrzeug auf besondere Weise verbunden. Bei SPIEGEL ONLINE stellen Leser ihr persönliches Lieblingsmodell und ihre persönlichen Erlebnisse mit dem Gefährt vor. Diesmal berichtet Tim Wright über das Leben mit seinem Chevrolet Corvair Monza, Baujahr 1964.

Meine endgültige Entscheidung, mir einen Chevrolet Corvair anzuschaffen, fiel an dem Tag, als ich aus Versehen den Kunststoff-Hahn am Kühler meines Wagens mit bloßen Händen abgebrochen hatte. Ich hatte mit meinen Autos ständig Ärger mit der Kühlung: Regelmäßig versagten Wasserpumpe, Thermostat, Wasserschläuche oder Frostschutzmittel aus. Mit einem luftgekühlten Heckmotor wäre ich all diese Kopfschmerzen los, dachte ich. Seit Jahren wünschte ich mir schon einen Corvair. Meine Eltern besaßen einen Monza Baujahr 1964, und als Kind bin ich mit dem Wagen gern mitgefahren.

2005, nach zwei Monaten intensiver Suche, entdeckte ich mein Monza Cabrio Baujahr 1965 bei einer Internet-Auktion. Ich wollte unbedingt eins der späteren Modell, weil sie die gleiche Hinterradaufhängung wie die Corvette hatten. Außerdem gefiel mir das Design der Karosserie besser.

Für ein vierzig Jahre altes Fahrzeug mit mehr als 200.000 Kilometern auf dem Buckel befand sich mein Monza in ziemlich gutem Zustand. Als ich den alten Lack bis aufs nackte Blech entfernt hatte, sah ich dann die Rostschäden, die das Streusalz aus vielen Wintern hinterlassen hatte. Nach einer Neulackierung in hellgrün, der Farbe, die in den sechziger Jahren so populär war, ersetzte ich zunächst im Innenraum das abgenutzte schwarze PVC durch einen hellbraunen Farbton, der "Sattel" heißt. Die neuen Sitze sind eine Reproduktion der Originale.

Ein Porsche für arme Leute

Der Motor brauchte zunächst nur neue Zündkerzen und Öldichtungen. Wie beim VW-Käfer besticht der luftgekühlte Boxer-Motor des Corvair mit schlichter Eleganz, da fehlt kaum was. Entsprechend läuft er - und läuft und läuft. Außerdem ist der Wagen bemerkenswert flink. Auf der Straße klebt er förmlich. Die Kombination des kräftigen, luftgekühlten Heckmotors und sein leichtes Gewicht brachte dem Corvair damals den Spitznamen "Porsche für Arme" ein. Eine Weile am Steuer und man begreift, warum.

Der Chevrolet Corvair ist mit einem 6-Zylinder Boxermotor ausgestattet und besitzt mit 2,7 Liter den gleichen Hubraum wie ein Porsche jener Tage. Mein Monza hat 110 PS und bringt Tempo 130 mit links. Die sportlichen Spyder- und Corsa-Modelle mit ihren 140 PS (oder mit Turbolader und 160 PS) bringen es auf 220 Kilometerstunden und schneller.

Ursprünglich wollte Chevrolet den Corvair als Sparwagen verkaufen, ähnlich wie in Deutschland BMW 700, NSU Prinz oder Opel Kadett. Die Kunden entschieden sich jedoch immer für die sportliche Variante. Daher wurden die Modelle Monza, Spyder und Corsa entwickelt. Zwischen 1960 und 1969 wurden über 1,3 Millionen Corvair hergestellt. Das Fahrzeug zieht stets viel Aufmerksamkeit auf sich. Viele, die sich an Autos der sechziger Jahre erinnern, erkennen den Corvair oder kennen zumindest jemand, der einen fuhr.

Der Corvair Monza ist das perfekte Fahrzeug für Florida - wenn es kein Gewitter gibt. Ich lebe nämlich in Tampa. Deutsch habe ich übrigens in der High School gelernt, in den achtziger Jahren war ich ein bewaffneter Tourist in der US-Armee und lebte in Faurndau, einem Stadtteil von Göppingen.

Fabelwesen mit perfekter Straßenlage

Jüngere Leute betrachten ihn eher eine Art seltsames Fabelwesen: ein Auto mit dem Motor im Kofferraum und ohne Kühler. Die Karosserie wirkt noch immer modern. Ich fahre mein persönliches Stück Automobilgeschichte gern. Wie der Käfer und der Porsche 356 bestach der Corvair durch Eleganz und Schlichtheit. Da ist wenig dran, was kaputtgehen könnte - keine Servolenkung, keine Bremskraftverstärkung und die einzige Elektronik steckt im Radio am Armaturenbrett. Wie der Porsche zeigt der Corvair auf der Autobahn und kurvigen Straßen Bestleistung. Hohes Lob gebührt dem luftgekühlten Heckmotor.

Restaurieren ist mein Hobby. Kleine Autoreparaturen habe ich immer schon selber gemacht: Filter und Ölwechsel, Reifenwechsel, Bremsen erneuen, neue Wasserpumpe einstellen, Kühler ausspülen, usw. Mit dem Corvair lernte ich auch, wie man am besten Reparaturen an der Karosserie und dem Interieur durchführt. Ich arbeite als Prozess-Ingenieur bei einer Elektronikfabrik. Am Arbeitsplatz gibt es ein paar "Gear Heads", die Altmetall lieben, was der Beruf des Technikers gern mit sich bringt. Einer meiner Kollegen besitzt einen voll restaurierten 65er Ford Mustang Fastback, und ein anderer fährt eine 74er Corvette.

Die Restaurierung des Monza ist längst nicht abgeschlossen. So sind die Trommelbremsen an allen vier Rädern abgenutzt. Das wirft etliche Fragen auf, etwa, ob ich Ersatzteile kaufe oder lieber auf Scheibenbremsen umrüste? Bald kommt der Motor zwecks Renovierung und Neuaufbau in die Werkstatt. Ich überlege, ob ich vielleicht Wassereinspritzung einbauen lasse. Dann könnte ich Normal- statt Superbenzin tanken, andernfalls klopft und klingelt der Motor wie bei einem Diesel. Jeder Corvair verliert ungeheuer viel Motoröl, meiner macht da keine Ausnahme. Trotzdem liebe ich den Wagen.

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