Chrysler D'Elegance Happy End in Osnabrück

Die Automobilgeschichte ist voll von fantastischen Studien, die erst begeisterten und dann verschwanden. Wir stellen vor: den Chrysler D'Elegance.

RM Sotheby's

Von Jürgen Pander


Die Geschichte dieses Autos beginnt mit einer Männerfreundschaft. Virgil Exner, seit 1949 Designer beim US-Hersteller Chrysler, und Luigi Segre, Mitinhaber der Carrozzeria Ghia in Turin, arbeiten in den Fünfzigerjahren regelmäßig zusammen. Das eleganteste Resultat ihrer Kooperation wird im Oktober 1952 auf dem Autosalon in Paris präsentiert: der Chrysler D'Elegance.

Das zweisitzige Coupé kombiniert die traditionell großen Abmessungen amerikanischer Autos mit italienischer Eleganz. Der Wagen basiert auf einem gekürzten Chassis eines Chrysler New Yorker und misst 5,19 Meter - die extreme Länge wird jedoch von der gekonnt modellierten Karosserie perfekt kaschiert.

Das Publikum in Paris war offenbar begeistert von dem ebenso wuchtigen wie glamourösen Wagen, hinter dessen pilzförmigen Chromkühlergrill ein 5,8-Liter-V8-Motor mit einer Leistung von 280 PS installiert war: Aufgrund der enthusiastischen Reaktionen einiger Messebesucher plante Ghia jedenfalls eine D'Elegance-Kleinserie von 25 Fahrzeugen. Doch dazu kam es nie. Das Auto blieb ein Unikat - und fand dennoch Niederschlag in zahlreichen Serienmodellen.

 Die Rücklichter des D'Elegance, sogenannte Gun-Sight Taillights
RM Sotheby's

Die Rücklichter des D'Elegance, sogenannte Gun-Sight Taillights

Die exzentrischen Rücklichter zum Beispiel tauchten am Chrysler Imperial von 1955 wieder auf, der grobmaschige Kühlergrill prägte in den späten Fünfzigerjahren auch die Chrysler 300er-Serie.

Vorbild für den Karmann Ghia

Die komplette Karosserie wiederum erlebte so etwas wie eine Wiedergeburt im kleineren Maßstab, nämlich 1955 in Form des Karmann Ghia. Die Osnabrücker Fahrzeugbauer nämlich griffen bei ihrem Vorschlag für ein sportliches VW-Käfer-Derivat auf einen Entwurf von Luigi Segre zurück.

Vor allem die Form und Proportion der Passagierkabine wurden vom Chrysler D'Elegance nahezu unverändert auf den Karmann Ghia übertragen. Sogar das lang gestreckte Hinterteil der Chrysler-Studie passte perfekt zum Käfer-Coupé, denn es bot ausreichend Platz für den Boxermotor im Heck.

Das Original des Chrysler D'Elegance, in einem strahlenden Himbeerrot-Metallic und mit dem Chassis-Nummer 321953, wurde vor fünf Jahren vom Auktionshaus Sothebys versteigert. Der Hammer fiel bei 946.000 Dollar, umgerechnet etwa 860.000 Euro.



insgesamt 16 Beiträge
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patrick6 17.05.2016
1. Ähnlichkeit
Mit dem Karmann ist die Ähnlichkeit aber nicht sehr gross. Virel zu dicke C-Säule, die Linie der Seitenfenster ist anders... Besonders die hintere Dachlinie erinnert da doch mehr an den Bentley Continental S von Mulliner (auch wenn da der Designer mit dem Chrysler noch weniger zu tun hat...).
barlog 17.05.2016
2.
Erstaunlich, zu welcher Eleganz man in USA fähig war, als man dort noch offen für europäische Einflüsse war. Gilt nicht nur für Autos, sondern auch für andere Bereiche (Film).
toll_er 17.05.2016
3. sieht aus wie
... ein etwas aufgeblasener Karman Ghia..... :)
johndo89 17.05.2016
4. Seitenline hui, Front Pfui
von der Front her, ein hässliches Auto
memphisman 17.05.2016
5. Artikel nicht gelesen?
Zitat von toll_er... ein etwas aufgeblasener Karman Ghia..... :)
Die Karosserie des Karman Ghia wurde von diesem Chrysler inspiriert. Wer lesen kann...
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