Citroën DS3 THP 150 Konfetti aus dem Autohaus

Was fahren experimentierfreudige Autofahrer? Ein Citroën DS3 wäre beispielsweise eine Möglichkeit. Der Kleinwagen ist zwar ein Massenprodukt wie alle anderen seiner Sorte auch, doch er vermittelt gekonnt die Illusion, ein wirklich außergewöhnliches Auto zu sein. 

Jürgen Pander

Von Jürgen Pander


"Alles so schön bunt hier - ich kann mich gar nicht entscheiden" - so sang in den achtziger Jahren Nina Hagen. Wer das Stück kennt und heute durch einen Prospekt des Citroën DS3 blättert, fühlt sich sogleich daran erinnert. Denn die Möglichkeiten, dem Wägelchen eine kunterbuntes Aussehen zu verpassen, sind enorm. Wer sich für das Modell interessiert, sollte ein entscheidungsfreudiger Mensch sein: Welche der zehn Lackfarben soll es sein, in welchem der drei Kontrastfarben soll das Dach lackiert werden, und dann gibt es ja noch sieben Dachdekors, unter denen man das Lieblingsmotiv wählen kann.

Doch das ist nur der Anfang. Weiter geht es mit der Auswahl der Außenspiegelgehäusefarben (es gibt acht verschiedene), der Form der Felgen (zwölf Möglichkeiten), der Farbe des Zündschlüsseldekors (sechs Varianten), der Kolorierung der Armaturenblende (acht Versionen), der Färbung der Schaltknaufköpfe (sieben an der Zahl) und der Art sowie des Designs der Sitzbezüge (acht sind im Angebot). Es lässt sich so ein Auto zusammenstellen, das dem eigenen Geschmack sehr nahe kommt.

Marketing- und Markenexperten sind überzeugt davon, dass dies die Zukunft des Automobilbaus sein wird: dem Kunden so viele Optionen wie möglich zu geben, um das eigene Fahrzeug zu personalisieren. "Das Auto ist wie ein nach außen gekehrtes Ich, es zeigt allen anderen, wie der Besitzer wahrgenommen werden möchte, welchen Status und Stil er sich selbst zuschreibt", sagt etwa Paolo Tumminelli, Professor für Design in Köln. Insofern ist es von Citroën durchaus ein Coup gewesen, das altehrwürdige Label DS neu zu beleben, die zwei Buchstaben als Abkürzung für "different style" zu verstehen und den Kunden so die Möglichkeit zu geben, sich beim Neuwagenkauf im Autohaus mal so richtig auszutoben - als ob es bei der Bestellung des eigenen Autos Konfetti schneit.

Natürlich hat Citroën dabei nicht nur die Kundschaft im Blick, sondern vor allem das große Geschäft. In der billigsten Version kostet der DS3 nämlich 15.500 Euro. Das von uns gefahrene Auto mit dem stärksten verfügbaren Benzinmotor ist ausschließlich in der noblen Ausstattungsversion Sport-Chic verfügbar, was den Grundpreis schon mal auf 20.300 Euro treibt. Und weil der Wagen zusätzlich mit Ledersitzen (990 Euro), Metalliclack (470 Euro), dem Dachaufkleber im Dekor Zebra (400 Euro), einer weißen Armaturenblende (100 Euro) sowie einer feinen Musikanlage (1000 Euro) bestückt war, stieg der Preis auf 23.260 Euro. Das ist eine Stange Geld für einen Kleinwagen.

Zu zweit sitzt man prima im DS3, doch man muss Härte mögen

Wenn die Dekofragen erledigt sind und das Geschäftliche geklärt ist, kann man mit dem DS3 natürlich auch fahren. Logisch, das Modell mit 156 PS ist quirlig und macht Spaß. Der Durchschnittsverbrauch lag nach rund 500 Kilometern, die wir mit dem Auto unterwegs waren, bei 6,8 Liter. Was uns nicht gefiel, war das ruppige Fahrwerk, die etwas teigige Lenkung und die eingeschränkte Sicht nach vorn. Nach hinten sieht man sowieso kaum etwas, so dass eine Einparkhilfe am Heck durchaus empfehlenswert ist (Aufpreis 221 Euro).

Wer ein Auto als Accessoire begreift, dürfte vom DS3, der ohnehin durch moderne Linien und unverbrauchtes Design positiv auffällt, begeistert sein. Wer jedoch einen billigen und geräumigen Kleinwagen sucht oder gar ein kompaktes Auto mit möglichst fortschrittlicher Technik, kann den Dreitürer von Citroën gleich wieder vergessen. Ein fröhlich-bunter Klecks im gedeckten Anthrazit-Einerlei unserer Straßen ist er in jedem Fall.

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insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
MaxiScharfenberg 29.12.2011
1. Spielzeugauto
Zitat von sysopWas*fahren experimentierfreudige Autofahrer? Ein Citroën DS3 wäre beispielsweise eine Möglichkeit. Der Kleinwagen ist zwar ein Massenprodukt wie alle anderen seiner Sorte auch, doch er vermittelt gekonnt die*Illusion, ein wirklich außergewöhnliches Auto zu sein.* http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/0,1518,805517,00.html
Wer soll dafür 35.000 Euro brutto verdienen, um sich so ein lustiges Spielzeugauto finanzieren zu können? Ein lustiges Gefährt, aber wer glaubt denn, dass die angebotene Typen-und Farbenvielfalt noch in der Zeit geliefert werden kann, in der sich der Besteller daran erinnern kann? Die können doch alle kaum ihre Basisversionen termin-gerecht liefern, diese Helden der just in time Fertigung...
kaanap 29.12.2011
2.
Zitat von MaxiScharfenbergWer soll dafür 35.000 Euro brutto verdienen, um sich so ein lustiges Spielzeugauto finanzieren zu können? Ein lustiges Gefährt, aber wer glaubt denn, dass die angebotene Typen-und Farbenvielfalt noch in der Zeit geliefert werden kann, in der sich der Besteller daran erinnern kann? Die können doch alle kaum ihre Basisversionen termin-gerecht liefern, diese Helden der just in time Fertigung...
Ich würde es nicht kaufen (bin Familienvater), aber es gibt für alles eine Käuferschicht. Selbst der Mini verkauft sich wie geschnitten Brot und wirklich günstig ist der ja auch nicht. Die Geschmäcker sind verschieden und man muss hier ja nicht mosern nur weil das einem selbst nicht gefällt. Ohnehin sehe ich in dieser ständigen Kritelei an jeglich Neuem ein falsches Verständnis der Dinge. Macht man Käufe immer nur alleinig von sachlichen Argumenten abhänig, würden alle Fahrrad oder Bus/Bahn fahren. Das wäre ja langweilig!
basiliusvonstreithofen 29.12.2011
3. Sportlich ist er
Es ist schon interessant, was heute fast alle Marken aus niedrigen Hubraummotoren an Leistung heraus holen. Obwohl im Text nicht eigens erwähnt, nehme ich an, dass es sich um einen mittels Turbo aufgeladenen 1,6 L-Motor handelt, der 156 PS leistet. Anders ginge es gar nicht, es sei denn, ist ein hochdrehender Benzinmotor mit 8000 U/min wie bei Hondamotoren. Die Fahrleistungen sind mit vmax = 216 km/h und 7,3 s von 0 auf 100 km/h schon beeindruckend, vermutlich auch wegen des geringen Gewichts. Ob man mit diesem Fahrzeug wirklich 216 km/h fahren sollte, ist eine andere Frage. Diese Fahrleistungen schaffte früher mal ein BMW 3.0 CSi (206 PS) mit 3 Liter Hubraum, das war ein Ausnahmefahrzeug für Gutbetuchte. Man sieht, dass selbst normale Kleinfahrzeuge wie der Citroen heute immer mehr Sportfahrzeuge werden. Auch der Preis für ca. 20.000 EURO ist im Vergleich zu einem Polo GTI günstig. Citroen tut sich in Deutschland immer etwas schwer im Gegensatz zu Renault oder Peugeot. Die Zielgruppe dieses Fahrzeugs dürfte wohl junge Leute bis 30 sein, allerdings werden diese wohl an der hohen Versicherungsprämie zu knabbern haben. Es wird wohl nur ein Nischenprodukt bleiben in Deutschland.
Sabi 29.12.2011
4. Andere Seite
Zitat von sysopWas*fahren experimentierfreudige Autofahrer? Ein Citroën DS3 wäre beispielsweise eine Möglichkeit. Der Kleinwagen ist zwar ein Massenprodukt wie alle anderen seiner Sorte auch, doch er vermittelt gekonnt die*Illusion, ein wirklich außergewöhnliches Auto zu sein.* http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/0,1518,805517,00.html
Wie sieht's aus mit der anderen Seite der Medaille, nämlich wenn man einen so stark personalisierten Wagen verkaufen will ? Der nächste Käufer, der den gleichen Geschmack hat, lässt sich schwer finden ! Also stark individualisierte Wagen kann mit mit viel Abschlag loswerden. Ergo: An den Verkauf denken und den Wagen nicht zu stark nach eigenem Gusto unverkäuflich machen- denn die Geschmäcker sind ja sooo verschieden !
gruenflaeche 29.12.2011
5.
Zitat von sysopWas*fahren experimentierfreudige Autofahrer? Ein Citroën DS3 wäre beispielsweise eine Möglichkeit. Der Kleinwagen ist zwar ein Massenprodukt wie alle anderen seiner Sorte auch, doch er vermittelt gekonnt die*Illusion, ein wirklich außergewöhnliches Auto zu sein.* http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/0,1518,805517,00.html
So unterschiedlich können Eindrücke sein das "ruppige Fahrwerk" erscheint mir sportlich straff (Nochmal zur Erinnerung 156PS bei 1200kg Leergewicht und "real 2 Sitzen" ist das noch ein "Kleinwagen"?), und die "teigige Lenkung" reichte mir um das Auto auf 205/55 R17 zügig und ziemlich direkt durch die Kurven zu scheuchen, auf Winterreifen hingegen verliert die Lenkung etwas an Genauigkeit, was dann eher den Reifen als dem Fahrwerk anzulasten ist. Auch sollte man die "Farbkombinationen" nicht zu hoch einschätzen dann manches lässt sich mit manchen gar nicht kombinieren, Beispielsweise gibt es das Dunkelrote Dach nicht mit der blauen Fahrzeuglackierung (sähe auch... naja ) und die Außenspiegel bekommt man eh nur in Wagenfarbe lackiert, oder eben in Chromlook, so reduziert sich die "Kombinationsvielfalt" schnell wieder, abgesehen davon wird das Autos so wie alle Fahrzeuge eh in beliebten Kombinationen gekauft, was dem einen das silberne oder schwarze Autos ist, das ist dem DS3 Fahrer sein (Trendfarbe) weißes Fahrzeug mit schwarzen Dach oder schwarzes Fahrzeug mit weißen Dach, gewagte Kombinationen wie weißes Fahrzeug pinkes Dach oder gelbes Fahrzeug schwarzes Dach sieht man daher eher selten auf den Straßen. Zur Verbreitung des kleinen Flitzers kann man nur sagen das ich ihn auf der Straße wesentlich häufiger sehe als "Exoten" wie dem Audi A1 oder dem Alfa Mito (beides Konkurrenten) natürlich sieht man den Platzhirsch BMW Mini häufiger aber der durfte in diesem Fahrzeugsegment "sportlicher Kleinwagen" schon einige Jahre das Feld bestellen, während der Rest sich erst jetzt traut. Übrigens was den Platz angeht, das Fahrzeug kommt mir (2 Meter) nicht "eng" vor es ist sogar erstaunlich viel Platz drin, in einem Opel Zafira B komme ich mir jedenfalls hinter dem Steuer beengter vor als in einem DS3 bei dem ich den Sitz nicht mal ganz bis hinten schieben muss, nur die Rückbank des DS3 da geht es echt ziemlich eng zu. Achso der Motor ist ein Turbo aufgeladener 1,6 Liter Motor mit Benzin Direkt Einspritzung, und ein "Alter" Bekannter der gleiche Motor befeuert auch den BMW Mini und alle BMW 1er mit dem Kürzel 116 und 118
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