Günstige Oldtimer - Citroën XM Schweben wie Gott in Frankreich

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem - es gibt sie nämlich, die Schnäppchenschlitten. Diesmal: der letzte Citroën mit der hydropneumatischen Federung in ihrer komfortabelsten Form.

Thorsten-Philipp Karl

Von Haiko Prengel


Günstige Oldtimer
    Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

    Klar, für Opas abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat - und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.

Allgemeines zum Modell

Der Citroën XM kam 1989 als Nachfolger des CX auf den Markt. Dieser war wie schon die legendäre DS für seine komfortable Federung (Hydropneumatik) bekannt. Der neue XM führte diese Tradition in der oberen Mittelklasse fort, allerdings war sein Fahrwerk elektronisch geregelt. "Das war eine echte Weltneuheit", sagt Christian Osthues aus dem westfälischen Ahlen, der seit mehr als 20 Jahren Citroën XM fährt.

Anhand von Faktoren wie Geschwindigkeit, Lenkwinkel oder Beschleunigung wird beim XM berechnet, ob das sogenannte Hydractive-Fahrwerk im Komfortmodus bleiben oder in den Sportmodus schalten soll. Für das Sänftengefühl sorgen mit Gas gefüllte Federkugeln auf jeder Achse. Beim Sportmodus werden diese elektronisch abgeschaltet - die Folge ist eine deutlich straffere Straßenlage.

Der XM kam in Deutschland gut an: Die Motorpresse lobt den Franzosen der oberen Mittelklasse als besten Importwagen. Zunächst war er nur als Schrägheck-Limousine erhältlich. 1991 folgte der Break, mit fast 2000 Liter Stauvolumen damals einer der größten Kombis.

Schon in der Basisausführung ist der XM serienmäßig mit dem Hydractive-Fahrwerk ausgestattet. Jeder Wagen verfügt über Servolenkung, ABS, Zentralverriegelung und elektrische Fensterheber vorn. Die Luxusversion Exclusive bietet Leder- statt Stoffsitze, Sitzheizung, elektrisch verstellbare Sitze und Klimaautomatik. Die Topversion heißt Pallas und hat zusätzlich ein Navigationssystem an Bord, was in den Neunzigern außergewöhnlich war. Es handelte sich um ein von Werk aus nachgerüstetes Philips Garmin, das vor die Lüftungsdüsen im Cockpit montiert wurde.

Standardbenziner ist beim Citroën XM ein Zwei-Liter-Vierzylinder mit 121 PS. Spritziger sind die 16V-Version mit 136 PS sowie ein Turbo mit 147 PS. Topaggregat war anfangs ein Vierventil-Dreiliter-V6 mit 200 PS und wartungsarmer Steuerkette. Dieser wurde später durch einen sehr robusten 190-PS-V6 mit Zahnriemen ersetzt, der regelmäßig erneuert werden muss.

Bei den Dieselmotoren gilt der 2,1-Liter-TDI (109 PS) als nahezu unverwüstlich. Der größere 2,5-Liter-Turbodiesel hat zwar 20 PS mehr, ist aber wegen thermischer Probleme nicht vollgasfest. Wer ständig am Drehzahllimit fährt, riskiert Zylinderkopfschäden.

Gebaut wurde der Citroën XM bis zum Herbst 2000, es folgten die rundlicher gestalteten Modelle C5 und C6.

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Citroën XM: Keiles Teil

Warum ausgerechnet der?

Mit der langen, flachen Front und dem kurzen schrägen Heck ist das Design des Citroën XM extravagant. "Hüftknick" wird der Schwung hinter dem hinteren Radhaus im Fachjargon genannt. So hebt sich der Wagen heute angenehm von der automobilen Masse ab, die zunehmend von großvolumigen SUV im Hochsitzformat beherrscht wird. Der XM wirkt dagegen elegant, insbesondere wenn er im Komfortmodus seine Fahrgäste wie in einer Sänfte dahinträgt.

Neben dem Xantia gilt der XM als letzter Citroën mit der klassischen hydropneumatischen Federung. Zwar boten auch die Nachfolgemodelle C5 und C6 ein Hydroactive-Fahrwerk, für viele Klassikerliebhaber ist dieses aber nur eine abgespeckte Form, die nicht denselben Komfort bietet. Im XM versorgte die Zentralhydraulik außer das Fahrwerk auch Servolenkung und Bremse mit Druck.

"Der XM fährt sich deutlich bequemer als moderne Autos, die sind viel straffer ausgelegt", sagt Experte Christian Osthues. Unebenheiten auf der Fahrbahn bügelt er einfach weg. Anders als bei den Oldies CX oder DS kann man den XM dank der elektronischen Regelung aber auch mal durch die Kurven treiben, ohne dass er schaukelt. Beim Fahrkomfort sei der XM daher kaum zu schlagen, findet Osthues. Auch fast 20 Jahre nach Produktionsende empfiehlt sich der Franzose als prima ausgestattete Reiselimousine mit Stil.

Verfügbarkeit

Der deutsche Gebrauchtwagenmarkt ist gut bestückt mit Citroën XM. Auch in den Benelux-Ländern wird man schnell fündig. In Frankreich dagegen eher nicht, weil die Franzosen alte Autos nicht besonders schätzen. Zudem gab es dort - wie auch in Deutschland - Abwrackaktionen für ältere Gebrauchtwagen, denen zahlreiche XM zum Opfer fielen.


Weitere, fast schon frech günstige Fuhren finden Sie in den vorangegangenen Folgen der Serie:

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Günstige Oldtimer: Bock auf Blech? Bitte hier lang

Ersatzteilversorgung

Die Lage stellt sich schwierig dar. Citroën hält für den XM kaum noch Ersatzteile vor. In alten Lagerbeständen von Händlern gibt es noch Material, ansonsten ist die Szene auf gebrauchte Teile angewiesen. Zudem werden diverse Komponenten nachgefertigt, etwa die Hydraulikleitungen für das elektronische Fahrwerk.

Ersatzteilpreise (beispielhaft)

  • Kotflügel vorne, gebraucht: ca. 100 Euro
  • Satz Bremsen vorne komplett: ca. 140 Euro
  • Neuer Zahnriemen mit Einbau: beim Diesel ca. 500 Euro, beim großen V6 ca. 850 Euro
  • Lichtmaschine: ab 100 Euro

Schwachstellen

Erfreulicherweise sind die komplizierten Fahrwerke beim Citroën XM nicht empfindlich, Ausfälle der Elektronik sind selten. Nur die Federkugeln (Stückpreis 35 Euro) sollten Besitzer alle fünf, sechs Jahre erneuern. Gegen Rost sind XM mit teilverzinkten Blechen recht gut ab Werk geschützt - frühere Modelle allerdings besser als spätere. Die in einem anderen Werk gebauten Kombiversionen sind rostanfälliger als die Limousinen. Gefährdet sind insbesondere der Motorrahmen sowie die Schweller im Bereich der vorderen Wagenheberaufnahmen. Zudem neigen die Domlager vorne an den Stoßdämpfern dazu, auszureißen. Bei den Ottomotoren werden im Alter häufig die Kabelbäume brüchig, es kann zu Kurzschlüssen kommen.

Preis

Es gibt abgewirtschaftete Citroën XM für 500 Euro. Die taugen meist nur als Teileträger, weil ein Wiederaufbau sich wirtschaftlich nicht lohnt. Gute Exemplare kann man ab 2000 Euro aufwärts finden. Die Topversionen Exclusive und Pallas kosten in gepflegtem Zustand 5000 Euro und mehr.

Anlaufstellen im Internet



insgesamt 57 Beiträge
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Seite 1
stefan.p1 07.08.2019
1. Den Satz kann man wie folgt erweitern:
Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Nach Reparatur gar kein Geld mehr! Gebrauchte Ersatzteile sind in Deutschland so gut wie gar nicht zu haben und wenn,dann kosten die ein kleines Vermögen! Das gleiche für Neuteile,sofern die überhaupt noch lieferbar sind. Der Citroen ist ein schönes Fahrzeug , aber man braucht viel Liebe und noch mehr Geld für Ihn.
Flachzwilling 07.08.2019
2. Etwas Sorgfalt bitte!
Netter Beitrag, aber, wie so oft in dieser Rubrik, nachlässig geschrieben. - Das Navigationssystem von Philips heißt "CARin" (Car Information and Navigation) und hat mit dem Navi-Hersteller Garmin nix zu tun. - "Dieser wurde später durch einen sehr robusten 190-PS-V6 mit Zahnriemen ersetzt, der regelmäßig erneuert werden muss." Na, das wäre ja dramatisch, wenn man jedesmal den ganzen Motor ersetzen müsste. - Die Erklärung zum Hydractive-Fahrwerk (das übrigens außerhalb von Deutschland nicht immer serienmäßig war) unterschlägt, dass es pro Achse jeweils eine dritte Federkugel (für den Komfort) gab. Und nur diese Federkugel wurde im Sportmodus abgeklemmt.
observerlbg 07.08.2019
3. Warum?
Wenn sich jetzt im Nachhinein diese Art der Federung als robust und langlebig zeigt, warum gibt Citroen dieses Alleinstellungsmerkmal auf? Wollte das Marketing sich unbedingt deutschen Kfz-Idealen annähern? Schade!
Daander 07.08.2019
4. Stimmt schon irgendwie...
Das ist wirklich ein tolles und sehr komfortables Auto. Ich habe selbst einige Jahre den großen Diesel als Kombi gefahren und fand es klasse. Unmengen an Platz, Sitze die eher an ein Sofa erinnern als an ein Auto, gut ausgestattet, komfortabel ohne Ende. Aber, ohne den Enthusiasmus bremsen zu wollen: Als Oldtimer würde ich diesem Auto mit einer sehr gesunden Portion Respekt begegnen. Billig sind die DInger häufig deswegen, weil sie gerne gefahren und nicht gut gewartet wurden. Und eine regelmäßige, kompetente(!) Wartung ist bei diesem Modell ein wichtiger Beitrag zu einem gesunden Nervenkostüm (bzw. Bankkonto:-) ). Das gilt insbesondere für den 2.5 l Diesel und den V6 Benziner -- und mit denen macht das Fahren halt auch deultich mehr Spaß. Zitat aus einem Haynes Reparaturhandbuch: "Any major work on these machines is nothing for the faint-hearted". Der Motorraum ist für ein Fahrzeug diese Größe erstaunlich klein und die Motoren erstaunlich groß. Alles was über Standard-Arbeiten hinausgeht kann mächtig in Arbeit ausarten. Und Ein paar andere "Kleinigkeiten" können auch mal zu echten Problemen heranwachsen (z.B. die Domlager). Also voher schlau machen (--> Internetforen) und genau gucken. Dann hat man ein faszinierendes und komfortables Langstreckenfahrzeug -- ob es die guten Exemplare als richtiges Schnäppchen gibt, wage ich zu bezweifeln. BTW: Den besseren Fahrkomfort gegenüber den Nachfolgemodellen würde ich nicht unbedingt der Zentralhydraulik zuschreiben, auch C5 und C6 hatten eine elektronisch geregelte Hydropneumatik (C5 nicht durchgängig). Dasw die Bremse da mit dran hing hat wenig mit Fahrkomfort zu tun.
torsten_raab 07.08.2019
5. Tausende...
"Der deutsche Gebrauchtwagenmarkt ist gut bestückt mit Citroën XM." Mobile.de listet 49 Stück, autoscout24 24. Wenn ich den Filter auf "weniger 150,000 km" setze, sind es insgesamt nur noch 24 Treffer. Kombis ohne Filter: 9. Inklusive Benziner mit 250,000+ km. Da ist der Markt verlaufen.
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