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Zerlegte Chevrolet Corvette: Chevys Offenbarung

Foto: Darin Schnabel / RM Sotheby's

Zerlegte Chevrolet Corvette Dafür gibt es eine Erklärung

In den USA steht die Auktion einer legendären Chevrolet Corvette an: Die blaue Sting Ray, Baujahr 1965, wird für einen Millionenpreis gehandelt - dabei ist das Auto nicht mal fahrtüchtig.

Die Chevy Corvette ist eine amerikanische Legende - und kann als Oldtimer ziemlich wertvoll sein: Exemplare aus dem Baujahr 1965 - das war die sogenannte C2, das erste Modell mit der Bezeichnung Stingray - werden in der Coupé-Version im Schnitt für rund 75.000 US-Dollar gehandelt. Wer allerdings an der blauen 1965er Vette interessiert ist, die am 2. Mai bei einer Versteigerung von RM Auctions in Texas unter den Hammer kommt, muss ein bisschen mehr Geld mitbringen: Der Flitzer wird voraussichtlich für mehr als eine Million Dollar aufgerufen.

Auf dem Tacho des Sportwagens werden nur vier Meilen angezeigt - aber die geringe Laufleistung ist nicht der Grund für den irrwitzigen Preis, denn ganz bestimmt bleibt es bei dieser Kurzstrecke. Die Corvette ist nämlich nicht fahrbereit. Um genau zu sein: sie fährt weder vorwärts noch rückwärts, nur hoch und runter. Und offenbart dabei ihr Innerstes.

Aus der Fabrik direkt in die Spezialwerkstatt

Ursprünglich war der Wagen ein normales Serienauto, mit einem 5,4-Liter-V8-Motor und Viergangschaltung, außen blau und innen weiß. Dieses landete jedoch fabrikneu in einer Spezialwerkstatt. Und verließ sie als Unikat. Die Corvette war komplett zerlegt und neu zusammengesetzt worden. Die Karosserie ließ sich nun vom Chassis heben - das klappt bei dem Ausstellungsstück heute noch auf Knopfdruck. Elektromotoren stemmen dann die blaue Hülle mitsamt den Sitzen etwa einen halben Meter in die Höhe, während Fahrgestell, Getriebe und Motor am Boden bleiben (oder besser gesagt auf dem Podest, auf dem das Auto steht).

Statt über den Asphalt zu brettern, übernahm diese Corvette fortan auf Automessen und Motorshows eine Botschafterrolle. Die Welt sollte erfahren, was in einem Chevy passiert, wenn man aufs Gas drückt. Das Ganze funktionierte nach dem Prinzip Körperwelten: Messebesucher konnten einen Blick unter das Blech des Autos werfen.

Kontrastprogramm: Das Fahrwerk in mattem Gelb, Motor und Antriebsstrang in Rot

Kontrastprogramm: Das Fahrwerk in mattem Gelb, Motor und Antriebsstrang in Rot

Foto: Darin Schnabel / RM Sotheby's

Die mechanischen Teile der Chevy, rot angepinselt, drehen und klappern dort vor sich hin: Das Getriebegehäuse ist aufgeschnitten, um die Funktionen der Kupplung verständlich zu machen, die Ventildeckel durchsichtig. Und damit die Bewegungsabläufe besser nachvollziehbar sind, liegen die Drehzahlen nicht im Tausenderbereich, sondern Kolben und Antriebswelle arbeiten schön gemächlich.

Anhand des Ausstellungsstücks ist das Funktionsprinzip der Corvette also relativ einfach zu kapieren. Etwas komplizierter gestaltet sich da allerdings die Sache mit der Angabe des Baujahrs: Gefertigt und umgebaut wurde der Wagen nämlich bereits 1964 - auf Tour ging er aber erst 1965. Hintergrund ist die Tatsache, dass von 1965 an einige Neuerungen wie zum Beispiel Scheibenbremsen und Vier-Kolben-Bremssättel für die Stingray angeboten wurden und dem Publikum vorgeführt werden sollten. Natürlich lassen sich auch diese Systeme in dem Exponat genau inspizieren.

Wiederentdeckung in Südafrika

Wo die zerstückelte Corvette nach ihren Auftritten auf Messe- und Autoshows landete, ist unklar - jedenfalls tauchte sie erst Mitte der Neunzigerjahre wieder in Südafrika auf. Ein Sammler aus den USA sicherte sich das Einzelstück und ließ es restaurieren. 2007 versteigerte er es - für rund 700.000 Dollar.

Dieser Preis könnte sich nach Ansicht von RM Auctions  nun sogar verdoppeln, das Auktionshaus rechnet mit einem Erlös zwischen einer und 1,4 Millionen Dollar. Eine extrem hohe Summe für ein Auto, das nicht fährt. Andererseits: Der Ferrari, der vergangenes Jahr zum Rekordwert von 38 Millionen Euro versteigert wurde, wird wohl auch nie einen einzigen Meter weit gefahren werden.

cst
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