Das Auto als Büro Office to go

Dicke Luft im Homeoffice? Dann verlegen Sie den Arbeitsplatz doch ins Auto. Große Umbauten sind oft nicht nötig, manches Zubehör allerdings ist nützlich.
Das Auto als Büro — in Zeiten einer Corona-Pandemie bieten solche Lösungen eine Alternative zum Homeoffice

Das Auto als Büro — in Zeiten einer Corona-Pandemie bieten solche Lösungen eine Alternative zum Homeoffice

Foto: BOTT

Telefon, Diktiergerät, Schreibmaschine. Dazu ein Drucker, der auf Knopfdruck aus dem Handschuhfach fährt. Mit einem derart ausgestatteten Auto sorgte Hans-Albert Zender 1985 für Aufsehen. »Telekomm 2000« hießt das Konzeptfahrzeug, das damals auf der IAA in Frankfurt präsentiert wurde, ein zum Chefbüro umgebauter Renault Espace. »Die Leute waren noch nicht bereit dafür«, sagte Zender später über den Messe-Hingucker. Heute, 36 Jahre und eine Pandemie später, dürfte es bei vielen so weit sein.

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So wird das Auto zum Büro

Foto: Mobil Office

Hersteller und Zulieferer arbeiten seit Jahren daran, dass sich Zeit im Auto effektiv nutzen lässt. Die Corona-Pandemie gibt der Idee eines Büros auf Rädern weiteren Schwung. Wenn Kinder im Homeschooling-Unterricht sitzen und zwei Erwachsene im Homeoffice zu arbeiten versuchen, kann es in der Wohnung verdammt eng werden. Da bietet sich für manche das Auto als Arbeitsplatz-Alternative an, oder gar als Zufluchtsort.

Mit ein paar Handgriffen lässt sich im Ernstfall ein mobiles Notbüro herrichten: Ein umgeklappter Vordersitz wird zur Schreibtischunterlage, das Mobiltelefon zum Internethotspot, die Türtaschen zur Ablage für Büroutensilien und im Getränkehalter dampft Kaffee oder Tee. Für längere Zeit ist das indes nicht wirklich komfortabel.

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Moderne Fahrzeuge sind aber oft moderner ausgestattet als viele Büros. Die Sitze sind ergonomischer und individuell verstellbar. Es gibt Bildschirme und Touchscreens. Mit Infotainmentsystemen wie Daimlers MBUX oder BMWs iDrive lassen sich Nachrichten per Sprachsteuerung verschicken.

Mit Extraaufwand lässt sich ein Auto zur Wohlfühlkapsel umbauen. Zulieferer Webasto bietet etwa eine elektrische Standheizung an, die Innenraumluft wärmt, filtert und reinigt. Betrieben wird das Gerät (Preis etwa 1000 Euro) per Stromanschluss an einer herkömmlichen Steckdose – der Motor bleibt also aus und verpestet nicht die Umgebung.

Autoschreibtisch vom dänischen Spezialisten

Das »Car Office« als Marktlücke erkannt hat die dänische Firma Mobile Office. Sie ist auf Autoschreibtische und Sonderanfertigungen zur Nutzung von Tablets und Smartphones im Fahrzeug spezialisiert. Für 290 Euro gibt es einen Multifunktionsschreibtisch, an den sich Laptop, Smartphone und Drucker anschließen lassen. Das Notebook wird auf einer Drehscheibe befestigt und zum Fahrer hin ausgerichtet. Platziert – und angegurtet – wird der Arbeitsplatz auf dem Beifahrersitz.

Für viele Technikerinnen und Techniker ist ein solches mobiles Büro längst Alltag. Die Firma Bott aus Gaildorf fertigt Zubehör für Servicefahrzeuge. Ein Produkt des baden-württembergischen Unternehmens heißt »Car Office«: Eine Schreibtischplatte, mehrere Einsteckhalterungen und eine unter der Platte angebrachte Ablagebox. Warum sollten nur Außendienstler diese Annehmlichkeiten genießen?

A und O fürs Arbeiten ist natürlich eine gute Internetverbindung. Der Handy-Hotspot ist keine stabile Dauerlösung. Neuwagen, die seit April 2018 in der EU zugelassen wurden, verfügen serienmäßig über einen Internetzugang per SIM-Karte. Die wurde damals gesetzlich vorgeschrieben, um den Notruf e-Call zu etablieren. Navigationssysteme, die regelmäßig Kartendaten aktualisieren, nutzen ebenfalls SIM-Karten. Die sind auch Voraussetzung dafür, im Auto einen Hotspot für Smartphone, Tablet und Co. einzurichten. Der Jaguar F-Pace etwa verfügt über zwei LTE-Modems und einen SIM-Kartenschlitz, das ermöglicht einen Wi-Fi-Hotspot für bis zu acht Geräte.

Steckdose an Bord

In Deutschland sind allerdings Pkw unterwegs, die im Durchschnitt fast zehn Jahre alt sind. Eine Onlineverbindung in älteren Autos lässt sich beispielsweise mit einem Car-Connect-Adapter der Telekom herstellen, Kostenpunkt etwa 50 Euro. Für zusätzlich knapp zehn Euro im Monat stellt der Adapter über das Funknetz der Telekom einen WLAN-Hotspot für bis zu fünf Geräte her. Das Gerät wird in den Serviceanschluss des Autos gesteckt – den sogenannten OBD-2-Port, der seit 2004 installiert wird. Geeignet ist der Adapter allerdings erst für Verbrennermodelle ab dem Baujahr 2006, wie Stiftung Warentest berichtet. In Elektro- oder Hybridfahrzeugen könne der Adapter gar nicht als Internetzugang verwendet werden.

Doch die E-Mobilität eröffnet andere Möglichkeiten. Der Elektrokleinwagen Honda E bietet serienmäßig vier USB-Schnittstellen und einen HDMI-Anschluss. So lässt sich der Laptop mit einem der fünf Bildschirme im Innenraum koppeln. Die Videowiedergabe funktioniert allerdings nur beim Parken. So lässt sich immerhin Zeit an der Ladesäule sinnvoll nutzen.

Im »Advanced«-Ausstattungspaket ist sogar eine 230-Volt-Steckdose mit an Bord – womit sich das lästige Laden des Laptops über Adapter und Zigarettenanzünder erübrigt. Mit einer Powerbank lässt sich ein Stromengpass auch beheben. Soll ein Laptop geladen werden, sollte jedoch darauf geachtet werden, dass das Gerät über mindestens 20.000 mAh verfügt.

Blick in die Zukunft: Noch mehr Büro im Auto

Das Auto-Office wird in Zukunft wichtiger werden — gerade, wenn Autos autonom fahren und der Fahrer sich anders beschäftigen will. »Beim Innenraum der Zukunft ist viel in Bewegung«, heißt es beim Mechatronik-Unternehmen Brose aus Coburg. Der Innenraum von morgen sei »Büro, Wohnzimmer, Lounge und nach wie vor Cockpit«. Brose kündigte bereits 2019 eine neuartige Mittelkonsole an: Sie ist nach vorn und hinten verschiebbar, kann sich in einen Tisch verwandeln, birgt einen Bildschirm und lässt sich auch so einklappen, dass die Sitze gedreht werden können.

Für persönliche Meetings, sobald diese wieder möglich sind, hat der chinesische Zulieferer Yanfeng bereits Lösungen präsentiert. Die Studie »Experience in Motion 2018« verfügt über einen serienreifen »Meeting-Mode«, bei dem der Fahrersitz ans hintere Ende des Innenraums fährt und sich der Beifahrersitz um 180 Grad dreht — was eine klassische Verhandlungsposition im Auto für zwei Personen schafft.

Ein solches Setting erscheint in Zeiten der Pandemie weit weg – und ist für viele, die vom Homeoffice gestresst sind, womöglich gar nicht erstrebenswert. Ein warmes Einzelbüro auf vier Rädern würde ihnen schon genügen.