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Alte DDR-Zweiräder auf Kuba: Als der Realsozialimus es rollen ließ

Foto: José Goitia/ dpa

Alte DDR-Zweiräder auf Kuba Die Insel der Ostalgie

Oldtimer und Kuba? Da denkt man sofort an stattliche Schlitten aus Amerika. Dabei gibt es noch eine ganz andere Sorte von Klassikern: Auf der Karibikinsel sind immer noch Zehntausende Fahrzeuge aus der DDR unterwegs.

Die DDR ist vor einem Vierteljahrhundert aufgelöst worden, doch auf Kuba, rund 8000 Kilometer von dem ehemaligen Staatsgebiet entfernt, wirkt die Deutsche Demokratische Republik noch merkwürdig lebendig. Es gibt sogar eine kleine Insel, die nach Ernst Thälmann benannt ist, dem einstigen Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Deutschlands. Am auffälligsten erinnert aber das Straßenbild Havannas und anderer Städte an das alte Ostdeutschland: Dort fahren heute noch Zehntausende DDR-Fahrzeuge.

Das langjährige US-Wirtschaftsembargo und andere Einfuhrrestriktionen haben aus den Straßen des Landes längst eine Art lebendiges Museum für hochbetagte Motoren gemacht. Neben US-amerikanischen Oldtimern findet man Wagen russischer oder polnischer Hersteller - und manchmal sogar Wartburgs oder Trabants aus DDR-Fabrikhallen. Der Renner sind aber vor allem die MZ-Motorräder.

Die Zweiräder aus dem sächsischen Zschopau kamen bis in die Neunzigerjahre hinein auf verschiedene Art und Weise nach Kuba. Der 24-jährige Jorge fährt beispielsweise seit rund einem Jahr Passagiere gegen Entgelt mit seinem MZ TS 250, Baujahr 1983, im Stadtviertel La Palma im Süden Havannas. Für eine Fahrt nimmt er umgerechnet etwa einen US-Dollar.

Mehr als zehntausend Kubaner lebten in der DDR - und brachten zweirädrige Souveniere mit zurück

Sein Motorrad glänzt, auch wenn es nicht immer einfach ist, Ersatzteile zu finden. Jorges Vater kaufte das Motorrad in der DDR, bevor er Mitte der Achtzigerjahre zurück nach Kuba kam. Facharbeiter "durften zwei Stück nach Hause mitbringen", erzählt Jorge.

Rund tausend Kubaner gingen bis Ende der Achtziger zum Studium in den sozialistischen Bruderstaat, Zehntausende kubanische Arbeiter waren wie Jorges Vater in der Zeit in der DDR in der Ausbildung. Genaue Zahlen lassen sich schwer ermitteln, sagt Diplomingenieur Manuel Torres. Torres, der vor rund 50 Jahren in Dresden studierte, geht von mehr als 20.000 Menschen aus.

Santiago de Cuba gilt als MZ-Hochburg

Der junge Motorradtaxifahrer Jorge will seinen Nachnamen nicht nennen, denn seine Dienstleistung ist in Havanna trotz großer Not im öffentlichen Transportwesen offiziell verboten. In Santiago de Cuba im Osten des Landes haben sich die Behörden dagegen offenbar dazu durchgerungen, den Einsatz von Motorrädern als öffentliche Verkehrsmittel doch zu erlauben. Die zweitgrößte Stadt Kubas gilt als MZ-Hochburg.

Dort wird die Anzahl von Zweirädern auf 16.000 geschätzt, sagt Wilmenes Obregón. Davon könnte sogar die Hälfte von der Marke MZ sein, sagt der 57-Jährige. Obregón selbst fuhr zwischen 1991 und 2002 Taxi mit seinem Motorrad. Gekauft hat er es während seiner Ausbildung zum Dreher in Magdeburg zwischen 1979 und 1985.

Auch Roberto Quintero hat seine alte Simson wieder aus der Garage rausgefahren. Über 30 Jahre ist es her, dass der kubanische Ingenieur für Verkehrswesen das DDR-Moped von deutschen Freunden per Luftfracht geschenkt bekam. Das Zweirad sollte die Distanz zwischen ihm und seinem Sohn überbrücken, der bei seiner Mutter in der Nähe vom Badeort Varadero lebte - rund 140 Kilometer östlich von Havanna. Auch damals herrschte auf Kuba eine große Wirtschaftsnot, erinnert sich der Ingenieur. Eine MZ auf normalem Wege zu erstehen, wäre seinerzeit wohl undenkbar gewesen.

Inzwischen wohnt Quinteros Sohn in Havanna. Der heute 25-jährige Rainer - den Namen erhielt er in Erinnerung an einen alten Ausbilder seines Vaters in Rostock - darf nun oft selbst ans Steuer der MZ.

Von Isaac Risco, dpa