Umfrage zu SUV Die Mär von den grünen SUV-Fahrern

Grün wählen, aber ein SUV kaufen – dieses Bild wird in sozialen Medien gern gezeichnet. Eine Umfrage zeigt nun, dass es sich dabei um ein Klischee handelt – es aber durchaus eine SUV-Partei gibt.
SUV wie dieses auf den Straßen Berlins werden immer beliebter – doch wer treibt den Trend an? (Symbolbild)

SUV wie dieses auf den Straßen Berlins werden immer beliebter – doch wer treibt den Trend an? (Symbolbild)

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Stefan Zeitz / imago images

Das SUV als prägende Karosserievariante der vergangenen Jahre ist für manche Verkehrsteilenehmer mittlerweile der blechgewordene Erzfeind geworden. Für sie sind die Pseudogeländewagen ein Symbol für Verschwendungssucht im ohnehin knappen Straßenraum und ein Affront angesichts der Bemühung, die Klimawende zu schaffen.

Doch verläuft die Grenze in dieser Debatte wirklich so eindeutig, wie man annehmen könnte? Immer mehr Städte geben Fußgängern und Radfahrerinnen mehr Platz, meist auf Kosten des Autoverkehrs. Das sorgt für allerlei Konflikte, im politisch traditionell grün geprägten Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg entzweiten Poller die Menschen im Samariterkiez  so stark, dass selbst ernannte »Ureinwohner« des Viertels einer Verkehrswende-Aktivistin vorwarfen, den Stadtteil »in ein vorindustrielles Auenland zu verwandeln«. Wenn sie kein Blech möge, solle sie doch dorthin zurückgehen, wo sie vorher gewohnt habe. Eine überraschende Positionierung.

Grüne mit zweitniedrigster Kaufbereitschaft für ein SUV

Und ein Klischee erhält angesichts des Umfragehochs der Grünen auch bundespolitische Relevanz – und weitere Brisanz: In den sozialen Medien wird immer wieder das Bild von Grünenwählern verbreitet, die es mit den eigenen Prinzipien nicht ganz so genau nehmen und gern SUV fahren. Der Vorwurf ist klar: Fahrrad predigen und selbst Audi Q7 oder BMW X5 fahren.

Dabei dürfte das nicht mehr sein als: ein Klischee. So zeigt eine repräsentative Civey-Umfrage für den SPIEGEL, dass sich nur 24 Prozent der Anhänger der Grünen grundsätzlich vorstellen können, ein SUV zu kaufen – der zweitniedrigste Wert nach den Anhängern der Linken. Dagegen können sich 48 Prozent der Wähler von CDU/CSU einen SUV-Kauf grundsätzlich vorstellen. Bei der FDP liegt dieser Wert bei 52 Prozent, bei der AfD sind es sogar 54 Prozent.

(Lesen Sie hier die Hintergründe zur Civey-Methodik.)

Insgesamt können sich 37 Prozent der Befragten grundsätzlich vorstellen, ein SUV zu kaufen. Das tatsächliche Kaufverhalten der Menschen in Deutschland sieht ähnlich aus. So war laut »Auto Motor Sport« im vergangenen Jahr nahezu jeder dritte Neuwagen ein SUV. Darauf reagieren auch die Hersteller und bringen altbekannte Modelle zurück – nur eben als SUV. So feierte der Ford Puma, früher ein kleines Coupé, ein Comeback als Kompakt-SUV.

Der Trend zum SUV ist dabei unabhängig vom Antrieb. So folgte auf Volkswagens Elektropionier ID.3 bereits wenig später das E-SUV ID.4. Und auch Fords elektrischer Hoffnungsträger, der Mustang Mach E, nutzt zwar den Namen des berühmten Pony-Cars, ist tatsächlich aber ebenfalls ein hochbeiniger Pseudogeländewagen. In der Diskussion um die Nutzung des Straßenraums ist der Antrieb jedoch egal. Ob in einem über vier Meter langen Auto ein E-Antrieb oder ein Verbrennungsmotor steckt, macht aus räumlicher Perspektive keinen Unterschied – das gilt jedoch auch für das Wahlverhalten der Person am Steuer.