Straßentaugliche Miniaturautos Ernie macht mal halblang

In einer Scheune in Arizona bastelt Ernie Adams Kopien von Autoklassikern - im Maßstab 1:2. Bis zu 500.000 Dollar bieten ihm Enthusiasten für einen Wagen. Aber Adams verkauft nicht.

Tom Grünweg

Aus Maricopa, Arizona, berichtet 


In den USA gilt normalerweise die Losung "the bigger, the better", gerade was Autos betrifft. Je dicker der Schlitten, je riesiger der Pick-up-Truck, je wuchtiger der Geländewagen, desto besser. Auch für Ernie Adams aus Maricopa in Arizona kommt es bei Fahrzeugen vor allem auf die Größe an - aber er mag es gerne ein Nummer kleiner. Der pensionierte Mechaniker baut maßstabsgetreue Autos, die nur noch halb so groß sind wie das Original.

In seiner Scheune steht ein halbes Dutzend dieser halben Portionen, vor allem Hot Rods aus den Dreißiger-, Vierziger- und Fünfzigerjahren. "Dwarf-Cars", Zwergenautos, nennt er die Mobile im Maßstab 1:2. "Alle sind voll funktionsfähig und haben eine Straßenzulassung", sagt der 74-Jährige und faltet seinen 1,85 Meter großen Körper in die himmelblau lackierte Verkleinerung eines 49er Mercury Coupés.

Ernie Adams hatte schon immer eine große Zuneigung zu kleinen Autos. "Angefangen hat es in der Grundschule ", erinnert er sich. Da baute er Spielmobile aus Obstkisten. Eines Tages beobachtete er vom Küchenfenster aus, wie ein paar Kühlschränke von einem Güterzug fielen. Adams sammelte den Schrott auf und baute daraus sein erstes Automodell aus Metall. Aus neun Kühlschränken und einem 18-PS-Motor vom Schrottplatz entstand so ein 1928er Chevy Two-Door-Sedan.

Das Improvisationstalent von damals hat sich Adams bewahrt, inzwischen verfügt er außerdem über eine jahrzehntelange Berufserfahrung als Mechaniker und eine professionell eingerichtete Werkstatt. Dort werkelt er an den Zwergen, schweißt die Karosserie zusammen, kürzt Achsen und baut Motoren aus alten Toyota Corollas in die Minimobile. Die Räder und Scheinwerfer sollen dem Original so nahe wie möglich kommen, deshalb wühlt sich Adams oft monatelang durch Schrottplätze.

Auch die Innenräume friemelt Adams mit reichlich Lack, Leder und Chrom zu putzigen Autopuppenstuben zusammen. Kindgerecht sind die Interieurs allerdings nicht - wegen manch anzüglicher Grafik. Ein wenig Ironie und Rebellion gehöre nun mal zu einem Hot-Rod, sagt Adams: "Da fühlt man sich gleich ein paar Jahrzehnte jünger."

Quittungen im Einmachglas

Obwohl es weder Crashtests noch Abgaswerte für die Zwergenautos gibt, sind sie allesamt vom "Department Of Motor Vehicles" von Arizona für den Straßenverkehr zugelassen. "Das ist hier bei uns ein Kinderspiel", sagt Adams. "Ich sammle einfach die Quittungen für alle Teile, die ich verbaut habe, und marschiere damit aufs Amt." Er zeigt auf eine Reihe Einmachgläser, in denen die Rechnungen von Baumärkten, Schrottplätzen und Teilehändlern vergilben. "Die Beamten schauen die Papiere durch, stellen das Auto auf die Hebebühne, und eine halbe Stunde später kann ich ein Kennzeichen ans Heck schrauben."

Der Segen der Behörden ist wichtig für Adams, denn er nutzt seine Dwarf-Cars tatsächlich im Alltag. Immer freitags fährt er beispielsweise ins Zentrum von Maricopa zu einem Autotreffen. Kreuz und quer sei er bereits durchs Land gerollt, "wahrscheinlich gibt es keine anderen Autos in den USA, die so oft fotografiert worden sind wie meine".

Verkaufen will Adams seine Hot-Rod-Miniaturen um keinen Preis. "Mir wurden für die Autos schon Summen zwischen 5000 bis 500.000 Dollar geboten. Ein Verrückter aus Kalifornien wollte mir sogar ein Haus kaufen, wenn ich ihm ein Dwarf-Car abgetreten hätte", erzählt Adams mit einem Kopfschütteln. "Aber die Autos sind für mich wie Kinder, die verkauft man nicht."

Besuch aus aller Welt - nicht immer ist man willkommen

Immerhin kann man die Wagen mittlerweile besichtigen - wenn man sich die Mühe macht und von Phoenix aus zwei Stunden in den staubigen Süden fährt. Adams hat vor ein paar Jahren die Scheune seiner abgelegenen Farm zu einem kleinen Museum ausgebaut. Stolz zeigt er das Gästebuch mit Einträgen aus China, Russland, Deutschland und Indien. Ein bisschen genervt sei er manchmal schon über die Besucher, gesteht er. Sich um sie zu kümmern kostet Zeit, die er lieber für den Bau von Autos nutzen würde. Schließlich braucht Adams für ein Dwarf-Car im Schnitt sechs Jahre.

Aktuell ist Nummer sieben in Arbeit, ein gechopptes Ford Coupé, das noch rostig und unlackiert in der Werkstatt steht. Bis zur Fertigstellung dauert es wohl noch zwei Jahre, bei der Jungfernfahrt mit dem Zwergauto wird Adams knapp 80 sein. Ans Aufhören denkt er dennoch nicht. "Andere machen Gymnastik, ich fahre die Dwarf-Cars."

Der Ford werde trotzdem das erste Minimobil mit einer Klimaanlage, erwähnt er noch. "Man wird schließlich nicht jünger."

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insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
seikor 18.11.2014
1. wie viel Auto braucht der Mensch?
Ernie Adams zeigt uns, dass eine Nummer kleiner durchaus ausreicht. Man vergleiche mal den Ur-Golf mit dem aktuellen Golf: immer gewachsen... selbst der Polo ist größer, wie der alter Golf. Schade, dass so etwas in Deutschland wahrscheinlich undenkbar ist. Mit so einem Auto zum TÜV? Da gibt es bestimmt zig Bestimmungen, dass dieses und jenes nicht sein kann, weil es nicht sein darf...
criticalsitizen 18.11.2014
2. Der Autor vergisst in dem ersten Absatz, dass Pick Ups und Geländewagen Nutzfahrzeuge sind
und niemand in den USA 200 km/h fährt.
jalu-2008 18.11.2014
3. Falsche Größenangabe
Gleich das erste Bild sagt mir, dass dieser Nachbau nicht im Maßstab 1:2 ist, dann wäre der Nachbau auch nur halb so hoch oder halb so breit wie das Original, die Räder hätten den halben Durchmesser. Ich schätze den gezeigten ersten Nachbau auf etwa 75% vom Original.
felisconcolor 18.11.2014
4. Ich würd ja auch gern
wenn ich könnte. Ok seien wir nicht ungerecht im Grunde kann man hier in Deutschland auch. Es ist zwar alles etwas hakeliger aber machbar. Also erst zum Tüffer den nicken lassen dann bauen, dann klappt es auch mit der Abnahme. Ok bissel teurer als in Arizona wirds wohl werden. Aber halt nicht unmöglich. Klasse Wagen hat der gute Mann zusammen gebaut. Respekt
ein-berliner 18.11.2014
5. Nicht neu
Die deutsche Autoindustrie macht das schon jahrelang. Spielzeugautos sind hier Normalität.
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