Fotostrecke

E-Bike Furo Aventa Max: Weniger ist mehr

Foto: Stefan Weißenborn

Ratgeber Rad Furo Aventa E-Bike ohne Firlefanz

Elektrofahrräder sind zu teuer? Die britische Marke Furosystems drückt beim Aventa gezielt den Preis und verzichtet auf Schnickschnack. Das Rad hat Schwächen – und bietet dennoch genug fürs Geld.

Der erste Eindruck: Klassischer Diamantrahmen, breites Unterrohr – das Furo Aventa sieht aus wie ein normales Herrenrad. Da verwundert es etwas, dass sich der Hersteller im Wettbewerb mit durchgestylten E-Urbanbikes anderer Marken wähnt.

Das sagt der Hersteller: Elliot Wertheimer, Geschäftsführer von Furosystems, will ein Problem angehen. Vielen Kaufinteressenten sind E-Bikes zu teuer. Mit einem Durchschnittspreis von 2600 Euro kalkuliert der Zweirad-Industrie-Verband, viele Modelle kosten doppelt und dreimal so viel.

Das Aventa sei ideal für Pendler und Stadtradler, leicht und reichweitenstark, ästhetisch und funktional, sagt Wertheimer, einer der Gründer der jungen Firma mit Sitz in London: »All dies, während es so erschwinglich wie möglich bleibt.«

Immer auf dem Laufenden bleiben?

Fahrberichte, Analysen, aktuelle Nachrichten: So verpassen Sie keine Artikel aus der Rubrik Mobilität des SPIEGEL.

So aktivieren Sie Ihre Benachrichtigungen

Klingt nach PR, aber Fakt ist: Der Basispreis ist niedrig – los geht's bei 1599 Euro. Allerdings nur, wenn Furosystems das Aventa mit der kleinen Batterie liefert (281 Wattstunden). Ist der größte Stromspeicher (504 Wh) an Bord (wie im Testrad Aventa Max), kostet das Bike 1999 Euro. Das ist in etwa so viel wie das Modell S3 des niederländischen Herstellers Vanmoof, das mit derselben Speicherkapazität ausgestattet ist.

Alternativ kann die Kundin einen mittleren Akku mit 375 Wattstunden wählen. Pendlern genügt womöglich ein kleiner Speicher, auf Touren dürfte ein großer hilfreich sein. Mit dem kleinen Akku kämen 75 Kilogramm schwere Biker bei niedrigster Unterstützungsstufe bis zu 50 Kilometer, mit dem großen bis zu 90 Kilometer weit, sagt Wertheimer. Die genaue Reichweite hängt von weiteren Faktoren ab wie Topografie, Temperatur oder Gegenwind.

Mit einem Gewicht von wenigstens 16,2 Kilo zählt das Aventa zu den leichteren E-Bikes. Zur Markteinführung liefert der Hersteller die Räder jedoch mit Accessoires aus, die später Aufpreis kosten sollen: einem Ständer, Gepäckträger, Rückleuchte, Schutzblechen. So steigt das Gewicht merklich.

Das ist uns aufgefallen: Beim Gewicht führt Furosystems Interessierte etwas in die Irre. In der Datentabelle auf der Website sind für jede Akkugröße pauschal 16,5 Kilo angegeben. Jedoch wird das Bike dort auch mit Vollausstattung abgebildet. So kommt es jedoch auf gut 18 Kilo, wie der Check auf der Waage ergab. So wird es beschwerlich, das Bike zu tragen. Es ist aber immer noch leichter als das Vanmoof S3 (21 Kilogramm ohne Gepäckträger).

Datenblatt Furo Aventa Max

Motor

Bafang-Hinterrad­nabenmotor, Drehmoment: bis zu 60 Nm, Nennleistung 250 Watt

Akku

504 Wattstunden (Wh), Lithium-Ionen

Dauer
Komplett­ladung

7 Stunden

Reichweite

bis zu 90 km (Hersteller­angabe)

Bremsen

hydraulische Scheiben­bremsen von Tektro

Bereifung

Kenda K193/700*32C

Gewicht

gut 18 Kilo (eigene Messung)

Preis

1999 Euro (Basispreis 1599 Euro)

Von Vorteil ist, dass sich der bis zu 2,7 Kilogramm schwere Akku zum Laden entnehmen lässt. Doch dabei ist eine kleine Hürde zu nehmen: Der mehr als einen halben Meter lange Stromspeicher lässt sich nur unten aus dem Rohr ziehen. Deshalb muss man das Fahrrad auf die Seite legen oder stark neigen. Alternativ lässt sich die Batterie auch am Rad laden.

Nicht alle Teile sind gut ins Aventa integriert. Der Speicher verschwindet zwar komplett im Unterrohr, und die Frontbeleuchtung ist formschlüssig ins Steuerrohr eingelassen. Doch insgesamt erscheint das Aventa nicht sehr feinfühlig gestaltet.

Züge und Leitungen sind größtenteils außen verlegt. Das dünne LCD-Display in Schwarz-Weiß kommt wie ein aufgepflanzter Fremdkörper daher. Am Unterrohr prangt ein aufdringlicher Schriftzug. Rundum geschmeidig wirkt das Aventa nicht, eher gewöhnlich. Andere von Furosystems aufgeführte Konkurrenten – neben dem Vanmoof S3 etwa das Cowboy-Bike aus Belgien – erscheinen dagegen wie aus einem Guss.

Fotostrecke

E-Bike Furo Aventa Max: Weniger ist mehr

Foto: Stefan Weißenborn

Aber gewöhnlich muss nicht schlecht sein – zum Beispiel in technischer Hinsicht. Die Komponenten sind zwar Standardware, haben sich aber millionenfach bewährt: Hydraulische Scheibenbremsen von Tektro, Akkuzellen von Samsung, die Reifen vom taiwanesischen Hersteller Kenda, die als durchstichsicher gelten. Die Shimano-Altus-Kettenschaltung aus dem Einsteigersegment ist ein Indiz, dass Furosystems sich unter Preisdruck gesetzt hat. Ihr fehlt ein leichter Berggang. Der anschubkräftige Motor gleicht das aber aus.

Der 250-Watt-Motor im Heck ist ein Massenprodukt des chinesischen Herstellers Bafang. Solche Nabenmotoren sind günstiger als Mittelmotoren. Für sie muss kein aufwendiger Rahmen konstruiert werden. Der elektrische Anschub fühlt sich ungestüm an, das ist typisch für den Hinterradantrieb. Die Maschine dosiert die Kraft je nach Drehgeschwindigkeit der Kurbel, Fahrtempo und gewählter Unterstützungsstufe. Wie kräftig man in die Pedale tritt, spielt keine Rolle.

Wer Steigungen gern ohne großen Kraftaufwand hochsurrt, wird zufrieden sein. Im Test flog einmal die Kette ab – weiterfahren war trotzdem möglich. Dazu reichte es, die Kurbel weiter rotieren zu lassen.

Das muss man wissen: Während andere Hersteller auf Konnektivität und Apps setzen, verzichtet Furosystems auf Vernetzungs-Firlefanz – eine weitere Preis-Stellschraube. »Ein digitales Ökosystem, das auch Over-the-Air-Updates ermöglichen soll, ist erst in der Entwicklung«, sagt Wertheimer.

Keine Navigationsfunktion, keine Auswertung der Fitnessdaten, keine GPS-Ortung – deshalb hat die LCD-Anzeige kein Touchdisplay. Die Funktionen bleiben übersichtlich: Angezeigt werden unter anderem Tempo, Unterstützungsstufe, gefahrene Kilometer und der Ladezustand der Batterie.

Die Unterstützungsstufen zu individualisieren, ist möglich, aber umständlich: Dazu muss ein Passwort beim Hersteller angefordert werden, dazu ein Erklärvideo. Erst damit lassen sich Leistungs- und Geschwindigkeitscharakteristik der Fahrstufen ändern, erläutert Wertheimer. Mit einer App ließe sich das einfacher lösen.

Furosystems vermarktet seine E-Bikes direkt über die Website . Wird eine Reparatur fällig, schickt der Hersteller Ersatzteile. Der Kunde kann dann selbst versuchen, das Rad in Ordnung zu bringen, ohne dass dadurch die Zweijahres-Garantie erlischt. Oder er bringt das Rad in einen örtlichen Fahrradladen. Im Garantiefall bezahlt Furosystems die Rechnung. Allerdings nehmen manche Händler Fahrräder von Versendern zu Reparatur und Wartung nicht an.

Das werden wir in Erinnerung behalten: Wem ein kleiner Akku genügt, der bekommt ein solides, wenn auch nicht bis ins Detail ausgefeiltes E-Bike für ziemlich wenig Geld. Es ist aber nicht so stylish wie behauptet.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.