Gebraucht kaufen Das E-Bike von der Resterampe

Wer ein Pedelec gebraucht erwirbt, spart viel Geld. Doch wie gut ist die Batterie noch oder der Motor? Antworten auf solche Fragen kann auch finden, wer wenig von Technik versteht.
Foto: Rebike

Wer ein gutes E-Bike möchte, muss dafür viel Geld bezahlen. Der durchschnittliche Neupreis liegt nach Abgaben des Verbands des deutschen Zweiradhandels (VDZ) bei etwa 2800 Euro. E-Mountainbikes und E-Lastenräder sind noch deutlich teurer.

Vergleichsweise günstig scheint der Gebrauchtkauf. Wie Autos verlieren E-Bikes recht schnell an Wert. Nach VDZ-Angaben sind es nach einem Jahr rund 30 Prozent, nach zwei Jahren schon die Hälfte. Doch Vorsicht: Ist der Akku als teuerstes Bauteil am E-Bike defekt, fehlerhaft oder altersschwach, kehrt sich das Geschäft womöglich ins Minus. "Je nach Energiegehalt kann ein modernes Lithium-Ionen-Pack zwischen 500 und 800 Euro kosten", sagt Felix Lindhorst, technischer Berater beim Bundesinnungsverband Zweirad-Handwerk in Hilden. 

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E-Bikes gebraucht kaufen

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Umso wichtiger ist es zu wissen, wie es um ein angebotenes gebrauchtes E-Bike steht. Eine gewisse Transparenz versprechen kommerzielle Handelsplattformen. Von ihnen gibt es eine Handvoll, der Markt ist gerade im Entstehen.

Erst 2018 wurde mit Rebike1 (heutiger Name: Rebike) die nach eigenen Angaben erste Plattform für gebrauchte Pedelecs in Deutschland gegründet. Als weitere Anbieter mischen beispielsweise Greenstorm, BikeExchange, Bikesale, Deal my Wheel, Speiche24 oder Used-Ebike mit.

Die Vielfalt von Pedelec-Gattungen und Herstellern lässt bei ihnen teils noch zu wünschen übrig, oft werden Einzelstücke angepriesen. Teilweise wird über die Plattformen auch Neuware vertrieben.

Speiche24 zum Beispiel hat nach eigenen Angaben gerade mal 250 gebrauchte E-Bikes im Angebot, beim österreichischen Anbieter Greenstorm, der sich als "Europas größter E-Bike-Marktplatz" sieht, sind es mehr als 5000 - vom elektrifizierten Trekkingrad bis zum Fatbike mit Akku. Bei BikeExchange, einem Marktplatz für Fachhändler und Privatleute (wie bei Speiche24), sind Auslaufmodelle der letzten Saison eingestellt, "die lediglich für Probefahrten, als Vorführmodell oder Ausstellungsstück genutzt wurden". Farbe oder Rahmenhöhe lassen sich jedoch nicht filtern, Suchende sind auf Zufallstreffer angewiesen.

Ersatzteillage vor dem Kauf überprüfen

Doch das Angebot auf den Plattformen wächst. Neue E-Bikes boomen seit Jahren, was auch den Gebrauchthandel befeuert. Nach Angaben des VDZ geben immer mehr Privatkunden ihr E-Bike beim Fachhändler in Zahlung. Auch Leasing-Rückläufer schwemmen den Markt, typischerweise nach drei Jahren. 

Allerdings sind solche Rückläufer aufgrund der galoppierenden technischen Entwicklung dann oft nicht mehr auf der Höhe der Zeit. "Wir haben es mit Alterungserscheinungen wie beim Smartphone zu tun", sagt Stephan Behrendt vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). Bei weniger verbreiteten Antriebssystemen von Herstellern, die womöglich wieder vom Markt verschwunden sind, könne es zum Problem werden, einen Ersatzakku aufzutreiben. Der Experte empfiehlt, sich vor dem Kauf eines älteren E-Bikes im Fachhandel über Verfügbarkeiten von Ersatzteilen zu informieren.

Ein grundsätzliches Problem beim E-Bike-Gebrauchtkauf auf Online-Handelsplattformen sieht Maximilian Heitkämper von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. "Wer ist zum Beispiel Ansprechpartner, wenn der Kunde mit dem Bike technische Probleme hat? Wohin kann er das Rad zur Reparatur bringen? Wie verhält sich der Händler bei Gewährleistungsfragen? Solche Dinge würde ich abklären." Auch Garantieversprechen empfiehlt Heitkämper genau zu prüfen. "Verbraucher wundern sich oft im Nachhinein, dass Garantien nicht so weitreichend sind, wie sie sich das gedacht haben." Beim gebrauchten E-Bike sei es zum Beispiel wichtig, dass der Akku enthalten sei.

Handel gewährt auch bei Neuware teils hohe Rabatte

Um Problemen vorzubeugen, setzt Rebike auf junge Gebrauchte, deren Nachschub das Unternehmen selbst in die Hand nimmt. "Wir haben schon kurz nach der Gründung damit begonnen, Neuware zu kaufen", sagt Rebike-Geschäftsführer Thomas Bernik. Diese fabrikfrischen Pedelecs verleiht Rebike seitdem in touristischen Gebieten tageweise oder bietet sie Kunden im Abonnement über eine eigene Website zur Langzeitmiete. Wenn die Bikes später auf der Rebike-Website auftauchen, sind sie zwischen 20 Tage und einem Jahr alt. Ein ähnliches Konzept verfolgt Greenstorm.

Auf ein zwei Jahre altes, aber neuwertiges Bike seien manchmal Abschläge von bis zu 40 Prozent auf den ehemaligen Neupreis möglich, heißt es bei Rebike. Und bei Elektrorädern vom aktuellen Modelljahr gibt es Corona-bedingt verfrüht Nachlässe. Normalerweise fallen die Preise zum Saisonende Ende September stark, in diesem Jahr habe es bereits einen Preisrutsch gegeben, sagt Ko-Geschäftsführer Sven Egner. "Viele Onlinehändler geben jetzt schon einen Rabatt von 20 Prozent." Dieses Niveau muss der Zweitmarkt noch unterbieten.

Was junge Unternehmen wie Rebike und Co. mit ihren wenigen Standorten kaum ermöglichen, ist eine Probefahrt. Dabei punktet die dezentrale Kleinanzeige: Privatanbieter in der Nähe kann man ohne lange Anfahrt aufsuchen. Eine mit derzeit rund 27.000 E-Bike-Inseraten große Auswahl bietet zum Beispiel Ebay Kleinanzeigen. Nachteil: Anbieter neigen dazu, ihre E-Bikes unvollständig zu beschreiben, wie auch das Unternehmen einräumt. 

Anbieter wie Rebike hingegen versprechen "maximale Transparenz", wie Sven Erger betont. Um das Vertrauen in den Deal zu erhöhen, werden Räder von Fachleuten geprüft und instandgesetzt. Besonders beanspruchte Verschleißteile wie Ketten, Bremsbeläge und Reifen werden getauscht. Dann gibt es zwei Jahre Garantie auf Motor und Akku, über deren Zustand Käufer einen Diagnosebericht bekommen. Dieser gibt Auskunft über Ladezyklen, Laufleistung oder Restkapazität. "Beim Privatkauf dagegen gibt es keine Garantie", sagt Rebike-Gründer Erger.

E-Bike-Check kann auch versteckte Mängel aufzeigen

Aber auch wer privat kauft, kann sich um die Fahrraddiagnose kümmern, mit dem Second-Hand-Bike zum Fachhandel radeln und dort kostenpflichtig einen Diagnosebericht anfertigen lassen – falls der Anbieter das zulässt. "Das kostet über den Daumen gepeilt 5 bis 25 Euro", sagt Felix Lindhorst vom Zweirad-Handwerk. Laien könnten sich die ausgelesenen Daten im Fachhandel erklären lassen. "Wurde das E-Bike zum Beispiel viel im Turbomodus gefahren oder stark belastet, kann dies die Alterung der Zellen begünstigen" Um andere verdeckte Mängel aufzudecken, rät er zum Gebraucht-E-Bike-Check, ebenfalls eine Dienstleistung vieler Händler. Kostenpunkt: um die 20 Euro.

Ob das E-Bike gut gewartet wurde, darüber gibt ein gut gepflegtes Serviceheft Auskunft. Um den Besitzerwechsel zu dokumentieren, sollte man zudem auf einen Kaufvertrag bestehen; eine kostenlose Mustervorlage gibt es beim ADFC zum Download. Eine-Null-Prozent-Finanzierung, die Rebike bietet, ist beim Privatkauf zwar nicht möglich – dafür lässt es sich umso besser um den Preis feilschen.

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