Elektroauto-Tagebuch Da staunen sogar Sportwagenfahrer

Opel Ampera: Leiser Fahrspaß und die Frage nach der Ökobilanz
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Opel Ampera: Leiser Fahrspaß und die Frage nach der Ökobilanz

2. Teil: Test 7: Erstaunte Sportwagenfahrer, Vertrauen und eine verpasste Chance. Tester: Maria Marquart, Redakteurin im Ressort Wirtschaft.


Die Erwartungen

Ich erwarte von einem Elektroauto, dass es leiser ist als ein herkömmlicher Wagen. Ich war außerdem sehr neugierig, ob der Ampera gut beschleunigt und wie lange der Strom im Stadtverkehr reicht. Außerdem bin ich kein Freund von Autos, in denen es überall blinkt und piept und ich mir vorkomme wie bei Raumschiff Enterprise. Gibt es eine übersichtliche Anzeige, oder verwirren mich nie dagewesene Hinweise und Symbole? Das waren die Fragen, die ich mir vor der Testfahrt stellte. Was das Raumangebot angeht, war ich beim Ampera ganz entspannt, der bietet ja genauso viel Platz wie eine normale Limousine. Grundsätzlich finde ich E-Autos eine coole Sache. Aber sie sind unflexibler, weil Laden länger dauert als Tanken. Und ich frage mich, ob es beim Strom aus der Steckdose nicht genauso ein Ressourcenproblem gibt wie bei Öl.

Das begeistert

Es macht total Spaß, mit dem Ampera durch die Stadt zu sausen. Das Anfahren an der Ampel ist viel sanfter als bei meinem Benziner. Ich fand es super, dass der Wagen so leise ist. Allerdings frage ich mich schon, ob der Betrieb im Elektromodus ökologisch sinnvoll ist, wenn man keinen Ökostrom bezieht. Überzeugt hat mich auch der Durchzug. Mit jedem Kilometer vertraut man dem Auto mehr, und ich stehe E-Autos jetzt viel offener gegenüber. Ich war positiv überrascht, wie übersichtlich die Anzeige letztendlich doch war. Ich hatte mich auf ein fahrendes Testlabor eingestellt.

Das nervt

Ich hatte am Anfang das Gefühl, dass die Kapazität des Akkus im Sekundentakt zurückgeht. Das hat mich nervös gemacht. Ich weiß zwar, dass zur Not noch der Range Extender anspringt, aber da ich den Wagen und die Technik noch nicht kenne, war ich skeptisch. Darum habe ich die Heizung kaum benutzt, was das Fahrvergnügen doch ein wenig reduziert hat. Aus meiner anfänglichen Skepsis heraus habe ich mir für eine Dienstfahrt nach Bremerhaven lieber doch einen herkömmlichen Mietwagen genommen. Ein Fehler, wie ich im Nachhinein sagen muss! Der Ampera und ich hätten das schon gepackt. Eher unerfreulich fand ich, wie viel Aufladeaufwand man hat, um vergleichsweise wenig weit zu kommen. Andererseits: Man bekommt ein Gefühl dafür, wie viel Energie so ein Auto schluckt. Bei Sprit kippt man das Zeug einfach rein und denkt weniger nach. Beim E-Auto war ich sensibler, was den Verbrauch angeht.

Der coolste Moment

Klasse war der Moment, als mich ein Sportwagenfahrer beim Anfahren an der Ampel erstaunt anschaute. Ich vermute, er wunderte sich, warum meine Flunder nicht aufheult. Und als mein Beifahrer nach drei Minuten Fahrt sagte: "Geiles Teil."

Kaufbereitschaft

Wenn ich den Ampera als Stadtauto nutzen würde und die entsprechende Infrastruktur (Steckdose) hätte, würde ich es machen. Der Preis müsste aber mit dem eines herkömmlichen Wagens vergleichbar sein (höchstens 10 bis 15 Prozent mehr würde ich zahlen). Und ich würde vorher noch mal schauen, ob die Öko-Bilanz am Ende stimmig ist.

Zum Autor
  • Maria Marquart, geboren 1981, studierte in München Kommunikationswissenschaft, Politik und Geschichte. Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule mit Stationen unter anderem bei "Süddeutscher Zeitung", "Hamburger Abendblatt", Bayerischem Fernsehen. Hospitanz im Europäischen Parlament in Brüssel und Straßburg. Von 2007 bis Februar 2010 Süddeutschland-Korrespondentin bei der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) in München. Seit März 2010 Redakteurin bei SPIEGEL ONLINE im Ressort Politik, seit Januar 2011 im Ressort Wirtschaft.



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ditor 20.02.2012
1. Fehleinschätzung
Zitat von sysopDas Elektroauto ist angeblich die Zukunft. Gleichzeitig sind die meisten Kunden skeptisch: Umweltfreundlich sind die Stromer bestimmt - aber kann man damit auch im Alltag bestehen? Sieben SPIEGEL ONLINE-Redakteure haben den Praxis-Test gemacht. http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/0,1518,814045,00.html
Das ist eine absolute Fehleinschätzung. Mir ist noch niemand begegnet der vor Elektroautos Angst gehabt hätte. Bedenken dass der Tank zu klein ist gibt es auch bei anderen Mobilen - aber Angst? Was der Autor wohl meint ist Interesse- das zeigt man nämlich hierzulande auch dadurch dass man kritisch hinterfragt.
rennflosse 20.02.2012
2. Sehr repräsentativ
Jemanden ein Auto testen zu lassen, der bekennender ÖPNV-Fan ist und eine Autofahrt in der Stadt für schlicht unnötig hält, ist für einen E-Autotest wohl nicht geeignet. Es geht ja darum, das E-Auto Autofahrern schmackhaft zu machen und nicht Fußgängern. Deshalb sind auch keine neuen Erkenntnisse zu erwarten gewesen. Der Ampera ist auch kein Elektroauto, sondern ein Hybridfahrzeug. Wenns knapp wird mit dem Strom (und das wird es sehr bald), dann schaltet sich der Benzinmotor dazu. Das Problem des Ampera ist noch, dass zuviel elektrischer und elektronischer Firlefanz vorhanden ist, der dem Antrieb den Saft absaugt. Da bleibt nicht mehr viel für die Reichweite übrig. Fazit: Bin gespannt, ob die anderen Tester etwas Verwertbares beitragen.
Litajao 20.02.2012
3. Hat sein Fahrrad keine Rückfahrkamera
Zitat von rennflosseJemanden ein Auto testen zu lassen, der bekennender ÖPNV-Fan ist und eine Autofahrt in der Stadt für schlicht unnötig hält, ist für einen E-Autotest wohl nicht geeignet. Es geht ja darum, das E-Auto Autofahrern schmackhaft zu machen und nicht Fußgängern. Deshalb sind auch keine neuen Erkenntnisse zu erwarten gewesen. Der Ampera ist auch kein Elektroauto, sondern ein Hybridfahrzeug. Wenns knapp wird mit dem Strom (und das wird es sehr bald), dann schaltet sich der Benzinmotor dazu. Das Problem des Ampera ist noch, dass zuviel elektrischer und elektronischer Firlefanz vorhanden ist, der dem Antrieb den Saft absaugt. Da bleibt nicht mehr viel für die Reichweite übrig. Fazit: Bin gespannt, ob die anderen Tester etwas Verwertbares beitragen.
Aus welchem Jahrhundert hat denn dieser "Tester" diesen Test geschrieben. Und eine Rückfahrcamera mit einem Elektromobil in Verbindung zu bringen, ist wohl das Blödeste, was ich schon lange gehört habe. Wäre es nicht besser, diesen Tester für Fahrräder einzusetzen, aber bitte keine Elektrofahrräder, geht wohl über seinen Horizont!!
sweetums 20.02.2012
4. Unverständnis
Ich kann bis heute nicht verstehen, warum es noch keine E-Autos für den Massenmarkt gibt. Hätte unsere Regierung mal die Abwrackprämie für den Aufbau eines vernünftigen Tankstellennetzes ausgegeben. Jederzeit wäre ich bereit mir ein E-Auto vor die Tür zu stellen. Aber bitte keine Spielzeugautos wie von Renault. Ich habe zwei Kinder und die sollten schon reinpassen. Aber wenn wir es in Deutschland nicht schaffen, bald kommen die Chinesen und machen uns dann vor, wie es geht.
cor 20.02.2012
5. Wieso...
...testet ein ÖPNV-Verfechter bzw. Radfahrer ein Elektromobil? Sollte das nicht der Besitzer eines Autos mit Verbrennungsmotor machen? Ist das nicht die Zielkundschaft? ...wird der Ampera als Elektromobil bezeichnet, obwohl es ein Hybrid ist? ...soll es einen Zusammenhang zwischen einer Rückfahrkamera und einem Elektromobil geben? ...wieso sind die letzten 10 Jahre der Automobilentwicklung eigentlich so völlig spurlos an Herrn Titz vorbeigegangen? ...ist dieser Artikel nur so unheimlich sinnbefreit?
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