Elektroauto-Tagebuch Da staunen sogar Sportwagenfahrer

Opel Ampera: Leiser Fahrspaß und die Frage nach der Ökobilanz
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Opel Ampera: Leiser Fahrspaß und die Frage nach der Ökobilanz

4. Teil: Test 5: Mysteriöses Gepiepse, Kombi-Sehnsucht und Unterschiede, die man nicht spürt. Tester: Christian Stöcker, Redakteur im Ressort Netzwelt.


Die Erwartung

Mir geht es in erster Linie um das Fahrgefühl. Um die Frage, wie sich ein Auto mit elektrischem Antrieb anhört, ob man ständig Angst hat, dass einem gleich der Strom ausgeht, wie so ein Auto ohne Schaltung zieht, wenn man aufs Gas tritt. Und mich interessiert, wie ein Elektroauto sich insgesamt so ausnimmt im Vergleich zu einem Benziner. Merkt man im Innenraum (vom Geräusch abgesehen) irgendeinen Unterschied? Wie viel passt in den Kofferraum? Wie schauen einen die Leute an der Ampel an? Und: Wie umständlich wird es, das Ding über die Steckdose zu betanken?

Das begeistert

Das Auto ist flüsterleise. Aber das merkt man in der Stadt eigentlich kaum, zumal es an dem Abend, an dem ich damit nach Hause gefahren bin, in Strömen geregnet hat. Insgesamt muss man sagen: Der Ampera fühlt sich an wie ein anderer Neuwagen auch. Und auch ein moderner Benziner macht im Stadtverkehr keinen Höllenlärm mehr. Im Endeffekt überrascht besonders, dass sich der Ampera nach 10 Minuten eigentlich fast genauso anfühlt wie ein neuer Benziner. Überzeugend ist auch der kräftige Tritt aufs Gaspedal: reibungs-, schaltungslose und ziemlich satte Beschleunigung. Und das Ganze ohne heulenden Motor.

Das nervt

Bei jedem Losfahren erzeugte das Auto während meiner Testfahrten ein lautes, lästiges, Ping-Geräusch, das wohl vor irgendetwas warnen sollte. Ich habe alle Türen kontrolliert, den Gurt, das Licht war eingeschaltet, die Feststellbremse gelöst. Das futuristische Armaturenbrett mit seinen geschätzten 17 Ansichts-Optionen hält zwar ein Feld namens "Fahrzeug-Mitteilungen" bereit, aber auch dort war keine Botschaft zu finden, die das Pingen erklärt hätte. Nach acht bis zehn Minuten hat es dann von alleine aufgehört. Die Benutzung von neuen elektronischen Geräten gehört zu meinem beruflichen Aufgabenbereich, aber ich konnte bis zur Abgabe des Autos nicht klären, woran es lag. Insgesamt fand ich die Instrumentenvielfalt wenig benutzerfreundlich und erstmal sehr verwirrend. Enttäuscht hat mich auch der erste Blick in den Kofferraum. Der ist, dank darunterliegender Batterie, so klein, dass der Ampera als Familienauto trotz ja von außen durchaus stattlicher Ausmaße ungeeignet ist.

Fahrstrecke

Ich bin jeweils einmal nach Hause und zur Arbeit gefahren, beide Male im Hamburger Stadtverkehr. Insgesamt waren es etwas unter 50 Kilometer, so wenig auf jeden Fall, dass der Range Extender nicht zum Einsatz gekommen ist. Meinen Arbeitsweg könnte ich also rein theoretisch rein elektrisch bewältigen - ich fahre nur meist nicht mit dem Auto zur Arbeit.

Kaufbereitschaft

Wenn der Kofferraum und die Reichweite größer wäre und das Ding insgesamt nicht so enorm schwer und wuchtig daher käme, könnte ich mir das vorstellen. Aber unter den gegebenen Umständen ist der Ampera für mich einfach nicht flexibel genug. Vor allem, was das Reisen mit Kindern angeht: Selbst eine Stadtfahrt mit einem handelsüblichen Kinderwagen ist mit dem Ampera kaum zu machen. Mit ihm Einkaufen zu fahren, wenn man ein Kind und einen Buggy dabei hat, wird schwierig. Die Elektro-Reichweite von rund 50 Kilometern macht ihn als Reise-Auto zudem dann doch wieder ziemlich normal: Selbst, um meine Mutter in Unterfranken zu besuchen, würde ich im Endeffekt praktisch vor allem den Range Extender nutzen - also einen Benziner fahren, kein Elektroauto. Damit bräuchte ich die gewaltige Batterie, die den Kofferraum so klein und das Auto so schwer macht, für einen wichtigen Teil meiner persönlichen Automobilnutzung gar nicht.

Zum Autor
  • Christian Stöcker, Jahrgang leitet bei SPIEGEL ONLINE das Ressort Netzwelt und befasst sich deshalb täglich mit der Benutzbarkeit technischer Geräte. Privat fährt der Familienvater einen Kombi.



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Seite 1
ditor 20.02.2012
1. Fehleinschätzung
Zitat von sysopDas Elektroauto ist angeblich die Zukunft. Gleichzeitig sind die meisten Kunden skeptisch: Umweltfreundlich sind die Stromer bestimmt - aber kann man damit auch im Alltag bestehen? Sieben SPIEGEL ONLINE-Redakteure haben den Praxis-Test gemacht. http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/0,1518,814045,00.html
Das ist eine absolute Fehleinschätzung. Mir ist noch niemand begegnet der vor Elektroautos Angst gehabt hätte. Bedenken dass der Tank zu klein ist gibt es auch bei anderen Mobilen - aber Angst? Was der Autor wohl meint ist Interesse- das zeigt man nämlich hierzulande auch dadurch dass man kritisch hinterfragt.
rennflosse 20.02.2012
2. Sehr repräsentativ
Jemanden ein Auto testen zu lassen, der bekennender ÖPNV-Fan ist und eine Autofahrt in der Stadt für schlicht unnötig hält, ist für einen E-Autotest wohl nicht geeignet. Es geht ja darum, das E-Auto Autofahrern schmackhaft zu machen und nicht Fußgängern. Deshalb sind auch keine neuen Erkenntnisse zu erwarten gewesen. Der Ampera ist auch kein Elektroauto, sondern ein Hybridfahrzeug. Wenns knapp wird mit dem Strom (und das wird es sehr bald), dann schaltet sich der Benzinmotor dazu. Das Problem des Ampera ist noch, dass zuviel elektrischer und elektronischer Firlefanz vorhanden ist, der dem Antrieb den Saft absaugt. Da bleibt nicht mehr viel für die Reichweite übrig. Fazit: Bin gespannt, ob die anderen Tester etwas Verwertbares beitragen.
Litajao 20.02.2012
3. Hat sein Fahrrad keine Rückfahrkamera
Zitat von rennflosseJemanden ein Auto testen zu lassen, der bekennender ÖPNV-Fan ist und eine Autofahrt in der Stadt für schlicht unnötig hält, ist für einen E-Autotest wohl nicht geeignet. Es geht ja darum, das E-Auto Autofahrern schmackhaft zu machen und nicht Fußgängern. Deshalb sind auch keine neuen Erkenntnisse zu erwarten gewesen. Der Ampera ist auch kein Elektroauto, sondern ein Hybridfahrzeug. Wenns knapp wird mit dem Strom (und das wird es sehr bald), dann schaltet sich der Benzinmotor dazu. Das Problem des Ampera ist noch, dass zuviel elektrischer und elektronischer Firlefanz vorhanden ist, der dem Antrieb den Saft absaugt. Da bleibt nicht mehr viel für die Reichweite übrig. Fazit: Bin gespannt, ob die anderen Tester etwas Verwertbares beitragen.
Aus welchem Jahrhundert hat denn dieser "Tester" diesen Test geschrieben. Und eine Rückfahrcamera mit einem Elektromobil in Verbindung zu bringen, ist wohl das Blödeste, was ich schon lange gehört habe. Wäre es nicht besser, diesen Tester für Fahrräder einzusetzen, aber bitte keine Elektrofahrräder, geht wohl über seinen Horizont!!
sweetums 20.02.2012
4. Unverständnis
Ich kann bis heute nicht verstehen, warum es noch keine E-Autos für den Massenmarkt gibt. Hätte unsere Regierung mal die Abwrackprämie für den Aufbau eines vernünftigen Tankstellennetzes ausgegeben. Jederzeit wäre ich bereit mir ein E-Auto vor die Tür zu stellen. Aber bitte keine Spielzeugautos wie von Renault. Ich habe zwei Kinder und die sollten schon reinpassen. Aber wenn wir es in Deutschland nicht schaffen, bald kommen die Chinesen und machen uns dann vor, wie es geht.
cor 20.02.2012
5. Wieso...
...testet ein ÖPNV-Verfechter bzw. Radfahrer ein Elektromobil? Sollte das nicht der Besitzer eines Autos mit Verbrennungsmotor machen? Ist das nicht die Zielkundschaft? ...wird der Ampera als Elektromobil bezeichnet, obwohl es ein Hybrid ist? ...soll es einen Zusammenhang zwischen einer Rückfahrkamera und einem Elektromobil geben? ...wieso sind die letzten 10 Jahre der Automobilentwicklung eigentlich so völlig spurlos an Herrn Titz vorbeigegangen? ...ist dieser Artikel nur so unheimlich sinnbefreit?
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