Elektroauto-Tagebuch Da staunen sogar Sportwagenfahrer

Opel Ampera: Leiser Fahrspaß und die Frage nach der Ökobilanz
Opel

Opel Ampera: Leiser Fahrspaß und die Frage nach der Ökobilanz

5. Teil: Test 4: Abschied vom alten Saab und Fahren ohne Bedienungsanleitung. Tester: Jochen Brenner, Redakteur im Ressort Panorama.


Die Erwartungen

Die vergangenen Jahre waren eine Zeit des Abschiednehmens. Schnelle, große Autos gefallen mir, Limousinen mit Wohnzimmer-Atmosphäre. Ihre Zeit ist vorbei, das kann ich nicht mehr leugnen. Wenn ich mit meinem alten Saab 900 über die Landstraße schaukle, decke ich die Verbrauchsanzeige mit einer alten Zigarettenschachtel ab. Ich kann das nicht länger mit ansehen. Wenn der Schwede alles gibt, kassiert er dafür den Spitzensteuersatz von 17 Litern, der Wagen ist schließlich Sozialdemokrat: Wer viel hat, soll auch viel geben. Mit dem Saab und mir wird es deshalb bald zu Ende gehen müssen. Und genau hier kommt das Elektroauto ins Spiel: Auf der einen Seite nimmt man mir mit der Spritschleuder ein lieb gewordenes Spielzeug weg. Dann erwarte ich, dass man mir auf der anderen Seite einen intelligenten Ersatz anbietet. Das Batteriemobil muss sich unauffällig in meinen Alltag integrieren, darf selbst nicht viel wollen und soll im Großen und Ganzen vor allem die Klappe halten. Ganz wie ein guter Butler. Es wird mir nicht leicht fallen, von meiner heißgeliebten Karre auf ein Mobilitätskonzept umzusteigen. Hab ich eine Wahl?

Das Begeistert

Ich lese keine Bedienungsanleitungen. Vor der ersten Fahrt mit dem Ampera wusste ich nur, wo der Wagen steht. Ich habe den Stecker gezogen, mich reingesetzt, auf "Power" gedrückt und mich gewundert, warum das Radio nicht angeht. Zum Ausprobieren habe ich dann den Ganghebel mal auf R gestellt und einen Satz nach hinten gemacht. Woher hätte ich wissen sollen, dass der Motor schon läuft? Ab diesem Moment mochte ich den Ampera. An, aus, fahren, halten: mehr bietet er nicht an. Warum auch.

Fotostrecke

6  Bilder
Tagebuch Opel Ampera: Sieben Redakteure auf Elektrofahrt
Das nervt

Die Optik des Wagens ist nicht so mein Fall.

Fahrstrecke

Der Range-Extender kam nicht zum Einsatz. Ziemlich guter Beweis dafür, dass 40 Kilometer gar nicht so wenig sind. Obwohl ich ziellos und mit der festen Absicht durch Hamburg geglitten bin, dem Ampera eine Niederlage zuzufügen, habe ich irgendwann aufgegeben.

Der coolste Moment:

Ich habe mir kurz mein Punktekonto vor dem inneren Auge aufgerufen (wieder ziemlich sauber) und dann das Gaspedal durchgedrückt, an jeder Ampel Hamburgs, naja, fast. Halali! An der Ampel scheint der Ampera zu dösen wie ein Tiger am Wasserloch. Täuscht Euch mal nicht, ihr Büffel!

Kaufbereitschaft

Wo muss ich unterschreiben? Ich hätte sehr gern einen solchen Wagen vor der Tür stehen. Fast alle Strecken, die ich im Alltag fahre, könnte der Ampera schon jetzt schaffen. Moment mal, habe grade "Opel Ampera" gegoogelt. 42.000 Euro Basispreis? Das geht noch besser.

Zur Person
  • Jochen Brenner ist seit 2011 Redakteur im Panorama-Ressort von SPIEGEL ONLINE.



insgesamt 355 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ditor 20.02.2012
1. Fehleinschätzung
Zitat von sysopDas Elektroauto ist angeblich die Zukunft. Gleichzeitig sind die meisten Kunden skeptisch: Umweltfreundlich sind die Stromer bestimmt - aber kann man damit auch im Alltag bestehen? Sieben SPIEGEL ONLINE-Redakteure haben den Praxis-Test gemacht. http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/0,1518,814045,00.html
Das ist eine absolute Fehleinschätzung. Mir ist noch niemand begegnet der vor Elektroautos Angst gehabt hätte. Bedenken dass der Tank zu klein ist gibt es auch bei anderen Mobilen - aber Angst? Was der Autor wohl meint ist Interesse- das zeigt man nämlich hierzulande auch dadurch dass man kritisch hinterfragt.
rennflosse 20.02.2012
2. Sehr repräsentativ
Jemanden ein Auto testen zu lassen, der bekennender ÖPNV-Fan ist und eine Autofahrt in der Stadt für schlicht unnötig hält, ist für einen E-Autotest wohl nicht geeignet. Es geht ja darum, das E-Auto Autofahrern schmackhaft zu machen und nicht Fußgängern. Deshalb sind auch keine neuen Erkenntnisse zu erwarten gewesen. Der Ampera ist auch kein Elektroauto, sondern ein Hybridfahrzeug. Wenns knapp wird mit dem Strom (und das wird es sehr bald), dann schaltet sich der Benzinmotor dazu. Das Problem des Ampera ist noch, dass zuviel elektrischer und elektronischer Firlefanz vorhanden ist, der dem Antrieb den Saft absaugt. Da bleibt nicht mehr viel für die Reichweite übrig. Fazit: Bin gespannt, ob die anderen Tester etwas Verwertbares beitragen.
Litajao 20.02.2012
3. Hat sein Fahrrad keine Rückfahrkamera
Zitat von rennflosseJemanden ein Auto testen zu lassen, der bekennender ÖPNV-Fan ist und eine Autofahrt in der Stadt für schlicht unnötig hält, ist für einen E-Autotest wohl nicht geeignet. Es geht ja darum, das E-Auto Autofahrern schmackhaft zu machen und nicht Fußgängern. Deshalb sind auch keine neuen Erkenntnisse zu erwarten gewesen. Der Ampera ist auch kein Elektroauto, sondern ein Hybridfahrzeug. Wenns knapp wird mit dem Strom (und das wird es sehr bald), dann schaltet sich der Benzinmotor dazu. Das Problem des Ampera ist noch, dass zuviel elektrischer und elektronischer Firlefanz vorhanden ist, der dem Antrieb den Saft absaugt. Da bleibt nicht mehr viel für die Reichweite übrig. Fazit: Bin gespannt, ob die anderen Tester etwas Verwertbares beitragen.
Aus welchem Jahrhundert hat denn dieser "Tester" diesen Test geschrieben. Und eine Rückfahrcamera mit einem Elektromobil in Verbindung zu bringen, ist wohl das Blödeste, was ich schon lange gehört habe. Wäre es nicht besser, diesen Tester für Fahrräder einzusetzen, aber bitte keine Elektrofahrräder, geht wohl über seinen Horizont!!
sweetums 20.02.2012
4. Unverständnis
Ich kann bis heute nicht verstehen, warum es noch keine E-Autos für den Massenmarkt gibt. Hätte unsere Regierung mal die Abwrackprämie für den Aufbau eines vernünftigen Tankstellennetzes ausgegeben. Jederzeit wäre ich bereit mir ein E-Auto vor die Tür zu stellen. Aber bitte keine Spielzeugautos wie von Renault. Ich habe zwei Kinder und die sollten schon reinpassen. Aber wenn wir es in Deutschland nicht schaffen, bald kommen die Chinesen und machen uns dann vor, wie es geht.
cor 20.02.2012
5. Wieso...
...testet ein ÖPNV-Verfechter bzw. Radfahrer ein Elektromobil? Sollte das nicht der Besitzer eines Autos mit Verbrennungsmotor machen? Ist das nicht die Zielkundschaft? ...wird der Ampera als Elektromobil bezeichnet, obwohl es ein Hybrid ist? ...soll es einen Zusammenhang zwischen einer Rückfahrkamera und einem Elektromobil geben? ...wieso sind die letzten 10 Jahre der Automobilentwicklung eigentlich so völlig spurlos an Herrn Titz vorbeigegangen? ...ist dieser Artikel nur so unheimlich sinnbefreit?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.