Elektroauto-Tagebuch Da staunen sogar Sportwagenfahrer

Opel Ampera: Leiser Fahrspaß und die Frage nach der Ökobilanz
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Opel Ampera: Leiser Fahrspaß und die Frage nach der Ökobilanz

7. Teil: Test 2: Geräusche wie bei Star Trek, Beschleunigung wie im Raumschiff. Testerin: Cinthia Briseño, Redakteurin im Wissenschaftsressort


Die Erwartungen

Elektromobilität halte ich für einen der wichtigsten Megatrends. Ich glaube, dass wir jene Generation sind, die den großen Wechsel mit vollziehen wird. Und ich denke, dass wir in einigen Jahrzehnten unseren Enkeln davon erzählen werden, wie es war, die ersten E-Autos zu fahren, während es für sie unvorstellbar sein wird, jemals mit Benzin gefahren zu sein. Über unsere Erfahrungen wird man später schmunzeln, so wie wir jetzt über die ersten dampfenden Benzinmotoren in Museen staunen. Deshalb will ich insbesondere wissen: Wie fühlt es sich an, mit einem strombetriebenen Auto zu fahren?

Das begeistert

Back to the Future! Ich bin mit Richi Miyakawa, unserem Video-Blogger aus Japan, in das Auto gestiegen. "Wow! It's like a spaceship", riefen wir augenblicklich unisono. Es klang genau wie die Autos aus dem Film "Zurück in die Zukunft". Die Macher wussten damals offenbar schon mehr. Dann stellte ich mich mal neben den Wagen auf die Straße, während Richi anfuhr. Obwohl er Vollgas gab, hört man kaum etwas! Und wenn man nicht hinsieht, glaubt man, ein Elektromäuschen würde an einem vorbeisurren. Da ich mit meinem Schlafzimmerfenster an einer befahrenen Straße wohne, wünsche ich mir ab sofort nichts anderes mehr als E-Autos in meiner Straße! Der Power-Knopf zum An-und Ausschalten hat natürlich auch was. Das Geräusch beim Ausschalten ist wie bei Star Trek - man wartet eigentlich nur noch auf die Roboterstimme.

Das nervt

Die Aufladerei kostet viele Nerven. Das Befüllen des Akkus hat rund acht Stunden gedauert. Damit konnte ich knapp 40 Kilometer im E-Modus fahren. Effizienz geht besser. Und natürlich ist die geringe Dichte an E-Tankstellen ein Riesenproblem. Am liebsten würde ich vor meiner Stadtwohnung parken, um aufzutanken. Doch Parkplatz direkt vor der Tür und Wohnung mitten in der Stadt schließen sich ja per se aus. Und dann stelle man sich all die Verlängerungstrommeln vor, die aus den Balkonen raushängen würden. Auch die Geräuschlosigkeit hat einen erheblichen Nachteil: Beim Rechtsabbiegen an einer Ampel hätte ich beinahe einen Fahrradfahrer, der von links kam, übersehen.

Fahrstrecke

Ich bin insgesamt ungefähr 80 Kilometer gefahren. Wenn der Range-Extender anspringt, spürt man zunächst nichts, sondern wundert sich eher über den Lärm. Dann ist's einfach vorbei mit der Geräuschlosigkeit. Das merkt man durchaus. Dennoch ist das Auto im Vergleich zu anderen bemerkenswert leise.

Der coolste Moment

Der leiseste Kick-Down meines Lebens! Und: Das Gefühl, niemanden um einen herum mit seinen Abgasen zu verpesten, ist echt großartig. Als häufiger Fahrradfahrer weiß man das zu schätzen. Und so erleichtert es das Autofahrergewissen ungemein. Außerdem dachte ich immer, E-Autos sind eher lahme Kisten, die nicht ziehen. Von wegen! Es drückt einen durchaus in die Sitze. Wie gesagt, das Gefühl, in einem Spaceship zu sitzen, trifft es schon ganz gut.

Kaufbereitschaft

Wenn ich überwiegend in der Stadt rum fahren müsste und eine bessere Parksituation mit Zugang zu einer Steckdose hätte: Ja! Dann allerdings nicht so ein Riesen-E-Schiff wie den Opel Ampera, sondern lieber einen kleinen E-Flitzer.

Zur Autorin
  • Manfred Witt
    Cinthia Briseño, die sonst für die Themen Wissenschaft und Gesundheit bei SPIEGEL ONLINE zuständig ist, hatte erst mit 32 Jahren ihr erstes Auto. Es ist ein 12 Jahre alter Polo, der immer noch mit der ersten Batterie fährt.



insgesamt 355 Beiträge
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Seite 1
ditor 20.02.2012
1. Fehleinschätzung
Zitat von sysopDas Elektroauto ist angeblich die Zukunft. Gleichzeitig sind die meisten Kunden skeptisch: Umweltfreundlich sind die Stromer bestimmt - aber kann man damit auch im Alltag bestehen? Sieben SPIEGEL ONLINE-Redakteure haben den Praxis-Test gemacht. http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/0,1518,814045,00.html
Das ist eine absolute Fehleinschätzung. Mir ist noch niemand begegnet der vor Elektroautos Angst gehabt hätte. Bedenken dass der Tank zu klein ist gibt es auch bei anderen Mobilen - aber Angst? Was der Autor wohl meint ist Interesse- das zeigt man nämlich hierzulande auch dadurch dass man kritisch hinterfragt.
rennflosse 20.02.2012
2. Sehr repräsentativ
Jemanden ein Auto testen zu lassen, der bekennender ÖPNV-Fan ist und eine Autofahrt in der Stadt für schlicht unnötig hält, ist für einen E-Autotest wohl nicht geeignet. Es geht ja darum, das E-Auto Autofahrern schmackhaft zu machen und nicht Fußgängern. Deshalb sind auch keine neuen Erkenntnisse zu erwarten gewesen. Der Ampera ist auch kein Elektroauto, sondern ein Hybridfahrzeug. Wenns knapp wird mit dem Strom (und das wird es sehr bald), dann schaltet sich der Benzinmotor dazu. Das Problem des Ampera ist noch, dass zuviel elektrischer und elektronischer Firlefanz vorhanden ist, der dem Antrieb den Saft absaugt. Da bleibt nicht mehr viel für die Reichweite übrig. Fazit: Bin gespannt, ob die anderen Tester etwas Verwertbares beitragen.
Litajao 20.02.2012
3. Hat sein Fahrrad keine Rückfahrkamera
Zitat von rennflosseJemanden ein Auto testen zu lassen, der bekennender ÖPNV-Fan ist und eine Autofahrt in der Stadt für schlicht unnötig hält, ist für einen E-Autotest wohl nicht geeignet. Es geht ja darum, das E-Auto Autofahrern schmackhaft zu machen und nicht Fußgängern. Deshalb sind auch keine neuen Erkenntnisse zu erwarten gewesen. Der Ampera ist auch kein Elektroauto, sondern ein Hybridfahrzeug. Wenns knapp wird mit dem Strom (und das wird es sehr bald), dann schaltet sich der Benzinmotor dazu. Das Problem des Ampera ist noch, dass zuviel elektrischer und elektronischer Firlefanz vorhanden ist, der dem Antrieb den Saft absaugt. Da bleibt nicht mehr viel für die Reichweite übrig. Fazit: Bin gespannt, ob die anderen Tester etwas Verwertbares beitragen.
Aus welchem Jahrhundert hat denn dieser "Tester" diesen Test geschrieben. Und eine Rückfahrcamera mit einem Elektromobil in Verbindung zu bringen, ist wohl das Blödeste, was ich schon lange gehört habe. Wäre es nicht besser, diesen Tester für Fahrräder einzusetzen, aber bitte keine Elektrofahrräder, geht wohl über seinen Horizont!!
sweetums 20.02.2012
4. Unverständnis
Ich kann bis heute nicht verstehen, warum es noch keine E-Autos für den Massenmarkt gibt. Hätte unsere Regierung mal die Abwrackprämie für den Aufbau eines vernünftigen Tankstellennetzes ausgegeben. Jederzeit wäre ich bereit mir ein E-Auto vor die Tür zu stellen. Aber bitte keine Spielzeugautos wie von Renault. Ich habe zwei Kinder und die sollten schon reinpassen. Aber wenn wir es in Deutschland nicht schaffen, bald kommen die Chinesen und machen uns dann vor, wie es geht.
cor 20.02.2012
5. Wieso...
...testet ein ÖPNV-Verfechter bzw. Radfahrer ein Elektromobil? Sollte das nicht der Besitzer eines Autos mit Verbrennungsmotor machen? Ist das nicht die Zielkundschaft? ...wird der Ampera als Elektromobil bezeichnet, obwohl es ein Hybrid ist? ...soll es einen Zusammenhang zwischen einer Rückfahrkamera und einem Elektromobil geben? ...wieso sind die letzten 10 Jahre der Automobilentwicklung eigentlich so völlig spurlos an Herrn Titz vorbeigegangen? ...ist dieser Artikel nur so unheimlich sinnbefreit?
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