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20. Februar 2012, 11:19 Uhr

Elektroauto-Tagebuch

Da staunen sogar Sportwagenfahrer

Wie fährt sich ein Elektroauto? Sieben SPIEGEL ONLINE-Redakteure haben den Praxistest gemacht. In Teil 7: Maria Marquart, Redakteurin im Ressort Wirtschaft, über unberechtigte Zweifel, Zeitprobleme und eine verpasste Chance.

Test 7: Erstaunte Sportwagenfahrer, Vertrauen und eine verpasste Chance. Tester: Maria Marquart, Redakteurin im Ressort Wirtschaft.

Die Erwartungen

Ich erwarte von einem Elektroauto, dass es leiser ist als ein herkömmlicher Wagen. Ich war außerdem sehr neugierig, ob der Ampera gut beschleunigt und wie lange der Strom im Stadtverkehr reicht. Außerdem bin ich kein Freund von Autos, in denen es überall blinkt und piept und ich mir vorkomme wie bei Raumschiff Enterprise. Gibt es eine übersichtliche Anzeige, oder verwirren mich nie dagewesene Hinweise und Symbole? Das waren die Fragen, die ich mir vor der Testfahrt stellte. Was das Raumangebot angeht, war ich beim Ampera ganz entspannt, der bietet ja genauso viel Platz wie eine normale Limousine. Grundsätzlich finde ich E-Autos eine coole Sache. Aber sie sind unflexibler, weil Laden länger dauert als Tanken. Und ich frage mich, ob es beim Strom aus der Steckdose nicht genauso ein Ressourcenproblem gibt wie bei Öl.

Das begeistert

Es macht total Spaß, mit dem Ampera durch die Stadt zu sausen. Das Anfahren an der Ampel ist viel sanfter als bei meinem Benziner. Ich fand es super, dass der Wagen so leise ist. Allerdings frage ich mich schon, ob der Betrieb im Elektromodus ökologisch sinnvoll ist, wenn man keinen Ökostrom bezieht. Überzeugt hat mich auch der Durchzug. Mit jedem Kilometer vertraut man dem Auto mehr, und ich stehe E-Autos jetzt viel offener gegenüber. Ich war positiv überrascht, wie übersichtlich die Anzeige letztendlich doch war. Ich hatte mich auf ein fahrendes Testlabor eingestellt.

Das nervt

Ich hatte am Anfang das Gefühl, dass die Kapazität des Akkus im Sekundentakt zurückgeht. Das hat mich nervös gemacht. Ich weiß zwar, dass zur Not noch der Range Extender anspringt, aber da ich den Wagen und die Technik noch nicht kenne, war ich skeptisch. Darum habe ich die Heizung kaum benutzt, was das Fahrvergnügen doch ein wenig reduziert hat. Aus meiner anfänglichen Skepsis heraus habe ich mir für eine Dienstfahrt nach Bremerhaven lieber doch einen herkömmlichen Mietwagen genommen. Ein Fehler, wie ich im Nachhinein sagen muss! Der Ampera und ich hätten das schon gepackt. Eher unerfreulich fand ich, wie viel Aufladeaufwand man hat, um vergleichsweise wenig weit zu kommen. Andererseits: Man bekommt ein Gefühl dafür, wie viel Energie so ein Auto schluckt. Bei Sprit kippt man das Zeug einfach rein und denkt weniger nach. Beim E-Auto war ich sensibler, was den Verbrauch angeht.

Der coolste Moment

Klasse war der Moment, als mich ein Sportwagenfahrer beim Anfahren an der Ampel erstaunt anschaute. Ich vermute, er wunderte sich, warum meine Flunder nicht aufheult. Und als mein Beifahrer nach drei Minuten Fahrt sagte: "Geiles Teil."

Kaufbereitschaft

Wenn ich den Ampera als Stadtauto nutzen würde und die entsprechende Infrastruktur (Steckdose) hätte, würde ich es machen. Der Preis müsste aber mit dem eines herkömmlichen Wagens vergleichbar sein (höchstens 10 bis 15 Prozent mehr würde ich zahlen). Und ich würde vorher noch mal schauen, ob die Öko-Bilanz am Ende stimmig ist.

Test 6: Flott, flüsterleise und ein Computerspiel. Tester: Hanz Sayami, Art Director.

Die Erwartungen

Ich wünsche mir ein ökonomisches und gleichzeitig praktisches Fahrzeug. Es soll die Umwelt schonen und gleichzeitig meine Mobilität wie ein normales Auto ermöglichen. Das erhoffe ich mir vom Opel Ampera.

Das begeistert

Schwer beeindruckt war ich von dem echt irren Antrieb. Nicht nur, dass der Ampera wirklich flott ist, sondern vor allem flüsterleise durch die Strassen zu gleiten scheint. Das ist schon ein echtes Erlebnis.

Das nervt

Die möglichen 40 bis 80 km im Elektromodus hat das Fahrzeug bei mir nicht geschafft. Mein Weg zur Arbeit betrug 50 Kilometer und ab Kilometer 37 sprang der Range Extender an. Das finde ich schwach, wobei ich zugeben muss, dass ich am ersten Tag recht schnell gefahren bin. Tags drauf war ich dezenter unterwegs, nur mit 110 km/h auf der Autobahn. Viel weiter bin ich trotzdem nicht gekommen - nach 39 km war Schluss. Da habe ich doch mehr erwartet. Außerdem finde ich eine Ladezeit von 9,5 Stunden bei einer normalen Steckdose ziemlich lang.

Wer sich die Bedienungsanleitung nicht genau durchliest, wird zudem unnötig Strom beim Laden verbrauchen. Denn die Kühlung bzw. Erwärmung des Akkus schluckt auch im Stand Strom. Nur wer den Ladevorgang so timed, dass der Akku rechtzeitig zur Abfahrt voll ist, verschwendet keine Energie. Die Armaturen und das Displaydesign treffen nicht meinen Geschmack, ich fühlte mich wie in einem Computerspiel. Überhaupt fand ich die gefühlten Millionen Schalter auf der Konsole unübersichtlich. Weil es sich bei dem Testwagen aber um ein Vorserienmodell handelte, hoffe ich, dass Opel hier noch etwas nacharbeitet.

Kaufbereitschaft

Ich würde mir schon ein Elektroauto kaufen. Aber eine Reichweite von 100 Kilometer pro Tag ohne zusätzlich Tankstopp an der Steckdose sollte drin sein. Und das Fahrzeug muss einen akzeptablen Preis haben. In beiden Disziplinen kann der Ampera noch nachlegen.

Test 5: Mysteriöses Gepiepse, Kombi-Sehnsucht und Unterschiede, die man nicht spürt. Tester: Christian Stöcker, Redakteur im Ressort Netzwelt.

Die Erwartung

Mir geht es in erster Linie um das Fahrgefühl. Um die Frage, wie sich ein Auto mit elektrischem Antrieb anhört, ob man ständig Angst hat, dass einem gleich der Strom ausgeht, wie so ein Auto ohne Schaltung zieht, wenn man aufs Gas tritt. Und mich interessiert, wie ein Elektroauto sich insgesamt so ausnimmt im Vergleich zu einem Benziner. Merkt man im Innenraum (vom Geräusch abgesehen) irgendeinen Unterschied? Wie viel passt in den Kofferraum? Wie schauen einen die Leute an der Ampel an? Und: Wie umständlich wird es, das Ding über die Steckdose zu betanken?

Das begeistert

Das Auto ist flüsterleise. Aber das merkt man in der Stadt eigentlich kaum, zumal es an dem Abend, an dem ich damit nach Hause gefahren bin, in Strömen geregnet hat. Insgesamt muss man sagen: Der Ampera fühlt sich an wie ein anderer Neuwagen auch. Und auch ein moderner Benziner macht im Stadtverkehr keinen Höllenlärm mehr. Im Endeffekt überrascht besonders, dass sich der Ampera nach 10 Minuten eigentlich fast genauso anfühlt wie ein neuer Benziner. Überzeugend ist auch der kräftige Tritt aufs Gaspedal: reibungs-, schaltungslose und ziemlich satte Beschleunigung. Und das Ganze ohne heulenden Motor.

Das nervt

Bei jedem Losfahren erzeugte das Auto während meiner Testfahrten ein lautes, lästiges, Ping-Geräusch, das wohl vor irgendetwas warnen sollte. Ich habe alle Türen kontrolliert, den Gurt, das Licht war eingeschaltet, die Feststellbremse gelöst. Das futuristische Armaturenbrett mit seinen geschätzten 17 Ansichts-Optionen hält zwar ein Feld namens "Fahrzeug-Mitteilungen" bereit, aber auch dort war keine Botschaft zu finden, die das Pingen erklärt hätte. Nach acht bis zehn Minuten hat es dann von alleine aufgehört. Die Benutzung von neuen elektronischen Geräten gehört zu meinem beruflichen Aufgabenbereich, aber ich konnte bis zur Abgabe des Autos nicht klären, woran es lag. Insgesamt fand ich die Instrumentenvielfalt wenig benutzerfreundlich und erstmal sehr verwirrend. Enttäuscht hat mich auch der erste Blick in den Kofferraum. Der ist, dank darunterliegender Batterie, so klein, dass der Ampera als Familienauto trotz ja von außen durchaus stattlicher Ausmaße ungeeignet ist.

Fahrstrecke

Ich bin jeweils einmal nach Hause und zur Arbeit gefahren, beide Male im Hamburger Stadtverkehr. Insgesamt waren es etwas unter 50 Kilometer, so wenig auf jeden Fall, dass der Range Extender nicht zum Einsatz gekommen ist. Meinen Arbeitsweg könnte ich also rein theoretisch rein elektrisch bewältigen - ich fahre nur meist nicht mit dem Auto zur Arbeit.

Kaufbereitschaft

Wenn der Kofferraum und die Reichweite größer wäre und das Ding insgesamt nicht so enorm schwer und wuchtig daher käme, könnte ich mir das vorstellen. Aber unter den gegebenen Umständen ist der Ampera für mich einfach nicht flexibel genug. Vor allem, was das Reisen mit Kindern angeht: Selbst eine Stadtfahrt mit einem handelsüblichen Kinderwagen ist mit dem Ampera kaum zu machen. Mit ihm Einkaufen zu fahren, wenn man ein Kind und einen Buggy dabei hat, wird schwierig. Die Elektro-Reichweite von rund 50 Kilometern macht ihn als Reise-Auto zudem dann doch wieder ziemlich normal: Selbst, um meine Mutter in Unterfranken zu besuchen, würde ich im Endeffekt praktisch vor allem den Range Extender nutzen - also einen Benziner fahren, kein Elektroauto. Damit bräuchte ich die gewaltige Batterie, die den Kofferraum so klein und das Auto so schwer macht, für einen wichtigen Teil meiner persönlichen Automobilnutzung gar nicht.

Test 4: Abschied vom alten Saab und Fahren ohne Bedienungsanleitung. Tester: Jochen Brenner, Redakteur im Ressort Panorama.

Die Erwartungen

Die vergangenen Jahre waren eine Zeit des Abschiednehmens. Schnelle, große Autos gefallen mir, Limousinen mit Wohnzimmer-Atmosphäre. Ihre Zeit ist vorbei, das kann ich nicht mehr leugnen. Wenn ich mit meinem alten Saab 900 über die Landstraße schaukle, decke ich die Verbrauchsanzeige mit einer alten Zigarettenschachtel ab. Ich kann das nicht länger mit ansehen. Wenn der Schwede alles gibt, kassiert er dafür den Spitzensteuersatz von 17 Litern, der Wagen ist schließlich Sozialdemokrat: Wer viel hat, soll auch viel geben. Mit dem Saab und mir wird es deshalb bald zu Ende gehen müssen. Und genau hier kommt das Elektroauto ins Spiel: Auf der einen Seite nimmt man mir mit der Spritschleuder ein lieb gewordenes Spielzeug weg. Dann erwarte ich, dass man mir auf der anderen Seite einen intelligenten Ersatz anbietet. Das Batteriemobil muss sich unauffällig in meinen Alltag integrieren, darf selbst nicht viel wollen und soll im Großen und Ganzen vor allem die Klappe halten. Ganz wie ein guter Butler. Es wird mir nicht leicht fallen, von meiner heißgeliebten Karre auf ein Mobilitätskonzept umzusteigen. Hab ich eine Wahl?

Das Begeistert

Ich lese keine Bedienungsanleitungen. Vor der ersten Fahrt mit dem Ampera wusste ich nur, wo der Wagen steht. Ich habe den Stecker gezogen, mich reingesetzt, auf "Power" gedrückt und mich gewundert, warum das Radio nicht angeht. Zum Ausprobieren habe ich dann den Ganghebel mal auf R gestellt und einen Satz nach hinten gemacht. Woher hätte ich wissen sollen, dass der Motor schon läuft? Ab diesem Moment mochte ich den Ampera. An, aus, fahren, halten: mehr bietet er nicht an. Warum auch.

Das nervt

Die Optik des Wagens ist nicht so mein Fall.

Fahrstrecke

Der Range-Extender kam nicht zum Einsatz. Ziemlich guter Beweis dafür, dass 40 Kilometer gar nicht so wenig sind. Obwohl ich ziellos und mit der festen Absicht durch Hamburg geglitten bin, dem Ampera eine Niederlage zuzufügen, habe ich irgendwann aufgegeben.

Der coolste Moment:

Ich habe mir kurz mein Punktekonto vor dem inneren Auge aufgerufen (wieder ziemlich sauber) und dann das Gaspedal durchgedrückt, an jeder Ampel Hamburgs, naja, fast. Halali! An der Ampel scheint der Ampera zu dösen wie ein Tiger am Wasserloch. Täuscht Euch mal nicht, ihr Büffel!

Kaufbereitschaft

Wo muss ich unterschreiben? Ich hätte sehr gern einen solchen Wagen vor der Tür stehen. Fast alle Strecken, die ich im Alltag fahre, könnte der Ampera schon jetzt schaffen. Moment mal, habe grade "Opel Ampera" gegoogelt. 42.000 Euro Basispreis? Das geht noch besser.

Test 3: Zu viele Knöpfe, Geräusche an der Ampel. Tester: Ole Reißmann, Redakteur im Ressort Netzwelt.

Die Erwartungen

Ich wohne mitten in der Stadt und vermisse ein Auto nur, wenn ich große Gegenstände bewegen muss - also in Ausnahmefällen. Aber wenn schon Auto, dann wenigstens ein Auto der Zukunft. Es soll durchdacht und einfach sein, mir das Leben leichter machen und die Umwelt nicht unnötig verärgern. Ich will kein großes, unpraktisches Ding, das die Luft verpestet.

Das begeistert

Die Beschleunigung ist toll.

Das nervt

Die Reichweite ist ein Witz, das dürfte ohnehin klar sein. Als Stadtbewohner habe ich außerdem keine Garage mit Steckdose. Ich könnte mir auch keine in der Gegend mieten. In der SPIEGEL-Tiefgarage in der Hafencity gibt es auch keine Steckdosen. Gegenüber ist eine Wasserstofftankstelle, aber das hilft auch nicht weiter. Ist aber alles nicht die Schuld von Opel. Was nun folgt, schon: Die Bedienung ist ein Alptraum: Als Fahrer blickt man auf zwei Displays - eines davon ist sogar ein Touchscreen - und ein Meer aus beleuchteten Buttons. Ich will Auto fahren, nicht einen Videorecorder programmieren! Das kriegen andere Hersteller deutlich eleganter hin, mit einem Zehntel der Knöpfe. Und dann erst die Größe des Ampera - das nervt in der Innenstadt, wo ich aus meiner niedrigen Sitzposition neidisch zu Fahrradfahrern und Smart-Piloten aufschaue. Außerdem fühlt sich das Auto sehr schwer an, was mir ständig signalisiert: Du bewegst hier tonnenweise Technik. Kein Wunder, dass der Akku so schnell kapituliert.

Fahrstrecke

Rund 60 Kilometer, durch die Stadt und raus aufs Land. Mitten auf der Autobahn war der Strom alle - und der herkömmliche Motor musste einspringen, bei einer Reisegeschwindigkeit von rund 150 km/h (die sich im Opel Ampera für mich anfühlen wie höchstens 100 km/h). Gemerkt habe ich den fliegenden Wechsel auf der Autobahn nicht. Weder ruckelt es, noch heult plötzlich eine Maschine auf, alles passiert ganz selbstverständlich und ohne ein Zucken. Nur zurück in der Stadt, nach dem Anhalten an einer Ampel, macht sich der Motor bemerkbar.

Der coolste Moment

Hatte ich erwähnt, dass die Beschleunigung toll ist?

Kaufbereitschaft

Ich möchte mir überhaupt kein Auto kaufen. Wenn es dann doch mal soweit sein sollte, dann gerne ein Elektroauto. Aber auf keinen Fall den Opel Ampera - zu groß, zu teuer, zu unpraktisch.

Test 2: Geräusche wie bei Star Trek, Beschleunigung wie im Raumschiff. Testerin: Cinthia Briseño, Redakteurin im Wissenschaftsressort

Die Erwartungen

Elektromobilität halte ich für einen der wichtigsten Megatrends. Ich glaube, dass wir jene Generation sind, die den großen Wechsel mit vollziehen wird. Und ich denke, dass wir in einigen Jahrzehnten unseren Enkeln davon erzählen werden, wie es war, die ersten E-Autos zu fahren, während es für sie unvorstellbar sein wird, jemals mit Benzin gefahren zu sein. Über unsere Erfahrungen wird man später schmunzeln, so wie wir jetzt über die ersten dampfenden Benzinmotoren in Museen staunen. Deshalb will ich insbesondere wissen: Wie fühlt es sich an, mit einem strombetriebenen Auto zu fahren?

Das begeistert

Back to the Future! Ich bin mit Richi Miyakawa, unserem Video-Blogger aus Japan, in das Auto gestiegen. "Wow! It's like a spaceship", riefen wir augenblicklich unisono. Es klang genau wie die Autos aus dem Film "Zurück in die Zukunft". Die Macher wussten damals offenbar schon mehr. Dann stellte ich mich mal neben den Wagen auf die Straße, während Richi anfuhr. Obwohl er Vollgas gab, hört man kaum etwas! Und wenn man nicht hinsieht, glaubt man, ein Elektromäuschen würde an einem vorbeisurren. Da ich mit meinem Schlafzimmerfenster an einer befahrenen Straße wohne, wünsche ich mir ab sofort nichts anderes mehr als E-Autos in meiner Straße! Der Power-Knopf zum An-und Ausschalten hat natürlich auch was. Das Geräusch beim Ausschalten ist wie bei Star Trek - man wartet eigentlich nur noch auf die Roboterstimme.

Das nervt

Die Aufladerei kostet viele Nerven. Das Befüllen des Akkus hat rund acht Stunden gedauert. Damit konnte ich knapp 40 Kilometer im E-Modus fahren. Effizienz geht besser. Und natürlich ist die geringe Dichte an E-Tankstellen ein Riesenproblem. Am liebsten würde ich vor meiner Stadtwohnung parken, um aufzutanken. Doch Parkplatz direkt vor der Tür und Wohnung mitten in der Stadt schließen sich ja per se aus. Und dann stelle man sich all die Verlängerungstrommeln vor, die aus den Balkonen raushängen würden. Auch die Geräuschlosigkeit hat einen erheblichen Nachteil: Beim Rechtsabbiegen an einer Ampel hätte ich beinahe einen Fahrradfahrer, der von links kam, übersehen.

Fahrstrecke

Ich bin insgesamt ungefähr 80 Kilometer gefahren. Wenn der Range-Extender anspringt, spürt man zunächst nichts, sondern wundert sich eher über den Lärm. Dann ist's einfach vorbei mit der Geräuschlosigkeit. Das merkt man durchaus. Dennoch ist das Auto im Vergleich zu anderen bemerkenswert leise.

Der coolste Moment

Der leiseste Kick-Down meines Lebens! Und: Das Gefühl, niemanden um einen herum mit seinen Abgasen zu verpesten, ist echt großartig. Als häufiger Fahrradfahrer weiß man das zu schätzen. Und so erleichtert es das Autofahrergewissen ungemein. Außerdem dachte ich immer, E-Autos sind eher lahme Kisten, die nicht ziehen. Von wegen! Es drückt einen durchaus in die Sitze. Wie gesagt, das Gefühl, in einem Spaceship zu sitzen, trifft es schon ganz gut.

Kaufbereitschaft

Wenn ich überwiegend in der Stadt rum fahren müsste und eine bessere Parksituation mit Zugang zu einer Steckdose hätte: Ja! Dann allerdings nicht so ein Riesen-E-Schiff wie den Opel Ampera, sondern lieber einen kleinen E-Flitzer.

Test 1: Zieht ein E-Auto wie ein Benziner? Tester: SPIEGEL-ONLINE-Mitarbeiter Christoph Titz

Die Erwartungen

Ich fahre wenig Auto und finde es in der Stadt auch eher unsinnig - ob mit Strom oder Benzin, Frittenfett oder Koks ist da egal. Die Energie für Stromautos muss ja irgendwo herkommen, und wenn die aus fossilen Brennstoffen gewonnen wird, wo ist dann der Klimavorteil?

Darum bin ich ein Freund von ÖPNV und Fahrrad. Die Testfahrt wollte ich aus Neugier machen: Zieht ein E-Auto auf der Autobahn wie ein Benziner oder Diesel? Wie gucken Passanten, wenn sie nichts von dem Auto hören und wie ist das Fahrgefühl ohne Motorvibration?

Das begeistert

Der Ampera hat im Strombetrieb echt Wumms, und das geräuschlose Anfahren sorgte bei mir und bei den Beifahrern für "Oh" und "Ah". Als der Saft dann alle war, ging der Wagen völlig unmerklich in den Generatorbetrieb über - ich hatte vorher etwas Sorge, dass man plötzlich auf der A7 kurz hinter Hamburg-Schnelsen auf der linke Spur fährt und langsamer wird.

Lustig fand ich die Rückfahrkamera. Etwas skurril, sich die Sicht nach hinten auf einem Bildschirm anzeigen zu lassen. Das ist allerdings auch dringend nötig, weil der Ampera ziemlich verbaut ist, und man nach hinten raus wenig sieht. Das ist auch einer der Kritikpunkte. Außerdem bin ich selten in nagelneuen Autos unterwegs, das Interieur ist , verglichen mit meinem alten Golf, schon recht luxuriös.

Das nervt

Die Stromreichweite von maximal 40 Kilometern ist bei acht bis zehn Stunden Ladezeit jämmerlich. Ich vermute, das liegt auch an der bombastischen Ausstattung und der Größe des Autos. Ein Kilometer ging bestimmt für die monströsen Außenspiegel drauf. Der Kofferraum erschien mir klein, liegt das an der dicken Batterie? Die Knöpfe für die Lüftung und Musik waren schwer zu finden. Außerdem regelt die Elektronik bei einer Höchstgeschwindigkeit von 161 Stundenkilometern ab. Warum?

Die etwas albern animierten Displays haben zwar meiner Freundin ein "Ui, wie bei Knight Rider" entlockt, aber reden kann man mit dem Ampera trotzdem nicht. In ruhigen Seitenstraßen haben wir bemerkt, dass die Leute nicht so genau gucken, weil man draußen bei langsamer Fahrt wohl wenig von dem E-Auto hört. Da waren ein paar Schrecksekunden für Fußgänger und Insassen dabei. Die lustige Extra-Hupe zum Passanten erschrecken habe ich leider erst am Ende der Testfahrt entdeckt.

Fahrstrecke

Wie weit ich gefahren bin, weiß ich nicht genau. Auf jeden Fall habe ich den Range Extender benötigt. Der ging nahezu lautlos an und das Auto war dann immer noch genauso gut zu fahren. Auch im Motorbetrieb war der Ampera als moderne Limousine im Innenraum flüsterleise.

Kaufbereitschaft

Da ich bisher keine Steckdose vor dem Haus habe und beim Abseilen eines Verlängerungskabels aus dem fünften Stock Angst vor Kabeldieben hätte, würde ich mir momentan kein Elektroauto kaufen. Wenn so ein Gefährt 120 Kilometer im Strombetrieb schaffen würde und der Wagen billiger wäre, dann vielleicht. Aber wie bereits ganz zu Anfang geschrieben: In der Stadt ist die beste Autofahrt meist einfach keine Autofahrt.

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