Elektroautos Marke Eigenbau Die Toyota-Hacker

Richtige Elektroautos für den Alltag gibt es kaum - ungeduldige Tüftler nehmen die Sache deshalb selbst in die Hand: Sie hacken die Software von Hybridfahrzeugen wie dem Toyota Prius und fahren nur mit Strom. Mit von der Partie sind unter anderem die Google-Gründer.

Felix Kramer und seine Frau haben eine Spritwette laufen: Wem gelingt es den niedrigsten Verbrauch zu erzielen? "Wir checken nach jeder Fahrt die Bordcomputer-Anzeige unseres Toyota Prius", sagt der Gründer der Elektroautoinitiative Calcars aus Palo Alto. Alles jenseits von drei Litern je hundert Kilometer gilt dem Ökofan im Stadtverkehr als inakzeptabel.

Kramer fährt seit 2004 einen modifizierten, an der Steckdose aufladbaren Prius. Der Kalifornier ist Teil einer wachsenden Bewegung, die nicht darauf warten will, dass die Autoindustrie strombetriebene Pkw baut. "Die Hersteller sagen uns seit Jahren, niemand wolle Elektroautos. Sie hatten Unrecht." Inzwischen sind einige hundert selbst gebastelter Elektrovehikel unterwegs, vor allem in den USA.

Ausgangspunkt sind Hybridautos wie der Toyota Prius. Sie besitzen neben dem normalen Verbrennungs- auch einen Elektromotor. Mit ihm können sie sehr kurze Strecken bei niedrigen Geschwindigkeiten ohne Benzin bewältigen. Findige Tüftler fanden schnell heraus, dass sich die Reichweite im Strommodus erheblich vergrößern lässt, indem man mehr Akkus in den Prius stopft und eine Steckdose zum Laden einbaut. Das Ergebnis ist ein sogenanntes Plug-In-Elektrovehikel (PHEV). Es schafft mehr als 40 Kilometer, bevor der Verbrennungsmotor anspringt. Kramer nennt es "Prius Plus".

"Wir tricksen den Toyota aus und gauckeln ihm vor, dass sein Akku zu voll ist", sagt Sjef Peeraer von der Firma Spinnovations, die Prius-Umbauten anbietet. Dann versuche der Prius, die Batterie zu entladen. Selbst wenn sich der Stromspeicher allmählich leert, fährt das Auto deshalb bevorzugt im Strombetrieb.

Wer an Computern herumbastelt, hackt auch Autos

Aus der Tüftlerei ist ein ernst zunehmendes Business geworden. Vor allem in Kalifornien gibt es in inzwischen mehrere Spezialwerkstätten, die Umrüstungen anbieten, etwa Luscious Garage aus San Francisco. "Das ist ein wachsender Markt", sagt Firmengründerin Carolyn Coquillette. Mehrere Firmen bieten inzwischen fertige Umbaukits für Hybridfahrzeuge an, die in der Werkstatt einfach einzubauen sind.

"Das ist wie Computerhacken, aber auf eine positive Art", sagt Kramer von Calcars. Neben den ökologisch bewegten Kunden spricht das PHEV-Konzept deshalb auch Technik- und Computerfreaks an, denn es folgt einem alten Geek-Motto: "Wenn Du es nicht auseinander nehmen kannst, dann ist es nicht wirklich Deins."

Entsprechend übt die Idee des Green Tuning auf Leute aus dem Silicon Valley einen besonderen Reiz aus: Mit von der Partie sind unter anderem Larry Page und Sergey Brin, die Gründer von Google. Die Suchmaschinenfirma unterhält ein Projekt namens RechargeIT und hat derzeit sechs aufgebohrte Toyota Prius und Ford Escape im Einsatz.

Es sollen über hundert PHEVs werden

Ziel ist es, eine Firmenflotte von über hundert PHEVs auf die Beine zu stellen und dadurch die Kohlendioxid-Emissionen des Konzerns zu reduzieren. Die erhobenen Verbrauchsdaten aller Fahrzeuge wertet Google kontinuierlich aus und veröffentlicht sie im Internet.

Für weniger betuchte Privatiers ist die Umrüstung zum PHEV eine erhebliche Investition. In den USA werden für eine Prius-Konversion umgerechnet knapp 10.000 Euro fällig, Spinnovations aus Amsterdam verlangt 16.000 Euro. Das sei zwar viel Geld, aber das Sparpotential sei erheblich, argumentiert Firmenchef Peeraer. Im Stadtverkehr komme man im Schnitt mit 1,5 Litern Benzin aus, auf der Autobahn mit 2,5 Litern. Eine Akkuladung koste weniger als einen Euro.

Auf den Fahrer kommt es an

Sein Auto zu hacken, kann sich also finanziell auf lange Sicht lohnen – aber nur, wenn man vernünftig fährt und wie Felix Kramer die Verbrauchsanzeige stets im Auge behält. Ansonsten bringt der Strommodus nämlich möglicherweise weniger als erhofft.

Einer Studie des Toronto Atmospheric Fund zufolge fahren viele PHEV-Besitzer ihre Autos zu forsch und beschleunigen zu rasch – weswegen der Akku schnell schlapp macht. In einem Feldversuch kamen die gehackten Hybridfahrzeuge auf einen Durchschnittsverbrauch von 5,8 Litern. Das schafft ein Dreier-BMW mit Diesel-Motor ganz ohne Steckdose - zumindest im Normzyklus.

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