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Ausstattung: Diese Autotechnik gibt es für Fahrräder

Foto: bumm.de / pd-f

E-Bike-Boom Wie Technik aus dem Auto das Fahrrad erobert

Airbag, ABS, Bremslicht: Die Fahrradindustrie übernimmt zunehmend Technik aus der Autobranche - nicht nur bei E-Bikes. Ein Überblick.

Technik, die früher dem Auto vorbehalten war, kommt verstärkt am Fahrrad zum Einsatz. Hersteller integrieren Komponenten wie Antiblockiersystem (ABS), Reifendrucksensoren oder Fernlicht in die Räder. Das führt dazu, dass in der Branche schon häufiger von Fahrzeugen und nicht mehr von Fahrrädern gesprochen wird.

Firmen, die sich zuvor hauptsächlich dem Auto widmeten, weiten ihr Geschäftsfeld aus. Bosch und Continental, die weltweit größten Automobilzulieferer, produzieren mittlerweile im großen Stil Motoren für den wachsenden Elektrofahrradmarkt. Auch Schaeffler experimentiert mit E-Bikes.

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Ausstattung: Diese Autotechnik gibt es für Fahrräder

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Viele der neuen Funktionen und Gimmicks haben mit dem E-Bike-Boom zu tun. Mehr Räder haben einen Akku an Bord. Der dient nicht nur dem Antrieb, sondern kann auch für andere Zwecke angezapft werden. Aber auch nicht elektrifizierte Fahrräder werden mit automatischen Schaltungen, taghellem Licht oder Abstandsradar zunehmend zum Hightechprodukt, wie der Überblick zeigt.

Beleuchtung: Autoscheinwerfer leuchten dank Xenon-, LED- oder Laserlicht viel heller als früher - ein ähnlicher Trend ist beim Fahrrad zu beobachten. Es gibt inzwischen sogar Fernlicht. Einmal aufgeblendet, erreicht beispielsweise der für S-Pedelecs zugelassene Topscheinwerfer des Herstellers Supernova bis zu 1600 Lumen Lichtstrom - mehr als mancher Halogenscheinwerfer am Auto.

Zudem hat der Scheinwerfer ein per Sensor gesteuertes Tagfahrlicht: "Der Wechsel zwischen Tagfahrlicht und Abblendlicht geschieht vollautomatisch, etwa wenn Sie in einen Tunnel fahren", sagt ein Supernova-Sprecher. Für seinen "kraftvollsten E-Bike-Scheinwerfer der Welt" verlangt Supernova satte 449 Euro. Im kommenden Frühjahr bringt auch Konkurrent Busch & Müller einen Scheinwerfer mit Fernlichtfunktion heraus. Aber auch die kräftigsten Akkuscheinwerfer fürs normale Fahrrad sind mittlerweile mit bis zu 1150 Lumen heller als alte Autofunzeln.

Beim Rücklicht tut sich ebenfalls etwas. Bisher reagierte die Bremslichtfunktion träge, wenn das Tempo abnimmt oder der Nabendynamo eine geringere Drehzahl meldet. Das erste "echte" Bremslicht von Supernova spricht dank eines elektrischen Signalgebers unvermittelt an. Angewiesen ist es ebenfalls auf die Energieversorgung aus dem S-Pedelec-Akku.

Automatikgetriebe: Beim Gangwechsel stehen die Zeichen auf Automatisierung. Das Hinterradnabengetriebe Enviolo (ehemals NuVinci) mit Planetengetriebe arbeitet stufenlos. Enviolo verspricht völlige Wartungsfreiheit. "Eine sinnvolle Entwicklung", findet Stephan Behrendt, Technikreferent beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC): "In Verbindung mit einem E-Bike-Mittelmotor können Sie eine Trittfrequenz festlegen - diese wird dann konstant gehalten."

Auch Rohloff hat eine teilautomatische Schaltung im Angebot. Dazu elektrifizierte der deutsche Hersteller seine 14-Gang-Nabe. Nun kann der Radler nicht nur rasch elektrisch die Übersetzung ändern, sondern auch einen Anfahrtsgang bestimmen. In diesen wechselt die Schaltung, sobald das Fahrrad zum Stehen kommt - zum Beispiel an der Ampel.

Auch Pinion, ein Produzent hochwertiger Tretlagerschaltungen, hat sich in der Pkw-Industrie etwas abgeguckt: Die Entwickler und Firmengründer lernten sich vor mehr als zehn Jahren bei Porsche kennen. Sie dachten gemeinsam darüber nach, wie sich ein Autogetriebe verkleinern lässt, um es fürs Fahrrad brauchbar zu machen. Herausgekommen ist ein Stirnradgetriebe, das linear schaltet - Gangüberschneidungen wie bei Kettenschaltungen mit Umwerfer gibt es nicht mehr.

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Fahrrad-ABS: Stotternd sicher zum Stehen

Foto: Hannes Futter / Bosch

Antiblockiersystem: ABS war erstmals im Jahr 1966 zu haben - im britischen Sportauto Jensen FF. Seit 2004 ist die Technologie in Autos Standard. Jetzt gibt es ABS auch fürs Fahrrad - von Bosch speziell für E-Bikes. "Beim Vorderrad-ABS überwachen Raddrehzahlsensoren die Geschwindigkeit beider Räder", erläutert Claus Fleischer, Geschäftsleiter in der E-Bike-Sparte. Das System soll Überschläge verhindern, wenn der Fahrer vorn zu heftig bremst. Sobald das Vorderrad zu blockieren droht, regelt das ABS den Bremsdruck schneller als jeder Fahrer.

Airbag: Wie einen Schal um den Hals tragen Radler den Fahrrad-Airbag der schwedischen Firma Hövding. Bei einem Aufprall entfaltet sich der Luftsack in Sekundenbruchteilen und umschließt schützend den Kopf des Radlers.

Abstandsradar: Garmin bietet einen Abstandsradar, der an die Sattelstütze passt. Das Gerät erkennt Autos im Rücken des Radlers bis zu einer Entfernung von 140 Metern. Je näher ein Fahrzeug kommt, desto heller strahlt die Radareinheit Licht nach hinten - sie fungiert auch als Rückleuchte. Gleichzeitig warnt das System den Radler optisch und akustisch.

Head-up-Display: Mit dem USEE hat die Firma Momes ein Head-up-Display vorgestellt. Das knapp 20 Gramm leichte Teil wird am Fahrradhelm montiert. Im Sichtfeld des Radlers zeigt es Navi-, Fahr- oder Fitnessdaten an. So müssen Radler den Blick seltener von der Fahrbahn abwenden. Kostenpunkt: 129 Euro - plus Helm, der dafür vorgerüstet sein muss.

Reifendruckkontrollsystem: Seit 2014 ist die Technik in neuen Autos Pflicht, nun erhält sie auch beim Fahrrad Einzug. So gibt es jetzt den "Tyrewiz". Das münzgroße Bauteil der US-Marke Quarq fungiert am Ventil als Luftdrucksensor. Von dort funkt es permanent Messdaten an Fahrradcomputer, Smartwatch oder Smartphone, so lange die Batterie hält - 300 Stunden sind versprochen. "Das ist etwas für Nerds", räumt Fahrradtechnikexperte David Koßmann ein. Greift der Radler dank des 259 Euro teuren Geräts häufiger zur Pumpe, verringert sich der Verschleiß am Reifen, die Kurvenfahrt wird sicherer, und das Fahren vergeudet weniger Energie, zählt ADFC-Experte Stephan Behrendt die Vorteile regelmäßigen Aufpumpens auf.

Fahrwerk: Auch eine Art adaptive Federung gibt es am Fahrrad schon. Spezialist Rock Shox hat vor einigen Jahren vorgelegt, nun bringt Konkurrent Fox aus Kalifornien für 2019 das System Live Valve für Mountainbikes heraus, ein elektronisches Fahrwerk der Extraklasse. Sensoren an Frontgabel und Heckschwinge nehmen Schläge wahr, die eine Software verarbeitet und das Fahrwerk in Sekundenbruchteilen einstellt. Ein elektromagnetisches Ventil kontrolliere den Ölfluss zwischen den Kammern im Dämpfer, erläutert Koßmann. So bereitet der Sensor an der Gabel den Hinterbau auf Unebenheiten vor. Selbst Sprünge erkennen die Sensoren und öffnen dann das Ventil für maximale Federwege bei der Landung. Der Technologietransfer von vier auf zwei Räder bedeutet beim Fahrwerk einen besonders gepfefferten Aufpreis. So wird allein das neue Fox-Fahrwerk 2000 Euro kosten.

Strom fürs Smartphone: Die Stromversorgung ist zu einem großen Wunsch der Radler geworden - auch wenn sie kein Pedelec fahren, und nur ein Smartphone laden wollen, das sie wie ein Navi im Auto als Wegweiser am Lenker nutzen. Fahrradhersteller Tout Terrain zum Beispiel montiert eine USB-Buchse oberhalb des Steuerrohres zentral am Lenker. Sie speist sich aus dem Nabendynamo. Auch Nachrüstlösungen sind für rund 60 Euro am Markt - zur Abwechslung fast mal ein Schnäppchen.

Zubehör als Kostenfalle?

Die neuen Systeme sind vielfach teuer - doch Radfahrer sind generell bereit, mehr Geld auf den Tisch zu legen. Der Durchschnittspreis für ein neues Fahrrad oder Pedelec ist von durchschnittlich 513 Euro im Jahr 2012 auf 698 Euro im vergangenen Jahr gestiegen, hat der Zweirad-Industrie-Verband ermittelt. In diesem Anstieg spiegelt sich neben teureren Komponenten auch der Boom der teureren E-Bikes wieder.

Was technikverliebte Radler jedoch bedenken müssen: Elektronische Komponenten seien anfällig und vertrügen Witterungseinflüsse weit weniger als nur Rahmen, Lenker und Reifen - was Reparaturen wahrscheinlicher mache, sagt ADFC-Mann Behrendt. "Je mehr dran ist, desto mehr kann auch etwas kaputt gehen." Noch eine Parallele zum Auto.

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