Unterm Hammer Miami weiß

Für manche Autos muss man einfach mehr bieten: SPIEGEL ONLINE zeigt Fahrzeuge mit berühmten Vorbesitzern und Raritäten, die versteigert werden. Diesmal: der Ferrari Testarossa aus "Miami Vice".

Barrett Jackson

    Die teuersten Autos der Welt sind oft keine Neuwagen, sondern gebrauchte: Oldtimer, die sich in Händen reicher Sammler befinden oder nach langer Vergessenheit plötzlich aus Scheunen wieder auftauchen. Für den gewöhnlichen Auto-Enthusiasten bleiben diese Fahrzeuge unerreichbar, nur mit ganz viel Glück bekommt man sie mal zu Gesicht. In seltenen Momenten ergibt sich aber die Gelegenheit, etwas über diese Traumwagen zu erfahren: Wenn sie versteigert werden.

    Bevor die Autos zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten wieder verschwinden, werden die alten Storys über sie neu erzählt oder sogar Geheimnisse gelüftet. Je schillernder die Geschichte eines Autos, desto höher sein Marktwert. Die glamourösesten Fahrzeuge stellen wir in einer Serie in loser Reihenfolge vor. Sie sind unsere Helden unterm Hammer - die Auction Heroes.

Unterm Hammer: Ein Ferrari Testarossa, Baujahr 1986.

Warum mitbieten? Weil es sich um das original Filmauto aus "Miami Vice" handelt, der TV-Serie, in der sich die Popkultur der Achtzigerjahre verdichtete: ein pastellfarbener Kosmos aus Fönfrisuren, Designer-Sakkos (wichtig: mit hochgerollten Ärmeln), Sonnenbrillen und Koks. Der Ferrari war der Dienstwagen von Don Johnson alias Detective James Crockett.

Während Don Johnson und Fönfrisuren aus der Mode sind, wurden andere Bestandteile von "Miami Vice" zu zeitlosen Klassikern - das gilt vor allem für den Testarossa.

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Unterm Hammer: "Miami Vice" und der Bieber-Ferrari

Wenn Crockett im Ferrari durch Floridas Unterwelt kurvt, trägt er weder Polizeidienstmarke noch seinen richtigen Namen; dann ist er Sonny Burnett und der Sportwagen Teil seiner Maskerade als Drogendealer. Schnelles Geld, schnelles Auto: Der Testarossa hat einen Zwölfzylindermotor und 390 PS.

Crockett, der eigentlich um keinen Preis auffallen darf und als Undercover-Cop in ständiger Angst lebt, dass ihn die echten Rauschgifthändler an die Alligatoren verfüttern, muss zur perfekten Inszenierung ausgerechnet einen der auffälligsten Wagen der Stadt fahren - die Klappscheinwerfer und die charakteristischen Lufteinlässe an der Seite machen den Testarossa zum Blickfang. Und dann auch noch diese Lackierung: weiß! Die Farbe der Unschuld oder des Kokains? Der Wagen scheint wie eine Metapher für die zwei Persönlichkeiten des Polizisten.

In Wirklichkeit hatte die ungewöhnliche Farbgebung einen simplen Hintergrund: Demnach ließ Produzent Michael Mann den ursprünglich schwarzen Wagen umlackieren, damit er bei Nachtaufnahmen besser zu erkennen war.

In den USA lief "Miami Vice" zwischen 1984 und 1989, in Deutschland wurde die Serie ab Ende 1986 im Ersten Programm gezeigt. Platzhirsch unter den Ermittlern im deutschen Fernsehen damals: Oberinspektor Stephan Derrick ("Harry, wir brauchen den Wagen, sofort."). So mancher Golf-I-Fahrer zwischen Schwarzwald und Nordsee träumte fortan davon, im Versace-Sakko im Ferrari zu sitzen und mit der Ray-Ban auf der Nase den South Beach entlang zu flitzen.

Auch Crockett und sein Partner Ricardo "Rico" Tubbs (gespielt von Philip Michael Thomas) hatten mal klein angefangen: In den ersten beiden Staffeln von "Miami Vice" fuhren sie zwar auch schon Ferrari, einen 365 GTS/4 Daytona Spider - allerdings handelte es ich dabei um ein Replica-Auto. Der Wagen basierte auf einer Corvette C3 und kostete nur einen Bruchteil des echten Exemplars.

In der Serie wurde die Undercover-Corvette nicht weiter thematisiert, aber vor dem Fernseher kamen wohl einige Marketingleute von Ferrari ins Grübeln. Und wer weiß, vielleicht sind sich Gianni Versace und der alte Enzo Ferrari damals über den Weg gelaufen und der Modedesigner sagte zu dem Autogenie so was in der Art von "also wenn Crockett vorgäbe, meine Anzüge zu tragen, in Wirklichkeit aber in Nachahmungen von C&A stecken würde…" - na, jedenfalls spendete der Sportwagenhersteller zwei schwarze Ferrari Testarossa an die Macher von "Miami Vice" und der falsche Daytona flog in der ersten Folge der dritten Staffel in die Luft.

Der Testarossa, der jetzt unter den Hammer kommt, ist laut Angaben des Auktionshauses Barrett-Jackson in bestem Zustand. Demnach hat der Wagen nur 16.5000 Meilen (rund 27.000 Kilometer) auf dem Tacho und der Motor wurde für 8000 Dollar generalüberholt. Die Originalpapiere, die sein Mitwirken bei "Miami Vice" beweisen, liegen ebenfalls vor.

Ein cooles Auto mit glorreicher Vergangenheit - nur scheint es seinen Besitzern zuletzt nicht viel Glück bereitet zu haben: Schon im Dezember 2015 war es auf einer Versteigerung angeboten worden, einige Monate zuvor stand es sogar auf Ebay zum Verkauf.

Zuschlag! Der "Miami Vice"-Ferrari kommt in diesen Tagen in Scottsdale unter den Hammer. Auf Ebay wurden vor zwei Jahren 1,75 Millionen Dollar für ihn aufgerufen.

cst

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insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
tailspin 13.01.2017
1. Gabs nur einen Ferrari am Set?
Ohne die Looks von Don Johnson und der 10 mm Bren Ten unter dem weissen Jackett ist das Auto nur halb so viel wert.
kalim.karemi 13.01.2017
2. Kaum zu glauben
Dass das bald 30 Jahre her ist. Kaum zu glauben ist aber auch, dass jemand für 8000$ einen Ferrarimotor generalüberholt. Vielmehr als Kerzen, Öl und Zahnriemen werden das bei dem Betrag wohl nicht gewesen sein.
mazzmazz 13.01.2017
3. Coole Zeit
Keine allzu radikalen Umweltschützer, keine übertriebene Political Correctness. Der TR ist eben ein Kind der 80er und technisch schon auch fein. Natürlich ist ein aktueller BMW 335d ähnlich fix, aber er hört sich eben nicht so an wie ein Ferrari V12. Zur obigen Frage: in der Serie kamen zunächst 3 Replikas des ferrari 365 GTC4 zum Einsatz. Gebaut von McBurnie in Kalifornien auf der Basis der Chevrolet Corvette C3. Enzo Ferrari intervenierte und verklagte McBurnie sogar. Der Produktionsfirma von MV stellte er 2 (echte) schwarze Testarossas zur Verfügung, die wegen der Nachtaufnahmen in weiß umlackiert wurden. Daraufhin wurde eine der drei Replikas gesprengt (auch in der 2. Staffel zu sehen), danach wurden die 2 TRs eingesetzt für Sonny Crockett. Die beiden übrigen Replikas wurden verkauft. Einer war vor 2 Jahren als Restaurationsobjekt bei eBay USA zu erwerben. Es gab von Mc Burnie und von ein paar anderen Firmen weitere Replikas des 365 Daytona Spider. Es taucht immer mal wieder einer auf dem markt auf, sogar in Deutschland und zugelassen. Das Chassis und der V8 Motor sind von der Corvette, die Karosserie aus Kunststoff, in einer Form laminiert (wie damals häufig üblich für alle möglichen Replikas). Es gibt unterschiedlich gut gemachte Autos, die Qualität von Karosserie und Innenausstattung variiert stark. Ein paar wirklich schöne Autos mit originalgetreuen Sitzen und offener Schaltkulisse gibt es genauso wie Autos mit Corvette-Interieur und ohne Scheibenwischer. Aus GB gab es tolle Replikas mit Jaguar V12 Technik. Die TRs überlebten m.W. beide die Dreharbeiten und wurden dann auch verkauft. Einer ist nun zu ersteigern. Der Service am Motor für 8.000 USD ist realistisch. Die Maschine wurde sicher nicht komplett überholt, sondern nur ausgebaut und eben geserviced, was bei den V12 Ferrari bis in die 90er hinein sehr aufwendig war. Den Motor zu zerlegen ist bei diesen Autos nur selten nötig. Ein hochwertig gemachter, großer Saugmotor hält auch in solchen Autos lange, wenn die Serviceintervalle eingehalten werden.
malanders-oder 13.01.2017
4. Zu 1 und zu 2
Zu 1: es gab 2 Fahrzeuge am Set. Beide waren eigentlich schwarz, wurden umlackiert. Zu 2: der Motor wird komplett überholt- mit neuen Kolben, Laufbuchsen, Wellen und, und, und. Das ist ja das Problem bei den alten Dingern. Nen Ferrari aus den 80gern kaufen können viele-unterhalten nur sehr wenige ;)
wallaceby 14.01.2017
5. Muß ja wirklich in perfektem Zustand sein...
Einen Ferrari-Testarossa-Zwölfzylinder-Motor für umgerechnet 7000 Euro "generalüberholen" lassen...? Dann muß der Wagen jetzt ja wirklich wie "neu" sein...husthust...! Ich würde mal sagen, daß man für eine solche Pretiose bei einer gewissenhaften und unter Einhaltung aller Ferrari-Normen durchgeführten Generalüberholung durchaus mit ca. 20.000 - 30.000 Euro dabei ist. Für schlappe 8.000 Dollar dürften da eher nur Zündkerzen gewechselt worden sein. Aber immer wieder schön, wenn Spiegel-Leute Autothemen aufgreifen, und dabei mit einem "unfaßbaren Fachwissen" glänzen...
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