Fotostrecke

Günstige Oldtimer - Fiat Panda: Geile Kiste

Foto: Fiat

Günstige Oldtimer - Fiat Panda Gib dir die Kante

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem - es gibt sie nämlich, die Schnäppchenschlitten. Diesmal: der Fiat Panda.
Günstige Oldtimer

Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

Klar, für Großvaters abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat - und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.

Fiat Panda

Fiat Panda

Fiat Panda

Foto: Fiat



Allgemeines zum Modell:
Mit dem Panda bewies Fiat, dass ein Kleinstwagen als geniales Konzept gefeiert werden kann. 1980 brachte der italienische Autokonzern den kantigen Zwerg (Typ 141) auf den Markt. Die "tolle Kiste" (offizieller Werbeslogan) war für ihre Verhältnisse erstaunlich geräumig: Extras wurden kaum verbaut, in der Einstiegsversion war der Panda praktisch nur ein Fahrzeuggerippe mit wenig Komfort. Giorgio Giugiaro, der Designer des Panda, nannte ihn ein "Haushaltsgerät auf vier Rädern".

Das ist eher noch als Kompliment zu verstehen: Denn der Ur-Panda hatte weder Radio noch Tageskilometerzähler. Servolenkung oder Bremskraftverstärker wurden erst bei späteren Modellen eingeführt, einen Drehzahlmesser oder eine Klimaanlage verwehrte Fiat den Panda-Fahrern dagegen hartnäckig.

Bis 1995 wurde der Fiat Panda in Deutschland angeboten, bis 2001 in Italien - dort auch mit Zweizylindermotor und als Elektroauto ("Elettra"). Unterscheiden kann man grob in die Baureihen MK1 (34 und 45 PS) und MK2 (34 bis 55 PS). Erstere waren reine Kettenmotoren mit fürchterlichem Klang: Das Ventilspiel musste bei diesen Modellen eigentlich alle 1000 Kilometer eingestellt werden, was aber kaum einen Panda-Fahrer interessierte. In den MK2-Modellen waren dann die sogenannten FIRE-Motoren mit Zahnriemen verbaut (Fully Integrated Robotized Engine, die Aggregate wurden vollautomatisiert von Fertigungsrobotern zusammengesetzt), auf deren Vorzüge und Nachteile wir noch zu sprechen kommen.

Den Innenraum im Panda dominierte nacktes Metall, die Bedienelemente waren aus billigem Kunststoff auf das Nötigste reduziert. Einzige Ausnahme: Der verschiebbare Aschenbecher - ein bei Rauchern und Kleingeldsammlern gleichermaßen beliebtes Gimmick. Spätere Modelle waren auch mit Extras wie elektrischen Fensterhebern oder Zentralverriegelung erhältlich.

Fotostrecke

Günstige Oldtimer - Fiat Panda: Geile Kiste

Foto: Fiat

2003 brachte Fiat den Nuova Panda auf den Markt, seit 2011 gibt es ein dritte Baureihe des Modells. Die konsequente Reduzierung, die den frühen Pandas ihren Charme verlieh, ist bei den Nachfolgern allerings verloren gegangen, aus der Masse an Kleinwagen stechen sie nicht hervor.

Warum ausgerechnet der? Der Verzicht auf jeglichen Schnickschnack hat beim alten Panda einen großen Vorteil: Es ist genug Platz für die Insassen da. Fünf Leute passen in den Kleinwagen, sogar in ein Mini-Wohnmobil lässt er sich mit ein paar Handgriffen verwandeln: Vordersitze und Rückbank können so umgeklappt werden, dass sie eine Liegefläche bilden.

Frei von allem unnötigem Ballast wiegt der Panda gerade mal 700 Kilo; mit diesem geringen Gewicht lässt sich auch locker ohne Servolenkung einparken, wenig und agil ist der Wagen dadurch auch. Das macht ihn in den verstopften Innenstädten viel zeitgemäßer als jeder moderne SUV. Überhaupt ist es die Einfachheit der Technik, die Fans beim Panda begeistert. Frühe Baujahre haben beispielsweise nur acht Sicherungen - Elektronikprobleme, wie sie bei vielen anderen Old- und Youngtimern häufig vorkommen, gibt es beim Panda daher kaum. "Jeder Dorfschmied kann dieses Auto reparieren", sagt Max Wündisch aus dem Voigtland, der einen Fiat Panda in seltener Cabrio-Version fährt.

Günstiger als mit einem Panda lässt es sich kaum ins Oldtimer-Hobby einsteigen. Außer vielleicht mit dem Seat Marbella: Der Kleinwagen aus Spanien basierte auf dem Panda, war aber noch spartanischer eingerichtet. Heckscheibenwischer und einen rechten Außenspiegel waren hier nur in einer höherpreisigen GLX-Version erhältlich.

Fahranfängern möchte Wündisch den Panda trotzdem nicht ans Herz legen: "Die Außenspiegel sind klein wie Schießscharten und ein Überholvorgang kann schon mal eine Woche dauern."

Verfügbarkeit: Das Angebot ist enorm, mit mehr als vier Millionen gebauten Exemplaren war der Panda eines der meistverkauften Autos überhaupt. Einsteiger greifen am besten zu einem Exemplar mit FIRE-Motor. Die ab 1986 verbauten Aggregate mit Vergaser haben weniger bewegliche Teile als die älteren OHV-Motoren und verfügen über hochwertigere Platinen.

Nachteil der FIRE-Pandas: Weil kein Katalysator an Bord ist, sind sie im Unterhalt teurer. Außerdem haben sie nur ein Vierganggetriebe - besser ausgestattete Pandas wie der 750L haben serienmäßig ein Fünfganggetriebe. Selten und begehrt sind die Modelle mit zuschaltbarem Allradantrieb (Panda 4x4), der von Steyr Puch in Österreich entwickelt wurde. Solche Allrad-Pandas nahmen sogar an der Rallye Paris-Dakar teil.

Ersatzteilversorgung: Um den Fiat Panda einfach nur am Laufen zu halten, ist die Teilesituation sehr gut, technische Komponenten wie Vergaser, Wasserpumpe oder Bremsscheiben sind noch massenweise erhältlich. Allerdings nicht bei Fiat: Für den Konzern existiert der Panda schlicht nicht mehr, auch wenn er einst ein Bestseller war. Dafür kann man beim Fiat Panda noch klassisch beim Schrotthändler nachfragen, wenn man ein gebrauchtes Rücklicht oder einen Frontscheinwerfer sucht. Nur rostfreie Türen sind schwer zu finden.

Ersatzteilpreise (beispielhaft):

Satz Bremsscheiben vorne mit Belägen: ca. 30 Euro

Neuer Zahnriemen mit Spannrolle: ca. 75 Euro

Wasserpumpe: ca. 25 Euro

Lichtmaschine: gebraucht ca. 30 Euro

Kotflügel vorn: ca. 25 Euro

Schwachstellen: Der Fiat Panda ist von vorne bis hinten rostanfällig. Man sollte deshalb vor allem darauf achten, dass die Türen nicht von der braunen Pest befallen sind, vor allem die Unterkanten sind kritisch. Im Kofferraum sowie im Fußraum sollte man unter den Gummimatten nach feuchten Stellen und durchgefaulten Bodenblechen Ausschau halten. Anfällig sind auch die Domaufnahmen und die Federn, die gerne mal brechen. Dafür gelten insbesondere die FIRE-Motoren bei guter Pflege als unkaputtbar.

Preis: Vor ein paar Jahren konnte man einen Fiat Panda mit gültiger HU-Plakette mit etwas Glück noch für 100 bis 200 Euro ergattern. Diese Zeiten sind leider vorbei, doch ab 1000 Euro sind noch fahrbereite Exemplare zu finden, auch mit gültigem TÜV-Siegel.

Darunter sind allerdings manche Wracks, in die man ein mitunter ein Vielfaches stecken muss, um sie langfristig zu erhalten. Auch Exemplare, die für 2000 oder 3000 Euro im Netz stehen, sind ihr Geld mitunter nicht wert. Wichtiger als der Preis sind also Zustand und belegbare Historie des Fahrzeugs. Auch beim Fiat Panda gilt die alte Schrauber-Weisheit: Das bessere Auto ist in der Regel der bessere Kauf.

Anlaufstellen im Internet:

Fiat Panda Forum Deutschland 

Fiat Panda Club und Forum 

Weitere, fast schon frech günstige Fuhren finden Sie in den vorangegangenen Folgen der Serie:

Fotostrecke

Günstige Oldtimer: Bock auf Blech? Bitte hier lang

Foto: Torge Schäfer
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.