Günstiger Oldtimer Ford Granada Der letzte Kölner Straßenkreuzer

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem - es gibt sie nämlich, die Schnäppchenschlitten. Diesmal: der Ford Granada, eine Limousine wie aus dem Bilderbuch.

Hans-Uwe Hochstein / AHS-Autodienst, Castrop-Rauxel

Von Haiko Prengel


Günstige Oldtimer
    Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

    Klar, für Opas abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat - und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.

Allgemeines zum Modell

Der Ford Granada stammt aus der Ära der komfortablen Limousinen der Siebziger- und Achtzigerjahre und wurde in drei Modellgenerationen (Mk1 bis Mk3) von 1972 bis 1985 gebaut. Damals gab es noch keine SUV. Wer viel Platz wollte und es sich leisten konnte, fuhr einen stattlichen Viertürer mit Stufenheck.

Vom Granada gab es außer der Limousine die Kombiversion "Turnier" sowie ein Coupé - bis 1974 als schnittiger Fastback, dann wurde der Schwung am Heck begradigt.

1972 löste der Granada den Taunus P7 ab und war zunächst nur mit Sechszylinder-Motoren erhältlich. Dazu bot Ford mit dem Consul eine einfacher ausgestattete Variante an, die auch mit Vierzylindern erhältlich war. Der Consul hatte weniger Chromschmuck als der Granada und lief ohne Kopfstützen vom Band. Wovon beide reichlich hatten, war Platz: "Auf der Rückbank können bequem drei Erwachsene sitzen", sagt Hans-Uwe Hochstein von der Consul & Granada IG.

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Ford Granada: Gute Reise

Möglich machten dies unter anderem V-Motoren sowohl bei den Vier- als auch bei den Sechszylindern. Die V6 (2,0 bis 2,8 Liter) sparen wegen ihrer Bauform Platz und laufen sehr ruhig. Der 1,7-Liter-V4 hat dagegen den Ruf, ein Schüttelmotor zu sein. Mit seinen 75 PS ist er zudem schmalbrüstig. "Ab Zweiliter-V6 und 90 PS fängt der Granada an", sagt Experte Hochstein. Topmodell war der 2,8-Liter-V6 mit 160 (später 150 PS). Auch Behörden wie Feuerwehr oder Autobahnpolizei orderten den Kölner, außerdem war er vor 40 Jahren ein beliebtes Vertreterauto.

Aus dem Consul wurde bereits 1975 der Granada L gemacht. Wer es gehobener wollte, bestellte den Granada GL und bekam bessere Sitze sowie eine Armlehne vorne und hinten. Die Luxusvariante Ghia bot Holzapplikationen im Innenraum, edle Velour- oder Ledersitze und TRX-Bereifung. Die Pneus rollten auch mit Plattfuß weiter. Extras wie elektrische Fensterheber, Klimaanlage oder Vinyldach waren gegen Aufpreis erhältlich.

Selten geworden sind die Sondermodelle: Beim Mk1 etwa der "Executive" mit schwarzer Innenausstattung und hellblauen Sitzen. Beim Mk2 bot das Sondermodell "Saphir" eine Zweifarbenlackierung mit Dunkelblau und Silbermetallic unterhalb der Türsicken. Den "Chasseur" in Dunkelbraunmetallic mit beigen Flanken gab es nur beim Turnier. Platz nahm man auf braunen Ledersitzen mit kariertem Stoff, zur Sonderausstattung gehörten zudem drei Jagdtaschen.

Warum ausgerechnet der?

Auch Deutschland hatte seine Straßenkreuzer - Ford Granada und Consul gelten als die letzten aus Köln. Die geräumige Limousine ist das perfekte Reiseauto. "Da steig ich nach ein paar Stunden Autobahnfahrt völlig erholt aus dem Wagen", sagt Granada-Liebhaber Hochstein. Das sei bei seinem Alltagsauto, einem modernen Audi A6, anders. "Die Velourssitze im Granada sind eine andere Liga. Das Leder beim Audi ist dagegen bretthart."

Seidenweich laufen die V6-Motoren beim Granada, sie bewegen den Hecktriebler standesgemäß. Der 2,3 Liter (108/114 PS) hat den Ruf, der haltbarste Motor zu sein. Mit einem Turnier spulte Hochstein über 1,1 Millionen Kilometer ab. Auch die anderen Aggregate gelten als robust. Kein Wunder, wenn man etwa aus einem Zweiliter-V6 bloß 90 PS holt. So viel Power kitzelt ein VW Up heute aus der Hälfte an Hubraum - mit drei Zylindern und Turbo. Dafür rostet der Granada schneller.

Verfügbarkeit

Von Fords einstigem Flaggschiff sind nicht mehr allzu viele Exemplare übrig geblieben. Der Granada IG sind deutschlandweit etwa 2500 Fahrzeuge bekannt. Dazu kommen ein paar Wracks, die in Scheunen schlummern. Auf den Gebrauchtwagenportalen finden sich erstaunlich viele Sechszylinder-Modelle, vor allem Limousinen. Kombis und Coupés sind rar.


Weitere, fast schon frech günstige Fuhren finden Sie in den vorangegangenen Folgen der Serie:

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Günstige Oldtimer: Bock auf Blech? Bitte hier lang

Ersatzteilversorgung

Gängige Verschleißteile sind problemlos erhältlich. Schwierig wird es bei Karosserieteilen oder Schaltern und anderen Komponenten im Innenraum. Ford entschuldigt sich mit dem Großbrand im Kölner Ersatzteillager 1977. Fans sind auf Hilfe von Klubs und Foren angewiesen. Dort erfährt man auch, wenn ein anderer Granada geschlachtet wird.

Ersatzteilpreise (beispielhaft)

  • Kotflügel vorne, gebraucht: ab 300 Euro
  • Satz Bremsscheiben vorne: ca. 80 Euro
  • Wasserpumpe: ca. 80 Euro
  • Lichtmaschine: ca. 150 Euro

Schwachstellen

Viele Ford Granada starben den Rost-Tod. Die braune Pest befällt Kotflügel-Auflagekanten, A-Säulen, Schweller, Endspitzen und Heckabschlussblech. Beim Kombi bedeutete Korrosion am Differenzial-Träger früher das Todesurteil. Heute wird instandgesetzt, was acht bis zehn Stunden Arbeit heißt. Ein lautes Klackern beim Anfahren deutet auf malade Differenzial-Hülsen hin. Sparsam, aber anfällig ist das Fünfgang-Schaltgetriebe. Bei Autos, die länger standen, verrosten die Tanks von innen. Elektrik-Probleme treten dagegen kaum auf.

Preis

Für unter 2000 Euro werden auf dem Gebrauchtwagenmarkt fahrbereite Ford Granada angeboten. Das sind meist Baustellen. Für 3000 bis 4000 Euro finden sich Exemplare mit gültiger HU-Plakette. Ab 6000 Euro bekommt man gepflegte Mk2 und Mk3. Gute Mk1 sind selten unter 10.000 Euro zu finden.

Anlaufstellen im Internet



insgesamt 33 Beiträge
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kangootom 28.08.2019
1. Platz ohne Ende
Meine Eltern hatten einen Granada 2.0 V6. Ein Wunderbares Auto. Der Motor schnurrte schön leise und auf der Rückbank hatten 5 Kinder genügend Platz, auch für Fahrten von mehreren Stunden. Klar, damals gab es noch keine Kindersitze oder Gurte auf den Rückbänken. Aber der Rost war ein riesiges Problem.
schlauhecht 28.08.2019
2. Fehler bei Motorvarianten
Danke für den Artikel. Es wurde allerdings die Top Motorvariante vergessen, nach der sich viele Fans heute umsehen: der 3,0 Liter Essex V6 mit 138 PS.
werner-xyz 28.08.2019
3. Ach ja der Granada
mein zweites Auto. Geil viel Platz, Robust und zuverlässig. Leider braucht er auch ordentlich Sprit (meiner 15l / 100km) was bei einem Spritpreis von 1.50DM zu Beginn meines Studiums dann die Trennung bedeutete. Ich trauere ihm heute noch nach und wenn ich den Platz hätte, stände so einer in meiner Garage.
BanchevMedon 28.08.2019
4. Range Rover
"Der Ford Granada (...) wurde (...) von 1972 bis 1985 gebaut. Damals gab es noch keine SUV", heißt es im Artikel. Es gab den Range Rover. Den einzigen seiner Art. Daher existierte der Gattungsbegriff SUV noch nicht.
siri_paibun 28.08.2019
5. ich vermisse diese Innenräume......
Sessel statt Seitenhalt, Kniefreiheit statt überbreiter und sinnfreier Mittelkonsole, Motoren, welche 300.000km halten. Was ich nicht vermisse ist: nach 6-8 Jahren die ersten Durchrostungen, Motoren, welche mal so 14 l brauchen.
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