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Ford Mustang mit Elektromotor: 200.000 Dollar für einen Zombie

Foto: Bloodshed Motors

Ford Mustang mit Elektromotor Das Monsterpony

Dieser Oldtimer beschleunigt so schnell wie ein Supersportwagen: In drei Sekunden ist der 68er Ford Mustang zweier US-Amerikaner von null auf Tempo 100. Mit ihrem Auto provozieren die beiden ungleichen Männer reichlich Spannungen.

Der Ford Mustang ist der Prototyp des Ponycars: Ein Modell eines US-Herstellers aus den Sechzigerjahren, preiswert, mit viel Krach und viel Hubraum. Auch der 1968er Ford Mustang Fastback von Mitch Medford und John Wayland sieht auf den ersten Blick aus wie ein klassisches Ponycar. Aber es macht keinen Krach. Und hat null Hubraum. Dafür braucht es weniger als drei Sekunden von null auf 100 km/h.

Drei Sekunden. So lange dauert es ungefähr, um diesen Satz zu Ende zu lesen.

Der Grund für die irrsinnigen Beschleunigungswerte: Statt des üblichen 4,7-Liter-V8-Motors steckt in Medfords und Waylands Mustang ein elektrischer Antriebsstrang. Zwei aneinandergekoppelte E-Motoren liefern zusammen 750 PS und ein Drehmoment von 2400 Newtonmeter, die Energie wird in einer 40-Kilowattstunden-Batterie gespeichert.

Medford und Wayland haben in Austin im US-Bundesstaat Texas das Unternehmen Bloodshed Motors  gegründet. Das Umrüsten von alten Ponycars und Musclecars zu E-Mobilen ist ihr Geschäftsmodell. Sie wissen um die Brisanz dieses Vorhabens: Einerseits rinnt der Vollgas-Gemeinde angesichts der Beschleunigungswerte der Geifer aus den Mundwinkeln. Andererseits riskieren die beiden, geteert und gefedert aus der Stadt gejagt zu werden.

Um die Dimension dieses Umbaus zu begreifen, muss man sich einfach nur den berühmtesten Filmauftritts eines Ford Mustangs vor Augen halten: Wäre der Fastback in "Bullitt" mit dem elektrischen Wahnsinnspaket ausgestattet gewesen, hätte die Verfolgungsjagd quer durch San Francisco nie stattgefunden. Steve McQueen hätte die Bösewichte dank der 750 PS entweder sofort zur Strecke gebracht oder wäre nach ein paar schnellen Kurven saftlos liegengeblieben. Die Reichweite beträgt nämlich höchstens 200 Kilometer - bei gemäßigtem Tempo.

Ein Mustang, der wie ein Mixer klingt

"Wir respektieren das Erbe dieser Autos", versichert John Wayland. Ein rares Sammlerstück komme für die Umrüstung nicht infrage. Mitch Medford weist darauf hin, dass alle Umbauten rückgängig gemacht werden könnten. Allerdings wird das seiner Ansicht nach nicht nötig sein: "Ein paar Leute meinen, dass ein Mustang nicht wie ein Mixer klingen sollte. Aber glauben Sie mir: Sobald man in unserem Auto in den Sitz gehämmert wird, denkt man nicht mehr an den Sound."

Die beiden Männer ergänzen sich gut. Medford war Marketingdirektor bei IBM und leitete zwei Technologieunternehmen. Der 52-Jährige spricht mit dem verbindlichen Ton eines seriösen Geschäftsmannes. Der 62-jährige Wayland dagegen gibt sich den Superheldennamen "Plasma Boy" und sagt von sich selbst, er sei ein "verrückter Tüftler".

Im Interview klingt das so:

Frage an die beiden: "Wie wird die Batterie im Mustang aufgeladen?"

Antwort Medford: "Natürlich bekommen unsere Kunden jedes gewünschte Ladesystem."

Antwort Wayland: "In Texas haben wir eine 200 Meter hohe Antenne, um Blitze einzufangen. Damit ist der Akku in drei Sekunden voll."

Medford wurde über den Rennsport auf Wayland aufmerksam. Wayland mischt seit Jahren mit einem 1972er Datsun 1200 die Dragster-Szene auf. Der Oldtimer - Kampfname "White Zombie" - schießt in 1,8 Sekunden von null auf Tempo hundert. Das ist doppelt so schnell wie ein Porsche 911 GT3. Natürlich hat "White Zombie" einen Elektroantrieb.

Als nächstes wollen sie einen Camaro umrüsten

Durch den Umbau zum E-Mobil kommen bei dem Mustang zum ursprünglichen Gewicht von rund 1200 Kilo noch mal bis zu 400 Kilo hinzu. "Aber die werden durch Drehmoment ausgeglichen", sagt Medford. Damit das Ponycar die 750 Pferdestärken auf die Straße bringen kann, werden ein Gewindefahrwerk, ein Stabilisator und eine spezielle Aufhängung des Hersteller Street or Track verbaut. Das Ausbalancieren von Drehzahl, Spannung und Stromstärke der Motoren und der Batterie übernehmen zwei extrem leistungsfähige Kontroller. "Eine Sache habe ich beim Basteln an Elektromotoren gelernt", sagt Wayland, "wenn man zu viel Volt und Ampere zusammenschließt, dann kracht's."

Rund 200.000 Dollar soll der Mustang kosten. Inbegriffen sind die Beschaffung, Restaurierung und Umrüstung des Oldtimers. "Wir werden verschiedene andere Musclecars elektrifizieren", sagt Medford, "zum Beispiel den Chevrolet Camaro und den Plymouth Barracuda." Eine Umrüstung dauere zwei bis drei Monate, je nach Zustand des Basisfahrzeugs.

Monströses für Tesla-Besitzer

Aber wer bezahlt fast eine Viertel Million Dollar für einen umgerüsteten Oldtimer? "Unsere Zielgruppe sind Leute mit viel Geld, die sich von der Masse abheben wollen, Klassiker-Sammler und Tesla-Besitzer werden diese Autos haben wollen", glaubt Medford.

Ihren ersten umgerüsteten Mustang haben die beiden "Zombie 222" getauft: "Two monster-motors, two monster-controller, too damn fast", erklärt Wayland die Zahlenkombination ("Zwei Monster-Motoren, zwei Monster-Kontroller und verdammt noch mal zu schnell"). Für Puristen ist der Wagen wohl einfach nur ein Horror.