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Ford Taunus 17M: Glücksfall auf Rädern

Foto: Jürgen Pander

Ford Taunus 17M Willkommen in der Wunderwanne!

"Sieht aus wie 'ne Badewanne", "ach, der Niehler Nacktarsch": Als Ford vor 50 Jahren den Taunus 17M rollen ließ, hagelte es Spott. Doch dann avancierte das schnörkellose Modell zum Verkaufsschlager. SPIEGEL ONLINE war mit dem Oldie unterwegs - und zeigt, was die Autofahrer damals begeisterte.

Warum der Wagen den Namen "Badewanne" verpasst bekam, wird schon beim ersten Anblick klar. Die rundliche Karosserie erinnert stark an ein Stück Seife oder eben eine Wanne, und die ovalen Scheinwerfer sehen aus wie Taucherbrillen. War das Vorgängermodell - in Fachkreisen Taunus P2, vom Publikum "Barock-Taunus" genannt - noch mit Ornamenten überladen, schien der Taunus P3 aus irgendeinem Zukunftslabor zu kommen. Maßgeblich beteiligt an der Gestaltung war Uwe Bahnsen, später Designchef der Kölner Ford-Werke und Schöpfer von Ikonen wie Capri, Escort oder Sierra. Er gehörte damals zu dem Team um den Amerikaner Wesely Dahlberg, das die "Linie der Vernunft" kreiert hatte.

In der Beethovenhalle in Bonn wurde der Wagen im Herbst des Jahres 1960 der Öffentlichkeit vorgestellt. Zu diesem Ereignis, das mit der 30-Jahr-Feier von Ford in Köln zusammenfiel, war Henry Ford II., der Enkel des Firmengründers, an den Rhein gekommen. Zu einem Empfang bei Bundeskanzler Konrad Adenauer fuhr Ford im neuen 17M vor, und der ansonsten Autos eher desinteressiert gegenüber stehende Regierungschef soll die Form derart ansprechend gefunden haben, dass er prompt zum Probesitzen einstieg. Anderntags hing in einer Bonner Buchhandlung ein Foto der Szene mit dem kecken Text "Ford mit Adenauer".

Dem damaligen Kanzler jedenfalls gefiel der Wagen, die Ford-Mitarbeiter waren skeptischer. Bei den Werkern in der Fabrik in Köln Niehl wurde das Auto anfangs als "Niehler Nacktarsch" geschmäht, wie Bernd Tuchen in einem Buch über den Wagen schreibt. Ein krasses Fehlurteil, denn die "Stromform" (Ford-Werbung) kam an. Mit dem Modell gelang es Ford erstmals, den Dauerrivalen Opel in der deutschen Zulassungsstatistik von der Position zwei hinter Volkswagen zu verdrängen. Bis zum Produktionsende im Jahr 1964 wurden rund 670.000 Exemplare gebaut.

Von wegen Badewanne, das Auto ist ein Schwimmbad

Aus dem letzten Produktionsjahr stammt auch der Taunus 17M, mit dem SPIEGEL ONLINE jetzt unterwegs war. Ein Modell mit dem stärkeren 1,7-Liter-Motor, der damals 75 Mark Aufpreis kostete und mit Viergang-Getriebe (ebenfalls 75 Mark Aufpreis), das per Lenkstockhebel betätigt wird. Der erste Eindruck, nachdem man auf dem Fahrersitz Platz genommen hat: nicht Badewanne, sondern Schwimmbad. Die großen Glasflächen, die niedrigen Sitze und das insgesamt sparsame Interieur schaffen ein Raumgefühl, wie man es heute selbst in Luxuslimousinen nicht hat.

In Fahrt gebracht wird der Wagen von einem Vierzylinder-Benziner mit 1,7-Liter-Hubraum und einer Leistung von 65 PS, der sich im Motorraum fast verliert. Dann geht es los. "In sechs Sekunden auf 50 km/h" hieß es in einem Werbefilm für das Auto vor 50 Jahren. So was muss man heute nicht mehr ausprobieren mit einem Oldie, doch auch bei behutsamer Fahrweise vermittelt der Wagen noch immer einen prima Eindruck. Klar, der Taunus kommt in Kurven viel mehr ins Schwanken als moderne Autos, andererseits aber ist es höchst anregend, ein Auto mal wieder richtig in Aktion zu erleben - anstatt eine kühle Hightech-Maschine zu befehligen, die weder Charakter oder Eigenheiten hat.

"Es bog sich nichts, und es brach nichts: Donnerwetter!"

Dazu gehören beim Taunus 17M zum Beispiel die wunderbar in den Armaturentafelrahmen integrierten Bedientasten, die herausragende Übersichtlichkeit, das raffinierte Schloss am Heck, mit dem zugleich der Tankstutzen als auch der Kofferraumdeckel geöffnet werden kann - und natürlich das fröhlich-elegante Fahrgefühl.

Das wurde schon von den zeitgenössischen Autojournalisten hervorgehoben. Die "Westdeutsche Allgemeine" schrieb beispielsweise: "Wer zum ersten Mal am Steuer des 17M sitzt, hat das Gefühl, als sähe er sich einen Breitwandfilm an." Das Fachorgan "Auto, Motor und Sport" urteilte: "Obwohl nach der komfortablen Seite ausgelegt, legt der neue 17M ein respekterheischendes Fahrverhalten an den Tag." Und Ilse Xandry schrieb in der Zeitschrift "Kristall" über die erste Testfahrt mit dem Wagen folgendes. "Mein Vordermann fuhr sehr rasant und ich auf Biegen und Brechen hinterher. Es bog sich nichts, und es brach nichts, und ich dachte: 'Donnerwetter!'"

Ein rundum modernes Auto zum Preis ab 6485 Mark

So ein Auto also war die "Badewanne". Anfangs kostete der Wagen ab 6485 Mark. Dafür erhielt man die zweitürige Limousine mit 55-PS-Motor. Es gab auch eine viertürige Variante und ein Kombimodell, dessen Heckklappe je nach Käuferwunsch oben am Dach, seitlich oder am Kofferraumboden angeschlagen war. Und überdies fertigte die Kölner Karosseriebaufirma Deutsch auch Cabrio- und Coupé-Versionen des Taunus 17M an. Gut erhaltene Modelle erzielen heute auf dem Oldiemarkt Preise von rund 12.000 Euro.

Waren die vielen Karosserievarianten für die damalige Zeit schon sehr ungewöhnlich, konnte das Auto darüber hinaus noch weiter - nun ja - individualisiert werden. Im Angebot waren unter anderem Veloursteppich, Haltegriffe im Fond, Tageskilometerzähler, Weißwandreifen, Zweifarblackierung oder ein Make-up-Spiegel an der Sonnenblende über dem Beifahrersitz. Der Ford Taunus 17M P3 war zu seiner Zeit eben ein richtig modernes Auto.

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