Ford Taunus 2, Bj. 1976 Coole Spießer-Karre

Familienkutschen der siebziger Jahre erfreuen sich wegen ihrer Ecken und Kanten inzwischen wieder großer Beliebtheit. DJ und SPIEGEL-ONLINE-Leser Jens Witzig gönnt seinem Ford Taunus 2 von 1976 eine beheizte Garage und fährt ihn des nächtens aus.


Viele Autobesitzer fühlen sich ihrem Fahrzeug auf besondere Weise verbunden. Bei SPIEGEL ONLINE stellen Leser ihr persönliches Lieblingsmodell und ihre persönlichen Erlebnisse mit dem Gefährt vor. Diesmal berichtet Jens Witzig über das Leben mit seinem Ford Taunus 2, Baujahr 1976.

Schon als kleiner Junge hat mir die Neuauflage des Taunus gefallen, die Ford im Jahre 1976 auf die Straße schickte. Aber nur in einer speziellen Version: mit zwei Türen und ohne Vinyl-Dach. Reiner Zufall, dass ich 2001 genau so einen Taunus mit knallroter Lackierung in einer Garage entdeckte. Der Zweitürer war zu dem Zeitpunkt bereits 25 Jahre alt. Das Interieur war mit dieser wunderschönen Kombination aus schwarzem Kunstleder und Stoff ausgekleidet, noch dazu in der GL-Ausstattung: Ausklappbare Mittelarmlehne im Fond und Ausstellfenster hinten. Und er war tatsächlich zu verkaufen!

Das Prachtexemplar gehörte einer älteren Dame, die das Fahrzeug in erster Linie als bequemen Einkaufswagen genutzt hatte. Einmal die Woche war sie damit zum Supermarkt und wieder zurück gefahren - dafür allerdings zweimal im Jahr zur Inspektion! Es handelte sich um einen nahezu nagelneuen Ford Taunus mit 47.000 scheckheftgepflegten Kilometern für den lächerlichen Preis von 2500 Deutsche Mark.

Und das Fahrzeug war komplett rostfrei. Taunus-Kenner wissen, wie selten das ist! Da habe ich nicht lange gefackelt! Am selben Tag bin ich zur Zulassungsstelle gefahren und war der glücklichste junge Mann der Welt. Für knapp ein Jahr. Eines traurigen Tages fuhr mir ein älterer Herr frontal in meinen Favoriten und verwandelte ihn in einen wertlosen Haufen Blech. Totalschaden.

Etliche Jahre später, im August 2008, schaute ich aus reiner Langeweile in ein großes Gebrauchtwagen-Portal und suchte zum ersten Mal seit langer Zeit mal wieder nach Ford. Taunus, Baujahr bis 1980. Die jüngeren Modelle gefallen mir nicht. Und da stand er: Baujahr 1976, rot, zweitürig, innen schwarz. Das Fahrzeug kam aus Schweden und hatte nicht einmal 40.000 Kilometer auf dem Buckel. Unglaublich. Dummerweise in Hamburg - ich lebe in München. Das ist für einen Gebrauchtwagen ohne deutsche Zulassung eine nicht zu unterschätzende Strecke.

Im Autozug nach München

Der nette Händler hat mir aus der Ferne sowohl TÜV als auch die wichtige §-21-Prüfung vermittelt und einen Bekannten von mir Probe fahren lassen. So dass ich wenig später, ohne den Wagen jemals selbst gesehen zu haben, einen ganzen Batzen Geld überwies. Zwei Tage später lagen die Papiere bei mir im Briefkasten. Weitere zwei Tage später fuhr ich nach Hamburg. Mit nagelneuem H-Kennzeichen (Umweltzone? Aufkleber? Wofür?) rollte ich mit dem Wagen noch am selben Abend auf den Autozug nach München.

Und dieses Mal bleibt er heil, dafür werde ich sorgen! Er verfügt zwar leider nur über die L-Ausstattung, aber die macht er mit ein paar anderen Besonderheiten wieder wett. Allen voran die Scheinwerfer-Waschanlage, die seinerzeit in Schweden Pflicht war. Weiterhin erwähnenswert noch die Sicherheitsgurte hinten und vor allem die jährlich erneuerte Hohlraumversiegelung, die den Wagen 33 Jahre nach Erstzulassung wie neu dastehen lassen. Und 37.000 Kilometer sind auch nicht zu verachten. Über die 1,6-Liter-OHC-Maschine kann man nur eines sagen: Nicht schnell, aber robust.

Wer das Vergnügen hat, in ein kaum gebrauchtes Auto aus den Siebzigern zu steigen, der braucht keine 250 PS - 68 PS sind zum Cruisen mehr als ausreichend.

An einer Ampel hat mich ein sehr netter älterer Herr einmal gefragt, ob ich ihn mitnehmen könnte. Er besaß früher auch einen Taunus, wie er mir dann auf der Fahrt erzählte und wollte noch einmal in die Vergangenheit abtauchen... Daraus ist ein echt nettes Gespräch geworden, und er hat mich am selben Abend sogar noch in meinem Club besucht, und das mit über 60 Jahren!



insgesamt 3 Beiträge
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Frank Werner 05.04.2009
1. Nur keine Legenden...
...bitte keine Legendenbildung. Ähnlich wie später beim 1993er Mondeo hat Ford mit dem 76er Taunus einen ziemlichen Schnellschuss gelandet. Der Türgriff war aus viel zu schwachem Material und brach öfter ab, das Getriebe war schwergängig wie beim Sierra und das Scheinenwischer-Gestänge brach schon Mal ab. Außerdem rostete die Karre wie Hund - vor allem an den Radläufen hinten. Vom miserablen ausgebrochenem Türschloss (besonders beim Zweitürer) gar nicht zu reden. Mein 1.3 L zog keinen Hering vom Teller, genehmigte sich aber locker 8 Liter pro Hundert. Ich hatte drei Stück von den 76er Taunüssen. Kein einziger war fehlerfrei. Immerhin handelte es sich nach dem GXL um eine völlige Neukonstruktion - und eben um Kinderkrankheiten. Frank Werner
FlorianVD 06.04.2009
2. Schön..
.. sieht er aber trotzdem aus, finde ich.. also in der Topform wie hier auf den Fotos.
Roggefella 15.05.2009
3. Allerdings....
... gefallen mir die Vorgaengermodelle - mit dem Buckel in der Motorhaube - besser. Ansonsten hatte ich - was Ford angeht - 2 Granadas mit ihren 6-Zylindermotoren sowie einen Capri 1. Und Rost war bei diesen Schlurren nie ein Thema..., hatte ich Glueck?
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