Fotostrecke

Oldtimer Ford Transit: Blechdose auf Rädern

Foto: Ford

Günstige Oldtimer - Ford Transit Darf's auch mal kein Bulli sein?

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem - es gibt sie nämlich, die Schnäppchenschlitten. Diesmal: der Ford Transit.
Günstige Oldtimer

Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

Klar, für Großvaters abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat – und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.

Allgemeines zum Modell: Nutzfahrzeuge haben es schwer, ins Oldtimer-Alter zu kommen. Auch die meisten Ford Transit - Spitzname "Transe" - wurden als Lastenesel geknechtet und erreichten nur selten das Rentenalter.

Doch der Reihe nach: 1953 erscheint mit dem Ford FK - später Taunus Transit - die erste Generation des Oldtimers. Der Wagen war technisch simpel konstruiert, der Motor stammt aus dem Pkw Taunus 12 M. "Eilfrachter" nennt Ford Köln den FK: Seine 95 km/h Spitze waren fix, viele Autos fuhren kaum schneller.

Ford-Kenner sind sich trotzdem einig, dass der erste echte Transit erst 1965 auf den Markt kam. Der Transit Mk1 war sozusagen ein europäisches Großprojekt von Ford, das von den deutschen und britischen Unternehmenszweigen gemeinsam gestemmt wurde. "Ford brauchte eine Antwort auf den erfolgreichen VW Transporter T1", sagt Randolf Unruh, der mit "Ford Transit. Eine Europäische Transporterlegende" die erste Typenmonografie über den Transit geschrieben hat.

Fotostrecke

Oldtimer Ford Transit: Blechdose auf Rädern

Foto: Ford

Der neue Mk1 konnte dem VW T1 durchaus das Wasser reichen. Der Bulli litt wegen seines Heckmotors bis 1990 an seinem minimierten Stauraum. Ford setzte dagegen beim Transit auf einen Frontmotor. Dadurch wurde deutlich mehr Platz im Laderaum frei. Das erfreute Handwerker und Gewerbetreibende. Auch Behörden orderten den Lastenesel massenhaft, ob Technisches Hilfswerk, Rettungsdienst oder Feuerwehr.

Doch es gab auch Schwächen: Während VW schon bei den ersten Bulli-Baureihen Einzelradaufhängungen montierte, mussten sich Transit-Fahrer mit einer blattgefederten Starrachse herumplagen - auch vorne. Das robuste Konstrukt konnte zwar von jedem Dorfschmied repariert werden, dafür waren Geradeauslauf und Lenkpräzision miserabel.

Auch der 1978 eingeführte Mk2 bot in dieser Hinsicht keine großen Fortschritte, denn die technische Grundkonstruktion blieb praktisch unverändert. Nur die Front wurde länger und bekam einen neuen Kühlergrill.

Unter die neue Nase passten nach den bisherigen V-Benzinern jetzt auch die Reihenmotoren, darunter ein kerniger Diesel. Mit 51 PS war der Selbstzünder allerdings schlapp. Das Gleiche gilt für den kleinen Benziner mit 1,6 Litern Hubraum mit 65 PS. Die empfehlenswerte Motorisierung ist auch heute noch der Zweiliter-Benziner mit 78 PS.

Komfortabel war der Transit nicht, die Innenverkleidung spärlich. Ein Automatikgetriebe war nicht lieferbar, allerdings gab es beim Mk2 ein Overdrive-Getriebe, mit dem man im dritten und vierten Gang Drehzahlen und Spritverbrauch senken konnte. Ein Radio war nur gegen Aufpreis erhältlich, Extras wie elektrische Fensterheber oder Klimaanlage gar nicht. Erst in den Achtzigerjahren bot Ford mit Sondermodellen wie Clubmobil, Euroline oder dem Nugget bei der dritten Generation Mk3 (ab 1986) besser ausgestattete Van- und Camping-Varianten mit Klapptisch, drehbaren Sitzen oder optionalem Hochdach an.

Warum ausgerechnet der? Klassische Kleintransporter sind beliebt - aber muss es immer ein VW Bus sein? Der Ford Transit sei ein Geheimtipp, meint Randolf Unruh. "Er bietet viel Platz für wenig Geld, während die Preise für den VW Bulli völlig abgedriftet sind." Ordentliche Ford Transit kosten oft nur einen Bruchteil.

Die "Blechdose auf Rädern" (Unruh) löst bei vielen Betrachtern Kindheitserinnerungen aus. "So einen fuhr bei uns der Malteser Hilfsdienst" oder "Den hatte ich als Spielzeugauto im Kinderzimmer" heißt es bei Begegnungen auf der Straße.

Fahrkomfort sollte man allerdings nicht erwarten: Ein Ford Transit fährt sich rustikal. 100 bis 120 Stundenkilometer Spitzengeschwindigkeit sind je nach Motorisierung und Übersetzung zwar möglich. Aber das bedeute viel Lärm und viel Verbrauch, warnt Randolf Unruh. "Dann lieber entspannt mit den Lkw bei 90 km/h mittrotten."

Fotostrecke

Deutscher Oldtimer Index: Alltagsklassiker mit Wertzuwachs

Foto: imago/ ZUMA Press

Verfügbarkeit: Obwohl der Transit millionenfach gebaut wurde, ist das Angebot an verbliebenen Mk1, Mk2 und selbst den jüngeren Mk3 überschaubar. Als Nutzfahrzeug wurden die meisten Fahrzeuge heruntergeritten. Baustellen-Pritschen oder gebliebene Kastenwagen sind rar. Häufiger findet man umgebaute Ex-Feuerwehren oder alte Wohnmobile. Deren Aufbauten aus Holzplatten mit Styropor-Isolierungen haben aber oft gelitten.

Ersatzteilversorgung: Alt-Ford-Freunde haben es nicht einfach mit der Teileversorgung. 1977 brannte das zentrale Ersatzteillager des Herstellers in Köln ab. Dafür gibt es spezialisierte Händler mit breitem Angebot auch für die älteren Baureihen Mk1 und Mk2. Gängige Verschleißteile findet man problemlos, Blechteile sind teils im Original oder nachgefertigt erhältlich.

Ersatzteilpreise (beispielhaft):

  • Kotflügel vorne, nachgefertigt: ca. 200 Euro

  • Satz Bremsbeläge vorne: ca. 50 Euro

  • Satz Bremsscheiben vorne: ca. 160 Euro

  • Lichtmaschine: ca. 150 Euro

Schwachstellen: Rost ist der größte Feind des Transit, vor allem an den Karosserienahtstellen blüht es oft. Zudem sind viele Exemplare mit wenige Liebe bedacht worden, weil der Transit ein Nutzfahrzeug ist. Ex-Behördenfahrzeuge stehen äußerlich oft gut da und haben wenige Kilometer gelaufen, dafür treten hier gelegentlich Standschäden auf. Ehemalige Feuerwehrfahrzeuge oder Krankenwagen sind oft wenig fachmännisch zum Wohnmobil umgebaut. Originale Camper wiederum neigen im Alter zur Leckage, bei ihnen sollte man Boden, Dach und Wände penibel auf Feuchtigkeit kontrollieren.

Preis: Es gibt Angebote für 2.500 Euro mit Rest-TÜV, doch das sind meist Baustellen, in denen man viel Geld versenken kann. Bei 5.000 Euro aufwärts beginnt die Preisliga der ordentlichen Exemplare. Gepflegte "Transen" der Baureihen MK1 und MK2 können auch 10.000 Euro und mehr kosten.

Anlaufstellen im Internet:

Weitere, fast schon frech günstige Fuhren finden Sie in den vorangegangenen Folgen der Serie:

Fotostrecke

Günstige Oldtimer: Bock auf Blech? Bitte hier lang

Foto: Renault
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.