Fotoband "Lost Cars" Roste sanft

Was bleibt von Autos, die nicht mehr fahren? Blech, Glas, Gummi, Schrott - und manchmal eine magische Ausstrahlung. Der Bildband "Lost Cars" zeigt solche Rostruinen und erzählt, wie sie gefunden wurden.

Theodor Barth/ Uwe Sülflohn

Offiziell ist alles fein geregelt: Ein kaputtes, nicht mehr fahrbereites oder einfach nur altes Auto wird abgemeldet, der Rohstoffrückgewinnung zugeführt und landet schließlich in der Schrottpresse. Näheres regelt die Altfahrzeugverordnung. Oft läuft es allerdings ganz anders. Autowracks werden einfach in den Wald geschoben, irgendwo am Ende eines großen Grundstücks sich selbst überlassen, in der Ecke einer Scheune geparkt oder in der Garage abgestellt. Weil die Besitzerin oder der Besitzer es nicht übers Herz bringt, die alte Karre in einen kompakten Würfel pressen zu lassen. Oder weil er plant, die Kiste doch noch mal zum Laufen zu bringen, zu restaurieren, womöglich gewinnbringend zu verkaufen. Viele Pläne, viele Projekte, viele Konjunktive.

Der rostige Reiz und die morbide Magie, die daraus entstehen, wenn diese Vorhaben doch nicht umgesetzt werden, haben die Fotografen Theodor Barth und Uwe Sülflohn zu einem groß angelegten Buchprojekt inspiriert. Drei Jahre lang durchstreiften die beiden ganz Europa, um vergessene und verlassene Autoruinen aufzuspüren. Wie Detektive folgten sie vagen Hinweisen, obskuren Wegbeschreibungen, halbgaren Gerüchten - und standen am Ende oft vor Autos, die sich schon lange nicht mehr bewegt hatten, aber umso bewegendere Motive abgaben.

Parkplätze der zerbrochenen Träume

"Dies ist kein Autobuch, sondern ein Bilderbuch", schreibt Sülflohn im Vorwort zu dem Band, durch den man mit immer größer werdenen Augen blättert. Unfassbar, welche Schätze auf irgendwelchen heruntergekommenen Anwesen vergammeln, denkt man sich. Diesen automobilen Schatz müsste man doch nur einmal ordentlich sauber machen, ein paar Kleinigkeiten ausbessern und Benzin...

Preisabfragezeitpunkt:
05.12.2019, 20:14 Uhr
Ohne Gewähr

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Sülflohn, Uwe, Barth, Theodor
Lost Cars. Und sie leben doch! Nachtaufnahmen verlassener Autos. Ein Bildband mit automobilen Fundstücken an Lost Places: In Scheunen, aber auch im Freien, überwuchert vom Grün.

Verlag:
Geramond Verlag GmbH
Seiten:
192
Preis:
49,99 €

Genau so hatten sich das die Besitzer der Autos natürlich auch gedacht. Die Fakten haben Barth und Sülflohn festgehalten. Grandios fotografiert, launig beschrieben, aber eben fast immer auch unabänderlich: Diese Autos werden nie wieder fahren.

Nachtschicht zwischen Beulen und Birken

Barth und Sülflohn fotografierten fast ausschließlich bei Nacht, manchmal in der Dämmerung und einmal auch tagsüber. Ein Besitzer wollte ab 19.30 Uhr ein Fußballspiel im Fernsehen sehen und bestand darauf, dass die Fotografen dann vom Hof sein müssten. So entstand das Bild einer düsteren Halle voller VW Käfer, eine automobile Grabkammer, in die schon lange kein Sonnenlicht mehr drang.

Das Buch verführt zum Staunen und Entdecken. Und weil man in den wenigen Texten überraschend viel von der Arbeit der Fotografen erfährt - von Begegnungen mit französischen Gendarmen ebenso wie von Hundehaltern in Feinripp-Unterhemden - begleitet man sie als Leser sozusagen bei der Motivjagd. Das macht großen Spaß, ganz gleich ob man sich mehr für die Autos, für die Bilder oder die Geheimnisse, die in ihnen verborgen sind, interessiert.



insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
gsa 17.11.2019
1. Furchtbare Lichteffekte
Ich weiss, ist Geschmackssache, aber die Lichteffekte sind unterirdisch. Und Auch viel Photoshopping scheint mir dabei zu sein. Unfair gegenüber den wehrlosen Fahrzeugen!
Tom77 17.11.2019
2. Sieht nicht nach Fotos aus
Gefällt mir gar nicht. Die Bilder sehen gar nicht wie Fotos aus. Sie sehen wie Zeichnungen aus, denen viel zu viel Farbe und Kontrast hinzugefügt wurden. Unnatürlich und realitätsfern. Wahrscheinlich wurden die Fotos nachträglich extrem stark in Photoshop nachbearbeitet, um diesen Look zu erzielen. Dadurch ging aber der Charme der Autos komplett verloren. Wem es gefällt, der soll seinen Spaß daran haben. Aber für mich wirkt das einfach nicht mehr authentisch.
sametime 17.11.2019
3. Leider verhunzt
Schade, dass die schönen Motive so dermaßen mit HDR-Werkzeugen kaputt gemacht wurden. Ich habe auch schon verlorene Schätze fotografiert und arbeite gern mit Photoshop. Aber alles im Rahmen und so, dass es möglichst nur gut und nicht behandelt aussieht. Ein Buch mit den Originalaufnahmen würde mich da eher interessieren. ;-)
markus.pfeiffer@gmx.com 17.11.2019
4.
Schade, dass man hier keine Bilder anhängen kann: Könnte ein (Nacht-) Foto eines VW-Käfers hinzufügen, den ich vor 3 Jahren in einem schmalen Baumstreifen zwischen zwei Feldern entdeckt habe. Nur mit dem alten Smartphone aufgenommen, überhaupt nicht bearbeitet, sieht im Licht der Handylampe aber fast so abgefahren aus wie die Fotos hier.
dieAntwortlautet...42 17.11.2019
5. Kitschig
Wirkt auf mich viel zu kitschig. Schade.
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