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Frederik Pferdt und sein Mustang: "Ich fand das passend"

Foto: Natalie So

Google-Manager aus Deutschland Pferdt fährt Pferd

Sein Arbeitgeber Google bastelt am selbstfahrenden Auto der Zukunft, privat mag es Frederik Pferdt nostalgisch. Er sagt, ihm sei sein 66er Ford Mustang im Job sogar nützlich.
Von Kai Kolwitz

Wenn Frederik Pferdt am Morgen vor seinem Garagentor steht, dann beginnt für ihn die Zeit der Entscheidungen. Als erstes: Wie komme ich eigentlich zur Arbeit? Zur Auswahl stehen drei diskutable Fortbewegungsmittel: die Harley Davidson 48 im "Kurz-nach-dem-Krieg"-Retrodesign, das 66er-Ford-Mustang-Cabrio mit den roten Lederpolstern und der metallicblaue 91er-VW-Bus mit Westfalia-Wohnmobil-Ausbau.

Eine schwierige Frage. Erst recht dann, wenn man bedenkt, dass Pferdts Haus in der Peripherie von San Francisco steht und dass ihn sein Weg in der Regel zum Unterrichten nach Stanford oder in sein Büro im Google-Hauptquartier in Mountain View führt. Ziemlich oft scheint die Sonne, und nimmt er das Cabrio, kann er nicht Motorrad fahren. Und umgekehrt. Schwierig.

Die zweite Herausforderung ist die Auswahl des Fahrtwegs. Denn der 37-Jährige fährt ungern zweimal die gleiche Route. "Ich versuche immer neue Strecken zu finden", erklärt er. "Das kann länger dauern, manchmal auch sehr lange. Aber man entdeckt neue Orte und bekommt neue Eindrücke."

Frederik Pferdt vor seinem Ford Mustang

Frederik Pferdt vor seinem Ford Mustang

Foto: Natalie So

Pferdt stammt ursprünglich vom Bodensee, in den USA lebt er fest seit 2011. Der promovierte Wirtschaftspädagoge ist bei Google "Head of Innovation & Creativity Programs". Das heißt, er entwickelt Konzepte und Leitlinien, um den Mitarbeitern des Suchmaschinenriesen eine Arbeitsatmosphäre zu bieten, in der sie möglichst kreativ arbeiten können. Zum Beispiel mit Workshops, Begegnungszonen oder der Garage, einer Bastelwerkstatt auf dem Firmengelände, um Dinge schnell auszuprobieren.

Crash mit einem der "schnellsten Roller in Ravensburg"

Auch er selbst hat schon früh mit dem Basteln begonnen: "Mit 16 hatte ich einen der schnellsten Roller in Ravensburg", sagt er, "eine 50er Vespa, die schaffte über 100 km/h." Den Roller zerlegte er bei einem Auffahrunfall - als er gerade auf dem Weg war, sich seinen Auto-Führerschein abzuholen.

Seiner Vorliebe für besondere Fahrzeuge tat das keinen Abbruch. Schon bei einem früheren USA-Aufenthalt teilte er sich mit einem Freund einen Plymouth Sport Fury, Baujahr 1967, ein gut fünf Meter langes Fullsize-Cabrio, gegen den Pferdts aktueller Fuhrpark ziemlich dezent wirkt. Und seinen ersten Mustang kaufte er schon während der Uni-Zeit in Deutschland - ein 2001er Modell, nicht den Wagen im aggressiven Retrodesign, den heute jeder mit dem "neuen Mustang" verbindet, sondern den etwas zurückhaltenderen Vorgänger mit Wurzeln in den Neunzigern. "Da habe ich gesehen, dass es für mich sehr wichtig ist, dass ein Fahrzeug Spaß macht - und auch auf andere eine positive Wirkung entfaltet."

"Es wird in Zukunft eine bewusste Entscheidung sein, ob ich mich vom Auto fahren lasse oder es selbst lenke"

"Es wird in Zukunft eine bewusste Entscheidung sein, ob ich mich vom Auto fahren lasse oder es selbst lenke"

Foto: Natalie So

In jedem Fall ist Pferdts heutiger 66er Mustang Convertible ein erfüllter Traum, den er schon träumte, als er noch im moderneren Modell unterwegs war. Der Wagen ist edel restauriert, er stammt aus dem letzten Jahrgang mit der Ur-Front, aber schon mit Rundinstrumenten statt dem Bandtacho der ersten beiden Baujahre. Weißes Armaturenbrett, rote Polster, filigrane Schalter, Hebelchen und Kurbeln aus verchromtem Stahl. Und natürlich die 4,7-Liter-V8-Maschine - Pferdt liebt das typische Blubbern des Motors. Die Entscheidung für den Mustang im Allgemeinen ist übrigens eine durchaus beabsichtigte Anspielung auf den Nachnamen des Fahrers: "Ich fand das passend und lustig, wenn ein Pferdt ein Pony-Car fährt."

Das Familienmobil der Pferdts im Einsatz

Das Familienmobil der Pferdts im Einsatz

Foto: Frederik Pferdt

Allerdings - trotz des Wortspiels könnte es sein, dass ein anderes Auto gerade dabei ist, dem roten Cabrio den Rang abzulaufen. Denn der Google-Mann hat inzwischen zwei Kinder und so ist der blaue Westfalia-Bulli neben dem Mustang das Auto für die Ausflüge der Familie: ein ganz später, eckiger T3 - die Baureihe, die gerade langsam in die Oldtimerszene hineinwächst. Die klobigen Stoßstangen weisen Pferdts Exemplar als US-Auslieferung aus. "Man kann hier wunderbar campen", sagt Pferdt und zeigt ein Foto aus den Santa Cruz Mountains, auf dem der Bulli mitten im Wald steht: "Man kann die Tür offen lassen und kochen. Und man schläft danach mitten in der Natur." Auf solche Art entstehen Erinnerungen.

Bleibt nur die Frage: Sollte ein Innovationsförderer in Diensten von Google nicht etwas mehr der Zukunft entgegenfahren? Elektrisch zum Beispiel? Bei der Arbeit sieht Pferdt des öfteren den Prototypen des selbstfahrenden Google-Autos vorbeifahren. Er hat Kontakt zum Entwicklerteam, auch er selbst hat sich in dem Wagen schon chauffieren lassen.

"Es wird in Zukunft einmal eine bewusste Entscheidung sein", sagt der 37-Jährige, "ob ich mich vom Auto fahren lasse oder es selbst lenke. Das ist so, wie wenn ich heute dem Computer diktiere oder mich entschließe, einen Brief mit der Hand zu schreiben."

Und abgesehen davon - Pferdt sieht seine alten Autos voll in Einklang mit der Firmenkultur: "Ich unterrichte ja andere darin, wie sie gut im Beobachten werden können", erläutert er, "beobachten, um Trends zu erkennen oder die Bedürfnisse von Menschen." Und in einem alten Fahrzeug müsse man auch ein guter Beobachter sein. "Man muss es rechtzeitig merken, wenn der Motor seltsam klingt. Oder wenn es im Innenraum nach verschmortem Kabel zu riechen beginnt. So etwas macht einen aufmerksamer."

Ein Porträt über Frederik Pferdt ist ebenfalls bei "Freunde von Freunden" erschienen. Den Text finden Sie hier .

Freunde von Autos
Foto: Luke Abiol

SPIEGEL ONLINE stellt Männer und Frauen mit ganz besonderen "Beziehungskisten" vor - Menschen, die mit ihrem Auto ein größeres Ziel im Blick haben als nur den Weg von A nach B. Sie sind "Freunde von Autos". In Kooperation mit dem internationalen Interviewmagazin "Freunde von Freunden"  zeigen wir Porträts zeitgenössischer Autokultur.

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