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Günstige Oldtimer - Golf 1 Cabrio: Ein Platz an der Sonne

Foto: VOLKSWAGEN AG

Günstige Oldtimer - Golf I Cabrio Erdbeerkörbchen für immer

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem - es gibt sie nämlich, die Schnäppchenschlitten. Wir stellen sie vor. Diesmal: das Golf I Cabrio.
Günstige Oldtimer

Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

Klar, für Großvaters abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat - und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.

VW Golf I Cabriolet: Ein Platz an der Sonne

Golf I Cabriolet - wegen des Überrollbügels auch Erdbeerkörbchen genannt

Golf I Cabriolet - wegen des Überrollbügels auch Erdbeerkörbchen genannt

Foto: VOLKSWAGEN AG

Allgemeines zum Modell: "Sonne, Mond und Cabrio", lautet der Werbeslogan, als Volkswagen 1979 die offene Version des Golf I präsentiert. Ein Cabriolet zu fahren war damals ein Privileg für Reiche, der offene Golf macht da keine Ausnahme: Mit einem Einstiegspreis ab 33.000 Mark war das Cabrio aus Wolfsburg für damalige Verhältnisse sündhaft teuer und für Normalfahrer unerreichbar.

Prominentester Fahrer des "schnöseligen Golf" ("Autobild Klassik") war Mitte der Achtzigerjahre der Jungarzt Udo Brinkmann (alias Sascha Hehn) aus der TV-Serie "Schwarzwaldklinik". Der Frauenschwarm öffnete selten die Türen, stattdessen schwang er sich meist an A-Säule und Überrollbügel ins Cockpit. Der Bügel war eine Reaktion auf die Sicherheitsdiskussion der Siebzigerjahre und sollte die Passagiere besser bei Überschlägen schützen. Optisch kam die Konstruktion nicht so gut an, schnell hatte der neue Wagen vor allem mit roter Lackierung den etwas abwertenden Spitznamen "Erdbeerkörbchen" weg.

Vor allem wegen des hohen Preises verkaufte sich das Golf Cabrio anfangs nicht so gut. Zum Vergleich: Die Golf I Limousine kostete mit etwa 15.000 DM weniger als die Hälfte. Trotzdem wurde das Cabriolet rund 380.000 Mal gebaut, was vor allem an seiner langen Produktionszeit lag: Von 1979 bis 1993 rollt das Golf I Cabriolet bei Karmann in Osnabrück vom Band. Dabei ging die Ära der ersten Golf-Limousine schon 1983 zu Ende, Nachfolger war der modernere Golf II. Ein Cabrio-Nachfolgemodell folgte aber erst 1993 auf Basis des Golf III.

Warum ausgerechnet der? Ein VW Golf ist etwas für Langeweiler? Das stimmt sehr oft, es gilt aber nicht fürs erste Cabrio. Okay, der 70-PS-Vergaser-Motor ist sicher kein Freudenspender, aber mit dem Aggregat aus dem GTI (112 PS) wird der offene Golf zum Geschoss. Schließlich wiegt der Freiluftsportler nur 1000 Kilogramm. Golf-I-Cabrio-Fahrer schwärmen zudem von der Wetterfestigkeit des Wagens: Durch das Windschott gibt es kaum Zugluft - auch nicht auf der Rücksitzbank. So kann man das Cabriolet sogar bei kühleren Temperaturen fahren. Hauptsache, es regnet nicht.

Aber auch im geschlossenen Zustand macht das Auto Spaß. Das Faltdach ist von innen gepolstert - das gab es um 1980 nicht einmal bei Mercedes oder BMW. Und beim Golf-I-Cabrio ist die Heckscheibe auch nicht aus billiger Folie, sondern das Erdbeerkörbchen gab es mit heizbarer Glasscheibe. Die extrem gute Dämmung des Polsterverdecks macht den Golf sogar wintertauglich und hält die Insassen wärmer als so manches Auto mit normalem Blechdach.

Besonders begehrt sind beim Golf-I-Cabrio Modelle der zahlreichen Sondereditionen, mit denen Volkswagen den Absatz weiter steigern wollte: etwa die Linie "Classicline" mit luxuriöser Lederausstattung oder "Quartett"-Modelle mit bestimmter Stoffausstattung, die sich in vier Farben mit Lack- und Verdecktönen kombinieren ließ.

Besonders gesucht sind Sonderausstattungen wie "Etienne Aigner" von 1990

Besonders gesucht sind Sonderausstattungen wie "Etienne Aigner" von 1990

Foto: VOLKSWAGEN AG

Verfügbarkeit: Etwa 50 Prozent aller produzierten Golf I Cabriolets gingen in den Export, vor allem in die USA und nach Kanada. Die andere Hälfte blieb in Deutschland und Europa. Auch mehr als 20 Jahre nach Produktionsende ist das Angebot an Fahrzeugen hierzulande groß. Dies betrifft vor allem Exemplare im unteren Preissegment, von denen man sich allerdings nicht zu viel versprechen sollte: Diese Autos aus vierter oder fünfter Hand wurden durchgereicht und vor allem gefahren (auch im Winter), aber nicht gepflegt und gewartet.

Die Folge einer solchen Anschaffung können hohe Restaurations- und Reparaturkosten sein. Wegen des geringen Zeitwerts lohnt sich ein groß angelegter Fahrzeugaufbau aber nicht. Einen Bogen sollte man auch um Golf I Cabrio mit allzu viel Spoiler-Beiwerk, Airbrush-Verzierungen und sonstigem Tuning-Kram machen. Gepflegte Saisonfahrzeuge sind leider schwer aufzutreiben, sie befinden sich in der Regel längst in Liebhaberhand.

Ersatzteilversorgung: Der VW Golf ist ein Bestseller, Ersatzteile gibt es daher praktisch ohne Ende und zum Spottpreis. Insbesondere Verschleißteile sind lächerlich günstig. Cabrio-Spezifika wie Verdeckkomponenten sind teurer, aber immerhin noch erhältlich. Dem ersten offenen Golf kommt dabei zugute, dass er anfangs zeitgleich zur Golf-I-Limousine und später dann parallel zum Golf II produziert wurde.

Ersatzteilpreise (beispielhaft):

  • Satz Bremsscheiben vorn: ca. 80 Euro
  • Satz Bremsbeläge vorn: ca. 50 Euro
  • Kotflügel vorn: gebraucht ab 60 Euro, neu 245 Euro (unlackiert) bei VW Classic Parts
  • Lichtmaschine: ca. 150 Euro

Schwachstellen: Golf-I-Limousinen gelten als wahre Rosthöhlen - auch das Cabriolet: Exemplare der ersten Jahrgänge haben mit massivem Befall der braunen Pest zu kämpfen (Türunterkanten, Kotflügel, Stehbleche im Motorraum usw.). Schätzungsweise 98 Prozent aller noch existierenden Golf-I-Cabrios wurden nach 1983 ausgeliefert: Damals kam der Golf II auf den Markt, bei dem VW den Rostschutz enorm verbesserte - etwa durch Wachs in den Hohlräumen und eine bessere Lackierung.

Von dieser Maßnahme profitierten auch die Cabrios. Die Technik von Golf I und II gilt als zuverlässig und robust. 1988 bekamen die Cabrios breitere Stoßfänger und Schwellerverkleidungen. Das macht den Wagen stämmiger, aber auch schwerer.

Preis: Im Preissegment zwischen 1500 und 3000 Euro gibt es ein Riesenangebot an gebrauchten, oft heruntergerockten VW Golf I Cabriolets mit Wartungsstau und ausgeleierten Verdecken. Der Preis für sehr gut gepflegte Modelle stieg in den vergangenen Jahren auf 5000 Euro bis 8000 Euro. Die Unterhaltskosten sind dagegen günstig.

Anlaufstellen im Internet:

Golf Cabrio IG e.V. 
Golf Cabrio Forum 
Doppel WOBber (VW Golf Forum) 
1. Golf I Interessengemeinschaft e.V. 
Volkswagen Classic Parts 

Weitere, fast schon frech günstige Fuhren finden Sie in den vorangegangenen Folgen der Serie:

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Foto: Torge Schäfer
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