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Radel verpflichtet: Gravelbikes - eine Übersicht

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Radel verpflichtet Her mit dem Schotter!

Eine Weile dachte ich, ich sei ausreichend mit Fahrrädern versorgt. Ich hätte es besser wissen müssen. Jetzt plane ich die nächste Investition: ein Gravelbike.

Die Zahl der Räder, die ein passionierter Radfahrer braucht, berechnet sich bekanntermaßen nach der Formel n + 1.

n steht dabei für die Zahl der Räder, die man aktuell besitzt. Ich kann die Gültigkeit dieser Formel bestätigen. Mir sticht seit einiger Zeit eine schmerzliche Lücke in meinem Fuhrpark ins Auge. Das ist ein Zustand, den ich gerne beenden würde.

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Zunächst deutete wenig auf eine andauernde Liebesaffäre hin. Die erste Begegnung mit einem Fahrrad, an die Ralf Neukirch sich erinnert, endete mit einem Sturz. Doch irgendwann wurde für den SPIEGEL-Redakteur das Radfahren von der Notwendigkeit zur Leidenschaft. Seither hält er es mit John F. Kennedy: "Nichts ist vergleichbar mit der einfachen Freude, Rad zu fahren."

Von den schönen Momenten, aber auch den sportlichen, technischen und persönlichen Herausforderungen des Radfahrens erzählt Ralf Neukirch regelmäßig in diesem Blog. 

Dass meine Ausstattung mit Fahrrädern unvollständig ist, wurde mir im vergangenen Winter bewusst: Während mehrere Teilnehmer meiner Renndradgruppe bei Kälte und schlechtem Wetter ins Gelände auswichen, fehlte mir das geeignete Gefährt dazu. Auf einem Rennrad mit vergleichsweise dünnen Reifen ist ein Ausflug in die Wildnis unsinnig.

Ich leide unter diesem Zustand und habe mir zunächst überlegt, ein Mountainbike zu kaufen. Aber dort fängt für mich der Spaß erst auf technisch schwierigen Pfaden, den sogenannten Single Trails, an.

Die andere Alternative: ein Cyclocrosser - also ein Rennrad für Querfeldein-Rennen. Aber wie oft fahre ich Rennen? Das würde sich für mich nicht lohnen.

Die Vorteile der Gravelbikes

Die dritte Idee scheint mir die beste: Glücklicherweise gibt es eine neue Gattung Räder, die nahezu unbegrenzte Möglichkeiten bieten. Es sind die sogenannten Gravelbikes. Das Konzept stammt aus den USA. Ein Gravelbike - Gravel lässt sich mit Schotter übersetzen - ist im Prinzip ein Rennrad, mit dem man schnell auf der Straße, aber auch im Wald und auf unbefestigten Pisten unterwegs ist.

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Radel verpflichtet: Gravelbikes - eine Übersicht

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Das typische Gravelbike hat eine Reihe von Eigenschaften, die es von einem normalen Rennrad unterscheidet: Es hat genug Raum für breite Reifen, bis zu 50 Millimeter sind ideal. Das erhöht Sicherheit und Komfort auf schwierigen Strecken. Und es hat typischerweise Scheibenbremsen, was bei Nässe und im Gelände sehr sinnvoll ist.

Ein Gravelbike ist viel stärker auf Alltagstauglichkeit ausgelegt als ein klassisches Cyclocross-Rad. In der Regel ist der Radstand größer und der Lenkwinkel weniger steil. Das geht zwar auf Kosten der Wendigkeit, aber das Rad fährt sich dadurch ruhiger und man ermüdet auf langen Strecken nicht so schnell.

Die meisten Gravelbikes haben zudem Ösen zur Befestigung von Schutzblechen und Gepäckträgern. Das macht sie auch für Pendler und Tourenfahrer interessant. Auch wer sich mit dem Gedanken trägt, ein klassisches Rennrad zu kaufen, sollte sich das noch einmal überlegen. Ein Gravelbike ist auf Asphalt nur marginal langsamer, aber erweitert die Möglichkeiten für Einsätze auf anderem Untergrund enorm.

Mir gefällt eine weitere Besonderheit: Viele Gravelbikes kann man sowohl mit klassischen 28-Zoll-Reifen fahren als auch mit der bei Mountainbikes seit einigen Jahren populären Radgröße 27,5 Zoll - auch bekannt unter der Bezeichnung 650b. Dadurch lässt sich das Rad noch besser auf die eigenen Wünsche anpassen. Breite 650b-Reifen lassen sich mit wenig Druck fahren und sind ideal für Waldwege und ruppiges Gelände. Mit etwas schmaleren, klassischen 28-Zoll-Reifen ist man gut auf Asphalt unterwegs.

Der schönste Teil des Fahrradkaufs

Ralf Neukirch mit dem Rad von Specialized

Ralf Neukirch mit dem Rad von Specialized

Foto: privat

Auf der jüngsten Berliner Fahrradschau bot die amerikanische Firma Specialized im Grunewald eine Station, auf der man diverse Räder leihen und in Wald und Straße ausprobieren konnte. Ich testete dort zunächst das Modell Diverge, ein Carbonrad, das für Touren auch abseits befestigter Straßen konzipiert ist. Auf Asphalt fuhr es sich schnell und komfortabel. Im Wald fand ich das Fahrgefühl allerdings zu harsch, wozu sicher die schmalen 28-Zoll-Reifen beigetragen haben.

Dann lieh ich mir das Sequoia aus, ein hübsches Stahlrad. Auf der Straße fand ich es zwar etwas träge, aber auf Waldwegen bügelte das Rad mit seinen 42 Millimeter breiten, leicht profilierten Reifen alle Unebenheiten weg. Es war ein wunderbar weiches und entspanntes Fahrgefühl. So ein Bike, das stand fest, brauchte ich auch.

Zumal ich, wie mir dann einfiel, auch kein Rad für Touren mit viel Gepäck besitze. Mit einem Gravelbike schlage ich also zwei Fliegen mit einer Klappe, oder anders gesagt: Ich spare ein Rad! Jetzt muss ich mich nur noch zwischen den unendlichen vielen Optionen entscheiden, die es in diesem Bereich gibt. Aber das ist der schönste Teil des Fahrradkaufs.

Ob ich dann genug Räder habe? Es gibt da noch eine weitere Formel zu Berechnung der korrekten Zahl an Fahrrädern: Sie lautet s-1, wobei s für die Zahl an Rädern steht, die dazu führen würde, dass die Partnerin (oder der Partner) sich trennt.

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