Gebrauchtwagen VW Golf Vier gewinnt

Der VW Golf wird seit 45 Jahren gebaut, bald geht die achte Generation des Bestsellers in Fertigung. Welches war die beste Baureihe? Die meisten VW-Experten kennen einen klaren Sieger.

Andreas Wallner

Von Haiko Prengel


Als Testpilot für Bentley und Lamborghini ist Andreas Wallner viele schicke Autos gefahren. Privat hält der Kfz-Meister aus Baden-Württemberg dennoch seinem alten VW Golf 4 die Treue, und das seit 16 Jahren. Mehr als eine halbe Million Kilometer hat der silberne Kompakte seit seiner Erstzulassung im März 2002 abgespult. "Das ist mein Traumwagen", betont Wallner.

Der 47-Jährige besitzt allerdings auch kein Brot-und-Butter-Modell, sondern immerhin die GTI-Version des Bestsellers aus Wolfsburg. Aber Traumwagen? Für die meisten ist die vierte Generation des Golf (1997 bis 2003) weder Fisch noch Fleisch: zu alt für ein halbwegs modernes Alltagsfahrzeug. Aber auch zu jung, um als automobiler Klassiker wahrgenommen zu werden.

Mechaniker Andreas Wallner empfiehlt dagegen auch Bekannten, die einen neuen Gebrauchtwagen suchen, den VW Golf 4. Seine These: "Der Golf 4 ist der beste Golf, den VW je gebaut hat." So verfügt sein "Jubi-GTI" - das Sondermodell wurde 2001 anlässlich des 25. Geburtstags der GTI-Serie vorgestellt - nach mehr als 500.000 Kilometern Laufleistung noch immer über den ersten Motor, das erste Getriebe und die erste Kupplung. "Den Turbolader habe ich bei Kilometerstand 480.000 ersetzt. Der war undicht, aber nicht defekt", betont Wallner.

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Gebrauchtwagen VW-Golf: Fast ein Klassiker

Diese Punkte sprechen aus Sicht von Golf-Kennern für die Baureihe 4:

  • Gute Rostvorsorge: Nach erheblichen Korrosionsproblemen beim Vorgängermodell Golf 3 wurden die Bleche beim Golf 4 ab Werk vollverzinkt, Volkswagen gab den Kunden 12 Jahre Garantie gegen Durchrostung. Noch heute sind zahlreiche Golf 4 ohne sichtbare Rostschäden auf den Straßen unterwegs.
  • Solide Technik und langlebige Motoren: Alle Aggregate beim Golf 4 - ob Diesel oder Benziner - taugen bei normaler Pflege und regelmäßigem Wechsel des Zahnriemens für hohe Laufleistungen.
  • Der VW Golf 4 ist bei reparaturfreundlich, weil kaum komplizierte Elektronik verbaut wurde. Ab der Baureihe 5 des Golf hat sich das geändert, Defekte etwa in der Motorsteuerung können den Hobbyschrauber rasch überfordern.
  • Sehr gute Ersatzteillage: Nicht nur Verschleißteile, sondern auch Karosserie- und Interieurkomponenten sind für den Golf 4 meist problemlos und relativ günstig erhältlich.
  • Herausragende Verarbeitungsqualität: Auch hier setzte der Golf 4 damals Maßstäbe in der Kompaktklasse. Das Armaturenbrett war aufgeschäumt und nicht aus Hart-Kunststoff wie bei der Konkurrenz. Die schmalen Karosseriefugen soll der damalige Konzernchef Ferdinand Piëch der Legende nach persönlich abgenommen haben.

"Ja Piëch, der Spaltmaß-Fetischist", sagt Konrad Deuschle und lacht. Der Prüfingenieur der Überwachungsorganisation GTÜ hat schon unzählige VW Golf inspiziert. Der VW Golf 4 blieb ihm in besonders guter Erinnerung. "Ein durchaus solides Auto", sagt Deuschle. So sei der SDI-Dieselmotor praktisch unkaputtbar, die Fahrleistungen ohne Turbolader allerdings eher bescheiden. "Das geht ein wenig Richtung Wanderdüne."

Auch die TDI seien für hohe Laufleistungen gut, im Alter quittierten höchstens die Pumpe-Düsen-Elemente ihren Dienst. Der Ersatz pro Element kostet mehrere Hundert Euro ohne Einbau - da ist der wirtschaftliche Totalschaden schnell erreicht.

Natürlich ist auch der Golf 4 kein perfektes Auto. Bei den kleinen Benzinern führten zu Produktionsbeginn malade Kurbelgehäuse-Entlüftungen zu Motorschäden. VW behob die Kinderkrankheit relativ rasch. Das Problem mit defekten Fensterhebern und Türschlössern bekam man beim Golf 4 dagegen nie so richtig in den Griff. Auch Rost an den vorderen Kotflügeln und anderen Anbauteilen kommt trotz Verzinkung gelegentlich vor. Aber die Korrosionsprobleme sind nicht vergleichbar mit Modellen anderer Hersteller aus den Neunzigerjahren. Deuschles Fazit: "Der Golf 4 ist kein Wunderauto. Aber ein wirklich guter Kompaktwagen."

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In der Golf-Szene wird die Frage nach der besten Modellreihe übrigens mit Leidenschaft kontrovers diskutiert. War nicht doch der Golf 2 der Beste? Dem Bestseller aus den Achtzigerjahren lief immerhin noch Jahre nach der Erstzulassung der Hohlraumwachs über die Heckleuchten. Andere VW-Fans schwören auf den Golf 1, vor allem als GTI.

Welche Golf-Generation war die beste?

"Dieses Thema kam und kommt immer wieder auf", sagt Arnold Kleitsch, der seit über 18 Jahren das Szene-Forum meinGolf.de für alle sieben Baureihen des Erfolgsmodells betreibt. Einig seien sich viele Golf-Liebhaber, dass der Vierer im Vergleich zu seinen Vorgängermodellen auf einem technisch recht hohen Stand sei und gefühlt eine recht große Weiterentwicklung im Vergleich zu den früheren Modellwechsel darstelle.

"Mit dem Golf 5 kam dann ein gewisser Wandel bei der Fahrzeugform: Alles wurde runder. Der Golf 4 hingegen hat noch etwas mehr Bezug zu den Vorgängermodellen", meint Kleitsch.

Trotzdem werde es wohl noch etwas dauern, bis der Golf 4 zum Klassiker wird. Allerdings gibt es Modelle, wie beispielsweise den R32 oder den Jubi-GTI, die schon jetzt reifen. Wer so ein Fahrzeug in einem guten Zustand besitzt, sollte es entsprechend pflegen. "Hier ist mit einer Wertsteigerung zu rechnen."

Allerdings kostet auch der Fahrzeugunterhalt Geld. Andreas Wallner musste in den Jahren etliche Verschleißteile wechseln, um seinen silbernen Jubi-GTI am Laufen zu halten, darunter Bremsbeläge und -scheiben. Hier und da zeigt sich inzwischen auch ein wenig Rost, denn Wallner fährt seinen Golf 4 im Sommer wie im Winter. Alte Autos haben eben Gebrauchsspuren. Eintauschen würde der Kfz-Meister seinen treuen VW trotzdem niemals, auch nicht gegen einen aktuellen Golf 7. "Meinen Golf 4 gebe ich nicht mehr her", sagt Wallner. "Auch nicht, wenn ich im Lotto gewinne."

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hibbihugo 06.06.2019
1. Kann ich so bestätigen
Ich selbst habe auch einen Golf 4 1.9 tdi. Welcher nun seit gut 20 Jahren im Familien besitzt ist 3 Fahranfänger begleitet hat und immer noch mit der ersten Kupplung unterwegs ist. Gut bei knapp 200.000 km Lauf Leistung wurde er über die Jahre nicht so viel bewegt. Klar die Krankheiten wie die elektrischen Fensterheber mussten erstmal ausgemerzt werden aber sonst war wirklich wenig an dem Auto zu machen. Langsam kommt der Rost am rechten Kotflügel vorne aber am Unterboden ist alles rostfrei. Im Großen und ganzen ist es wirklich ein tolle langlebiges Auto !
yurguen 06.06.2019
2.
Ich hatte zwei niegelnagelneue Golf IV "Generation", einmal mit 90 PS TDi und einmal mit 115 PS TDi "Pumpe-Düse". Das waren in der Tat exzellente Autos. Sehr präzise in Lenkung und Fahrverhalten, sehr feste Sitzposition, schnell und durchzugsstark, gering im Verbrauch, und der 90 PS TDi hatte Wartungsintervalle von 50.000 km. Wunderbar.
hador2 06.06.2019
3. 2er oder 4er
Rein subjektiv betrachtet: Ich hatte sowohl einen 2er als auch einen 4er, beide für je ungefähr 7 Jahre. Persönlich war für mich der 2er der Bessere. Praktisch keine größeren Reparaturen und wirklich alles selbst zu machen falls gewünscht. Beim 4er stimme ich dem Artikel nur teilweise zu, da gabs doch schon einiges was man selbst nicht mehr machen konnte. Und ja, die Fensterheber Geschichte hat genervt. Dennoch gute Autos mit insgesamt hoher Qualität waren beide, keine Frage.
observerlbg 06.06.2019
4. Ja, stimme zu.....
als aktuell Golf 6 Fahrer stimme ich zu: der Vierer ist der "golfigste" Golf. Ein echter Kompaktwagen mit guter Qualität. Der Dreier war ein langweiliger Biedermann, trotz der Wahl zum Wagen des Jahres. Der Fünfer und sein enger Verwandter, der Sechser, waren Fahrzeuge der Mittelklase mit amputiertem Heck, aber sicher keine Kompaktwagen mehr. Wer das braucht, kauft sich besser den Skoda Octavia, hat mich damals auch glücklich gemacht. Mit dem Golf 7 gab es eine gewisse Rückbesinnung auf die alten Ziele. Die überbordende Elektronik nervt mich aber. Ist vielleicht nur eine individuelle Abneigung, und nun bin ich mal gespannt auf den Achter. Hängt sicher vom Preis ab, die Koreaner bauen ähnlich brauchbare Kompaktwagen....
Sandlöscher 06.06.2019
5. Ganz klar
war der beste Golf, der Golf 2. ich hatte einen 1986er GTI 16V. Mit 139 PS Ein tolles Auto. Sportlich, schnell, sparsam und mit einem Leergewicht von unter 1000kg nicht fett. Phänomenal war die Hohlraumversiegelung, legendär sind die berüchtigten Golf2-Tränen, die das herauslaufende Wachs aus der Heckklappe gebildet haben.
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