Günstige Oldtimer - Ford Model T Das Auto für Abenteuer

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem - es gibt sie, die Schnäppchen-Schlitten. Wir stellen sie vor. Dieses Mal: den Ford Model T.

Von Haiko Prengel


Günstige Oldtimer
    Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

    Klar, für Opas abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat - und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.

Ford Model T

Ford Model T: Das erste Massenauto der Welt
REUTERS

Ford Model T: Das erste Massenauto der Welt

Allgemeines zum Modell: Bis 1972 war die "Tin Lizzy" (Blechliesel) das meistverkaufte Auto der Welt. Erst dann übernahm der VW Käfer diesen Titel. Im September 1908 verließ das erste, noch handgefertigte Model T das Ford-Werk in Detroit. Schnell wurde auf Fließband umgestellt und eine ganze Branche umgekrempelt: Die Produktionskosten sanken und damit die Preise. Jeder Ford-Mitarbeiter konnte sich fortan einen eigenen Wagen leisten. Der Ford Model T wurde das erste Massenauto der Welt.

Warum ausgerechnet der? Es gab mal eine Zeit, in der war Autofahren noch ein Abenteuer. Eine sinnliche, körperliche Erfahrung, die nichts mit der komfortablen Perfektion heutiger Fortbewegung gemein hatte. In der man als Fahrer oder Besitzer eines Automobils fast zwingend handwerkliches Geschick brauchte, um vorwärts zu kommen. Und jeder gefahrene Kilometer wie ein Sieg gefeiert werden durfte.

In diese Zeit würden Sie gerne mal zurückreisen? Mit einem Vorkriegs-Oldtimer wie dem Ford Model T kein Problem. Bei frühen Modellen der "Tin Lizzy" waren Scheinwerfer und Frontscheibe noch Extras, der Motor musste mit der Hand angekurbelt werden. Dafür bietet kein anderer Wagen waschechtere Oldtimer-Gefühle. Und kein anderes Auto aus der Gründerzeit ist günstiger und gleichzeitig zuverlässiger und problemloser zu fahren als die Blechliesel.

Verfügbarkeit: Der Ur-Ford wurde bis 1927 mehr als 15 Millionen Mal verkauft. Heute existieren angeblich noch ein bis zwei Prozent davon - für ein mehr als hundert Jahre altes Auto ist das eine ganze Menge. Offizielle Statistiken gibt es nicht, die Zahl der T in Deutschland wird auf circa 1500 Exemplare geschätzt.

Ersatzteilversorgung: Überraschend gut für ein Auto, das schon Ur-Ur-Opa gefahren haben könnte. Natürlich kann man nicht zum nächsten Ford-Händler gehen, wenn die Technik mal streikt. Aber in den USA und auch in Deutschland gibt es etliche Händler, die nach wie vor 90 Prozent aller Teile liefern können. Die restlichen Teile sind gebraucht erhältlich. Pluspunkt: Rost ist wegen der hochwertigen Metallteile beim T praktisch kein Thema.

Ersatzteilpreise (beispielhaft):

  • Kotflügel vorn: 330 Euro
  • Lichtmaschine: ca. 300 Euro oder generalüberholte für ca. 180 Euro
  • Ein Satz (vier Stück) Kolben: 70 Euro
  • Austauschmotor (ohne Getriebe): ca. 1800 Euro

Schwachstellen: Mit modernen Autos hat Fords Model T nichts gemein, aber das muss kein Nachteil sein. Was nicht verbaut ist, kann auch nicht kaputtgehen. Die Technik gilt als äußerst robust, selbst Autobahnfahrten sind theoretisch möglich. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 60 Stundenkilometern sind sie allerdings nicht empfehlenswert.

Preis: Mit etwa 15.000 Euro kann man die Uhr auf der Straße um ein Jahrhundert zurückdrehen. Begehrte T-Fabrikate, etwa frühe Modelle mit vielen Bauteilen aus Messing, können bis zu 50.000 Euro kosten.

Anlaufstellen im Internet:

Ford Model T Club of America (Weltgrößter Ford Model T Club) www.vorkriegsoldtimer.de
Alpenchapter (Größter Ford Model T Club im deutschsprachigen Raum)
www.modeltford.com (Teilehändler)
www.snydersantiqueauto.com
www.macsautoparts.com


Weitere, fast schon frech günstige Fuhren finden Sie in den vorangegangenen Folgen der Serie:

insgesamt 53 Beiträge
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Seite 1
pekaef 28.06.2015
1. Fiat 850 Sport Spider
Mit dem Fiat 850 Sport Spider gehört auch ein sehr attraktiver Roadster zu dieser Gruppe. Die meisten Technikteile stammen vom Fiat 850 Coupé und sind sehr günstig zu haben.
wakaba 28.06.2015
2.
Model T lassen sich zu tollen Hotrods umbauen. Spezialisten holen aus den 4 Zylindern 150-250 PS raus oder eben gleich einen Flathead V8, SbC, BbF. Der Wissenstand und Teileverfügbarkeit - macht aus dem T heute sehr schnelle Autos mit gutem Handling. Es müssen nicht alle Autos im Originalzustand erhalten erden.
fjtom1200 28.06.2015
3.
Ist schon interessant, was Spon Redakteure unter wenig Geld verstehen. Ich kenne viele Leute, für die 15.000 ? (besonders für ein Spielzeug) eine riesige Summe ist...
patrick6 28.06.2015
4. Nun ja...
"Dafür bietet kein anderer Wagen waschechtere Oldtimer-Gefühle. " Ich denke, jedes Auto aus der Zeit bietet genauso waschechte Oldtimergefühle.
steffen.ganzmann 28.06.2015
5. Schwachsinn!
Es gibt bei Oldtimern eine eherne Regel: Mit einem Vorkriegsoldtimer fährt man nicht mehr im heutigen Strassenverkehr! Meine Bremsen von 1970 sind schon recht schwach, dabei hat das Kätzchen zwar noch keinen Bremskraftverstärker, aber wenigstens schon Scheibenbremsen. Aber die Seilzugbremsen der "Tin Lizzie? Und die hat nur Hinterradbremsen ...
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