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Formel-1-Bildband: Zeitreise in schwarz-weiß

Foto: Rainer W. Schlegelmilch

Helden der Rennstrecke Die wilden Jahre der Formel 1

Rauchende Fahrer, qualmende Reifen, ausgebrannte Rennwagen - vor 50 Jahren war die Formel 1 noch kein klinisch reines Hightech-Business, sondern ein riskantes Vollgasspektakel. Der Bildband "The Golden Age of Formula 1" lässt die wilden Jahre wieder lebendig werden.

Was war in den sechziger Jahren in der Formel 1 eigentlich anders als heute? Alles. Jedenfalls drängt sich dieser Eindruck schon nach wenigen der insgesamt 216 Seiten des großformatigen Bildbands "The Golden Age of Formula 1" auf. Die Rennfahrer, die Rennautos, die Rennstrecken - das alles wirkt so ungekünstelt, so normal, so nahbar.

Es wäre sicher falsch, gerade jenes Jahrzehnt, in dem der Unfalltod eines Rennfahrers nichts Besonderes war, romantisch zu verklären. Andererseits aber war es das Jahrzehnt der Hochspannung im Motorsport, allein die Formel 1 brachte in dieser Dekade sieben Weltmeister hervor; in der frühen Phase, zwischen 1961 und 1965, als die Formel-1-Rennwagen maximal 1,5 Liter Hubraum haben durften, gingen bei 46 Grand-Prix-Starts insgesamt 101 Rennfahrer in den Autos von 21 Marken auf die Piste. Heute wäre das undenkbar.

Wie überhaupt so vieles, was damals ganz einfach dazugehörte. Strohballen an den Pistenrändern zum Beispiel oder Rennfahrerfrauen, die Stoppuhren bedienten und Zeittabellen führten. Es war die Zeit begnadeter Allround-Talente wie Graham Hill, der zweimal Formel-1-Weltmeister (1962, 1968), einmal Indianapolis-500- (1966) und einmal Le-Mans-Sieger (1972) wurde. Oder John Surtees, der zunächst sieben Motorrad-WM-Titel einheimste, ehe er 1964 dann Formel-1-Weltmeister wurde. Und schließlich war da auch so etwas wie ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Es gab eine Art Formel-1-Clique, die gemeinsam reiste, feierte und Rennen fuhr.

Der Autor und Motorsport-Experte Hartmut Lehbrink beschreibt die Zeit, in der die Grundlagen der Formel 1 gelegt wurden, als perfektionistischen Sport, als spektakulären Werbezirkus und vor allem als großes Geschäft. Doch das Ambiente war anders als heute - davon zeugen die rund 120 Schwarzweißfotografien aus den Jahren 1962 bis 1969 von Rainer W. Schlegelmilch, der den Betrachter mitnimmt auf eine rasanten Zeitreise in die wilden Jahre des Rennsports.

Schlegelmilch sah 1962 erstmals ein Autorennen, damals war er noch Student an der Bayerischen Staatslehranstalt für Photographie in München. Er fotografiert noch immer, und zwar seit mehr als 35 Jahren fast ausschließlich Formel-1-Rennen. Wenn er sich an jene Zeit erinnert, die zugleich der Beginn seiner Karriere als Formel-1-Fotograf war, überfällt ihn durchaus auch Wehmut.

Doch die übliche Leier von wegen "Damals-gab-es-noch-richtige-Typen" mag Schlegelmilch nicht anstimmen. Es sei in den vergangenen Jahrzehnten vieles besser geworden in der Formel 1. "Zum Beispiel das Essen bei den Teams." Seine Fotos waren schon immer erstklassig - der jüngste Bildband mit Schätzen aus Schlegelmilchs Archiv bestätigt das einmal mehr.

Rainer W. Schlegelmilch: "The Golden Age of Formula 1", Verlag teNeues, 216 Seiten, 65 Euro.
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