Honda Prelude 2.0 Si, Baujahr 1989 Mit knallgelber Flunder durch Kentucky

Was hat Schlafaugen, die wohl flachste Schnauze der Welt und ist knallgelb? Der Honda Prelude der Gastfamilie von SPIEGEL-ONLINE-Leser Fabian Rostock. Seinen ersten Highway-Fahrspaß im wendigen Sportcoupé wird er nie vergessen.

Nahezu jeder Autobesitzer fühlt sich mit seinem Fahrzeug auf besondere Weise verbunden. Bei SPIEGEL ONLINE stellen Leser ihr persönliches Lieblingsmodell und ihre persönlichen Erlebnisse mit dem Gefährt vor. Diesmal berichtet Fabian Rostock über die Zeit mit einem Honda Prelude 2.0 Si, Baujahr 1989.

Die elfte Schulklasse verbrachte ich 2004/2005 als Austauschschüler in den Vereinigten Staaten, im Bundesstaat Kentucky. Zunächst lebte ich bei einer typisch amerikanischen Mittelklasse-Familie. Später wechselte ich zu einer Einwandererfamilie, mit deren Sohn ich mich angefreundet hatte. Seine Eltern waren Anfang der siebziger Jahre aus den Philippinen nach God's own country immigriert, wo sie den amerikanischen Traum lebten.

Eins meiner obersten Ziele vor Ort: der Erwerb einer Driver's License. Dank des Geschicks meiner zweiten Gastmutter gelang mir das pünktlich zu meinem 16. Geburtstag. Endlich durfte ich nicht nur am Computer, sondern ganz real Gas geben.

Nachdem ich den Führerscheintest gegen eine Gebühr von 21 Dollar bestanden hatte, überließen mir meine Gasteltern ein Stück ihrer Familiengeschichte: den Honda Prelude 2.0 Si - das erste Fahrzeug, das mein Gastvater in seinem Leben neu erworben hatte. 1989, in meinem Geburtsjahr! Die Familie besaß einen ansehnlichen Fuhrpark: zwei Lexus, einen Acura RL, einen Toyota Landcruiser und Camry, einen neuen Subaru WRX STi und einen Honda Prelude. Den Honda hat sie bis heute behalten, da er eins der wenigen Fahrzeuge mit Handschaltung ist.

Üben bis zum Umfallen

Außerdem war der Prelude mit seiner quietschgelben Lackierung, dem altmodischen Doppelrohrauspuff, den markanten Klappscheinwerfern und den leicht ramponierten Leichtmetallfelgen ein echter Hingucker. Für Komfort sorgten die Klimaanlage, das elektrische Schiebedach sowie die Fensterheber und das nachträglich eingebaute Radio.

Bevor ich allein auf den Highway durfte, übte mein Gastvater mit mir auf dem verlassenen Parkplatz einer ehemaligen Ölfirma, speziell das Anfahren. Ich weiß bis heute nicht, ob es an meiner Nervosität lag oder der brachialen Sportkupplung, die den Schleifpunkt erst erahnen ließ, wenn das Motor bereits abgesoffen war - was an diesem Tag unzählige Male geschah! Innerhalb von zwei Wochen steigerte ich mich auf kleine Straßen und schließlich auf den Highway.

Das Sportcoupé war toll! Der drehfreudige Motor war mit seinen 136 PS bei knapp über einer Tonne Leergewicht mehr als ausreichend motorisiert und dennoch für amerikanische Verhältnisse sehr genügsam. Für ein Frontmotorfahrzeug gilt die Motorhaube als die flachste der Welt, und in dem Wagen hatte man eine perfekte Rundumsicht. Er bot Platz für bis zu vier Personen und der Kofferraum war für meine Bedürfnisse mehr als ausreichend.

Test durch den Gastvater

Zur persönlichen Abschlussprüfung durch meinen Gastvater gehörte schließlich noch, das Auto ohne Bremse, nur mit dem Spiel aus Gas und Kupplung an einem steilen Berg zu halten – das war Gift für die Kupplung, aber nun mal Bestandteil eines Führerscheins auf amerikanisch. Danach hatte ich endlich freie Fahrt. Mit dem gelben Fahrzeug verbinde ich nur Positives. Sicher liegt es daran, dass es für einen 16-Jährigen nichts Schöneres gibt als ein schnelles, kleines und wendiges Auto zu manövrieren oder ganz lässig mit offenem Schiebedach durch den Sommer Kentuckys zu cruisen.

Der Honda war nicht so prollig wie die Autos meiner Mitschüler an der Highschool, von denen viele das Auto als Schrottkarre bezeichnet hatten. Trotzdem stieg mein Gastvater flugs von seinem 300-PS-starken Acura auf den Honda um, als die Gallone Benzin 2008 an der Vier-Dollar-Marke kratzte...

In Deutschland musste ich zwei Jahre später den Führerschein erneut machen. Danach schaute ich mich gleich nach einem Bruder des gelben Honda um, wurde aber schwer enttäuscht. Das gleiche Modell gab es für den europäischen Markt nur sehr spärlich ausgestattet. Die Rücklichter leuchten statt knallrot wie in Amerika in Europa weinrot und weiß, der Wagen war nur in einem sehr begrenzten Farbspektrum bestellbar, unter anderem in Braun, Schlafgrau oder Häkeldeckengrün - den Spaßfaktor hatten die Japaner damit serienmäßig entfernt.

Auf Drängen meiner Eltern fiel die Wahl auf einen neuen, sicheren, sparsameren und besser ausgestatteten Franzosen, einen Peugeot 207. Den gelben Honda aber werde ich nie vergessen!

ajo
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