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Deutschlandreise im Elektroauto: Die Problemkisten

Foto: Tobias Gerber

Deutschlandreise im Elektroauto, Teil 1 Ständig unter Strom

Reichweitenangst - Fahrer von Elektroautos kennen dieses Wort. Die Sorge vor dem vorzeitigen Saftverlust macht lange Strecken im E-Mobil fast unmöglich. Unser Autor hat sich trotzdem auf eine Reise quer durch Deutschland gewagt - in einem Tesla Model S.

Einmal quer mit dem Auto durch die Bundesrepublik: Ist ja kein Problem. Wenn der Wagen aber statt mit Sprit ausschließlich mit Strom läuft, wird daraus eine Abenteuerreise. Auch wenn als batteriebetriebenes Beförderungsmittel das derzeit langstreckentauglichste Fahrzeug zur Verfügung steht: Der Tesla Model S, eine rund 120.000 Euro teure Luxuslimousine, die laut Hersteller 502 Kilometer weit mit einer Akkuladung fahren kann.

SPIEGEL-ONLINE-Mitarbeiter Sören Harder hat den Test gemacht, Glücksgefühle erlebt und Reichweitenängste durchgestanden, darüber berichtet er in einer dreiteiligen Serie. Seine Erlebnisse auf der Tour von Hamburg nach München zeigen, wie begeisternd Elektromobilität einerseits sein kann - und mit wie vielen Problemen sie anderseits noch zu kämpfen hat.

Das Kennenlernen

Von außen sieht der Tesla Model S sportlich schnittig aus - irgendwo zwischen Audi A7, Porsche Panamera und Mazda 6. Als ich das erste Mal einsteige, ahne ich, wie radikal anders dieses Auto ist: In der Mittelkonsole prangt ein 17 Zoll großes Touchpad, über das sich alle wesentlichen Funktionen des Fahrzeugs steuern lassen. Ansonsten gib es auf dem Armaturenbrett nur noch zwei Knöpfe: Einen für die Warnleuchte und einen zum Öffnen des Handschuhfachs. Wie ein kleines Kind, das sein Haustier das erste Mal anfassen darf, streiche ich über die Armaturentafel und bin gefühlsmäßig irgendwo zwischen gespannt und ehrfürchtig.

Die Vorbereitung

Es gibt mehr Steckdosen als Tankstellen, denke ich mir. Und wo eine Steckdose ist, da kann ich den Tesla theoretisch tanken. Dennoch bin ich im Vorhinein natürlich vor allem auf eine Information aus: Wo geht es am schnellsten? An den sogenannten Superchargern, die Tesla übers Land verteilt hat, kann jeder Besitzer der teuersten Model-S-Variante kostenlos und schnell Strom tanken: In 30 Minuten sollen bereits knapp 270 Kilometer Reichweite in den Akkus stecken.

Zunächst will ich den Tesla aber an der SPIEGEL-eigenen Stromtankstelle in der Tiefgarage aufladen. Dort merke ich, dass dem Siegeszug der Elektromobilität zuweilen ganz profane Dinge im Weg stehen können: etwa eine Palette mit Mineralwasserkisten, die auf dem Parkplatz lagern. Dieses Problem ist rasch beseitigt. Aber obwohl ich alles genau so mache, wie mir erklärt wurde, scheint das E-Mobil unsere Steckdosen zu überfordern. Tesla wird den Fehler später hinter einer "schlecht verlegten" Leitung vermuten - in der Tiefgarage kann ich jedenfalls erst mit der Unterstützung des Hausmeisters laden, der von einer Starkstrom-Steckdose ein Kabel bis zum Elektroauto ausrollt.

Der Ladestress vor Reisebeginn gibt schon mal eine Vorgeschmack auf das, was mich während der Tour erwarten wird.

Reisebeginn: Tag 1

Das Ziel für den ersten Tag lautet: soweit kommen wie möglich. Wenn es klappt, von Hamburg aus vorbei an Leipzig in Richtung Erfurt, vielleicht sogar bis Frankfurt am Main. Unterwegs will ich zwischendurch einmal Vollladen - am Supercharger bei Magdeburg, gut 300 Kilometer von Hamburg entfernt.

Los geht's. Und wie! Vor allem innerorts drückt mich die Beschleunigung nach dem Ampelstart in die Sitze, dass mir Achterbahnfahrten wie ein Witz erscheinen. Dabei fährt das Auto flüsterleise, bis auf das Abrollen der Reifen macht der Testwagen keine Geräusche. Erst beim rückwärts Einparken nervt (bei geöffneten Fenstern) das Summen der sich verstellenden Rückspiegel - und beim Beschleunigen auf der Autobahn irritieren mich die Windgeräusche an der Windschutzscheibe. Luxussorgen.

Kurz nach Hamburg verlasse ich die Autobahn, fahre über die B3 nach Celle. Auf Landstraßen fällt mir auf, wie einfach Überholmanöver mit dem Tesla sind - hier machen sich die 421 PS bemerkbar. Zurück auf der Autobahn folge ich den Schildern nach Wolfsburg, wo Europas größter Autobauer sitzt. Ein Auto wie der Tesla hätte einem deutschen Hersteller gut zu Gesicht gestanden, finde ich: sportlich und schnell, mit reinem Elektroantrieb, aber trotzdem langstreckentauglich.

Der Schlenker zu VW kostet wieder einige Kilometer, und langsam bekomme ich nasse Hände: Werde ich den Magdeburger Supercharger überhaupt erreichen? Denn das Model S verführt förmlich zum Schnellfahren, und während andere Hersteller ihre E-Autos schon bei 130 km/h zügeln, sind mit dieser Limousine 210 km/h drin. Aber die Geschwindigkeitsbeschränkung der Konkurrenz geschieht aus gutem Grund - denn Rasen kostet Reichweite.

Im Tesla muss ich mir dagegen selbst Disziplin auferzwingen. Gar nicht so einfach. So grotesk es sich anhört: Ich sitze in dieser Sportlimousine und freue mich irgendwann über jede Geschwindigkeitsbegrenzung und Baustelle. Warum? Weil sie mir die Entscheidung abnehmen und mich zum langsamen Fahren zwingen.

Lesen Sie im zweiten von drei Teilen, warum das Laden am Supercharger deutlich länger dauert als gedacht - und warum unser Mitarbeiter seine Reiseroute im Tesla über den Haufen werfen muss.

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