Seltener Isdera-Sportwagen unterm Hammer Der Silberkeil

Für manche Autos muss man einfach mehr bieten: Der SPIEGEL zeigt Fahrzeuge mit berühmten Vorbesitzern und Raritäten, die versteigert werden. Diesmal: eine Art Mischwesen aus Mercedes und italienischem Sportwagen.
Silberkeil: Der spektakuläre Isdera Imperator wirkt, als wäre er ein verloren gegangener Mercedes-Silberpfeil

Silberkeil: Der spektakuläre Isdera Imperator wirkt, als wäre er ein verloren gegangener Mercedes-Silberpfeil

Foto: Peter Singhof / Bonhams

Unterm Hammer: Ein Isdera Imperator 108i von 1991.

Warum mitbieten? Ferrari, Lamborghini, Maserati – in die Reihenfolge könnte sich Isdera problemlos hineinschmuggeln. Auch das Emblem, ein Adler auf blauem Grund, passt zum Who's who der italienischen Sportwagenhersteller. Tatsächlich ist der Imperator jedoch deutlich rarer als die meisten Sportwagen der drei bekannten Hersteller und kein bisschen italienisch. Insgesamt entstanden nur rund 30 Stück – nördlich der Alpen.

Die Prioritäten stimmen: Der Innenraum des Imperator 108i ist voll auf den Fahrer ausgerichtet

Die Prioritäten stimmen: Der Innenraum des Imperator 108i ist voll auf den Fahrer ausgerichtet

Foto: Peter Singhof / Bonhams

Hinter dem klangvollen Wort Isdera verbirgt sich jedoch nicht der Firmenname des Gründers wie bei der italienischen Konkurrenz. Er steht für Ingenieurbüro für Styling, Design und Racing, gegründet von Eberhard Schulz, der seine Karriere im Designstudio und im Fahrversuch von Porsche begann. »Eine geheimnisvolle Abkürzung klingt allemal besser, als wenn ein Auto Schulz heißt«, begründete der Firmengründer den ungewöhnlichen Namen gegenüber dem SPIEGEL im Jahr 2007.

Der Imperator 108i entstand aus dem Konzeptfahrzeug Mercedes CW 311, einer 1978 vorgestellten Studie des Tuners bb. Die war nicht nur spektakulär, sie war so ausgereift, dass der Stuttgarter Hersteller ihr ausnahmsweise gestattete, den berühmten Mercedes-Stern zu tragen. Das Design hatte Schulz noch während seiner Zeit bei Porsche entwickelt – in seiner Freizeit. Der spektakuläre Flügeltürer, gewissermaßen ein keilförmiger, modern interpretierter Nachfolger des Mercedes-Klassikers 300 SL sorgte für Aufsehen und war einer der Stars des Films »Car Napping«.

Schwarzes Interieur, silberne Lackierung: Durch die Farbkombination wirkt des Imperator noch stärker wie ein Mercedes-Silberpfeil

Schwarzes Interieur, silberne Lackierung: Durch die Farbkombination wirkt des Imperator noch stärker wie ein Mercedes-Silberpfeil

Foto: Peter Singhof / Bonhams

Er blieb jedoch nicht auf die Leinwand beschränkt und auch kein Einzelstück. 1982 machte sich Schulz selbstständig und gründete Isdera, als erstes Modell entstand der Spyder 036i. 1984 entstand aus dem Konzeptfahrzeug CW 311 schließlich ein Serienmodell: der Imperator 108i. Rund 30 Exemplare entstanden laut dem Auktionhaus Bonhams zufolge bis 1993, aufgeteilt in zwei Serien. 13 bis 17 davon entfallen auf die zweite Baureihe, darunter auch dieses Exemplar, dem Auktionshaus zufolge das einzige, das neu nach Japan exportiert wurde.

Von der ersten Baureihe unterscheidet sich das Exemplar vor allem in Details: Klappscheinwerfer ersetzten die klassischen Leuchten, neu waren auch drei seitliche Luftauslässe in der Front, die wie die Kiemen eines Haifischs wirken.

Augen auf: Die zweite Imperator-Baureihe erhielt Klappscheinwerfer

Augen auf: Die zweite Imperator-Baureihe erhielt Klappscheinwerfer

Foto: Peter Singhof / Bonhams

Doch nicht nur äußerlich schärfte man den Imperator nach. Auch das achtzylindrige Herz des Wagens – das wie die markanten Rückleuchten aus dem Daimler-Regal stammt – wurde ausgetauscht: Statt des M117-V8 wurde dessen Nachfolger M119 mit fünf Litern Hubraum und vier Ventilen pro Zylinder verbaut. Er beschleunigt den Wagen dank 330 PS Leistung in Kombination mit einem ZF-Fünfganggetriebe auf bis zu 292 km/h. Den Sprint von null auf 100 km/h schafft der 1,4 Tonnen schwere Sportwagen in 5,6 Sekunden – er konnte es also durchaus mit den Konkurrenten aufnehmen, die südlich der Alpen entstanden.

Doch nicht nur die Fahrleistungen des 4,2 Meter langen und nur 1,14 Meter hohen Sportwagens beeindrucken. Durch die Kombination aus klassischem Sportwagendesign und standardmäßigen Mercedes-Rückleuchten wirkt der Imperator, als stamme er aus einem fiktiven Paralleluniversum: Einem, in dem Mercedes zahlreiche Silberpfeile mit Mittelmotor entwickelte und alles daran setzte, Ferrari vom Platz an der Spitze der Sportwagenhierarchie zu verdrängen.

In einem wichtigen Detail unterscheidet sich dieses Exemplar jedoch von standardmäßigen Imperator-Exemplaren: Er hat klassische Außenspiegel. Bei den meisten anderen – auch beim Einzelstück Commendatore – gewährt ein auf dem Dach angebrachter Spiegel den nötigen Rückblick. Er funktioniert wie ein Periskop.

Zuschlag! Das Auktionshaus Bonhams  versteigert den Imperator am 23. April in Monaco, erwartet wird ein Preis von rund 600.000 Euro. Im Vergleich zu seinem einzigartigen Nachfolger, dem Commendatore, wäre er damit fast ein Schnäppchen. Der erzielte bei einer Auktion im Februar dieses Jahres einen Preis von 985.000 Euro.