Jagd nach Kfz-Kennzeichen Ein Königreich für Angela Merkel

Johannes Rau und Klaus Kinkel hat er schon, Angela Merkel und den Papst will er noch. Christian Hansow sammelt Autoschilder. In seiner Wohnung in Schwerin hortet er Kennzeichen von Promis - und andere Raritäten.

Schwerin - Auf den ersten Blick ist es viel nutzloses Blech, was da im Zimmer von Christian Hansow lagert. Es gibt jedoch Autofans, die sich gerade danach die Hände reiben. 12.000 Nummernschilder hat der 20-Jährige zusammengetragen. Schilder, die am Auto prominenter Persönlichkeiten hingen - oder die sonst irgendwie besonders sind.

Alles fing vor zwölf Jahren an. "Mein Opa hatte mir vier alte DDR-Autoschilder von einem Trabant geschenkt", erzählt der Zivildienstleistende. Die hängte sich der Junge zunächst an die Wand seines Zimmers. Aus dem Interesse wurde Leidenschaft, als Hansow im Herbst 2003 im Internet auf Sammler stieß, die mit den Schildern handelten.

Inzwischen ist Christian Hansow selbst so ein Sammler. Er hat Kennzeichen aus allen deutschen Zulassungsbezirken - darunter ist auch ein Kennzeichen aus Büsingen. Die deutsche Exklave auf Schweizer Boden gehört zwar zum Landkreis Konstanz, hat aber zur Arbeitserleichterung für die Zöllner das Kennzeichen BÜS ausgegeben. Davon existieren derzeit nur einige hundert Stück. Auch ein Schild aus dem Gaza-Streifen, ein chinesisches Polizeinummernschild und ein grünes Ausfuhrkennzeichen aus der Ukraine gehören zu der Sammlung.

Ein besonderes Exemplar ist das Schild mit der Nummer 0-1. Das prangte einst am Dienstwagen Johannes Rau. "Ich hatte der nordrhein-westfälischen Staatskanzlei geschrieben, mit der Bitte um ein paar alte, ausrangierte Dienstkennzeichen", sagt Hansow. Kurze Zeit später bekam er ein Paket aus Düsseldorf. Darin befand sich das Nummernschild des ehemaligen Bundespräsidenten.

Geld spielt beim Schildersammeln keine große Rolle. Einmal habe er für ein Kennzeichen der französischen Besatzungsbehörden aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg 250 Euro ausgegeben, erzählt Christian Hansow. Die meisten Schilder kosten ihn aber keinen Cent. Denn meistens wird er in den Zulassungsstellen fündig. Zunächst schaute man ihn dort noch schief an. Dann präsentierte der Sammler Fotos und überzeugte die Sachbearbeiter. Inzwischen darf er in vielen Behörden die Pappkartons mit den alten Schildern durchsuchen.

Hilfe von den Behörden

In manchen Fällen werden die Behörden auch selbst aktiv, um seltene Kennzeichen herbeizuschaffen. Vor einigen Jahren wurde ein Auto mit einem marokkanischen Diplomatenkennzeichen abgemeldet. Eigentlich habe der Antragsteller die Schilder mitnehmen wollen, sagt Hansow. Unter einem Vorwand habe die Behörde eines der Kennzeichen behalten - und an ihn weitergegeben. 

Derzeit ist er auf der Suche nach einem Bundeswehr-Probefahrt-Kennzeichen. Eines, das keine schwarze Buchstaben hat wie die anderen Kennzeichen, sondern rote. Bei der Bundeswehr jedoch fehlen dem Schweriner noch Verbündete. Dort sei es nahezu unmöglich, an alte Autoschilder zu kommen, sagt der Sammler. Auch Kennzeichen aus dem Vatikan seien praktisch nicht zu ergattern.

Trotzdem hat Hansow sich ehrgeizige Ziele gesetzt. Zunächst will er seine Sammlung von Bundeskennzeichen erweitern. Das Schild von Johannes Rau besitzt der Sammler schon. Auch das Kennzeichen 0-3 von Klaus Kinkel, ehemals Außenminister, ist bereits Eigentum des Sammlers. Jetzt sucht er noch die 0-2 - das Kennzeichen von Kanzlerin Angela Merkel.

Von Christian Moeller, ddp