Günstige Oldtimer - Jaguar XJ 12 Auf die Zwölf

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem - es gibt echte Schnäppchenschlitten. Diesmal: der Jaguar XJ 12, Luxusdampfer mit dem aussterbenden Königsmotor.
Jaguar XJ 12

Jaguar XJ 12

Foto: JAGUAR LAND ROVER CLASSIC DEUTSCHLAND
Günstige Oldtimer

Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

Klar, für Großvaters abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat – und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.

Allgemeines zum Modell:

Wer Zwölfzylinder-Limousine fahren wollte, kam an Jaguar lange nicht vorbei. Der 1972 eingeführte XJ 12 mit 5,3-Liter-V12 aus dem legendären Sportwagen E-Type war lange eine der wenigen Edellimousinen mit Zwölfzylindermotor, der Königsgattung im Motorenbau. In Deutschland zog BMW erst 1987 mit dem 750i nach, Mercedes 1991 mit dem 600 SE.

Jaguar implementierte bereits in den Sechzigern dem Rennwagen XJ13 einen V12, dann bekamen ihn auch der E-Type und die herrschaftliche XJ-Limousine. Diese Aggregate waren zwar pompös, mit Vergaser und einem Verbrauch von 20 Litern sehr durstig.

Wirtschaftlicher wurde der XJ 12 mit der Serie III (1979 bis 1992). Die Vergaser waren bereits 1975 durch eine Einspritzanlage ersetzt worden, was den Verbrauch um einige Liter senkte. 1981 wurde noch der Zylinderkopf erneuert und auf Effizienz getrimmt.

Der XJ 12 H.E. leistete 295 PS (mit Kat 264 PS), die den Wagen auf bis zu 225 km/h beschleunigten. Damit war das Flaggschiff von Jaguar eine der schnellsten Serienlimousinen. Trotzdem rümpften Stammkunden der britischen Edelschmiede die Nase, vielen gefiel das Design des XJ 12 aus der Serie III nicht: Bei ihm sparte Jaguar viel Chrom ein, die Stoßfänger waren fortan von Gummi umrandet.

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Jaguar XJ 12

Foto: JAGUAR LAND ROVER CLASSIC DEUTSCHLAND

Im Innenraum herrscht dagegen gewohnte Noblesse. Das Cockpit ist mit edlem Holz ausstaffiert, die Sitzbezüge sind schon in der Basisversion aus Leder. Bereits der XJ 12 Sovereign lief serienmäßig mit allerlei Komfortextras vom Band - etwa elektrischen Fensterhebern, Schiebedach oder Klimaautomatik. Wer die Variante Daimler Double Six wählte, bekam noch mehr Leder etwa an den Rückseiten der Sitze und an den Türverkleidungen sowie das D-Emblem statt der Katze auf der Motorhaube. Noch edler ging es mit der Version Vanden Plas, die mit exklusiven Holzpanelen aufwartete. So ließ sich der Preis für einen gut ausgestatteten Jaguar XJ 12 leicht über 100.000 Mark treiben.

Dafür gab es eine Luxuslimousine, die in puncto Komfort ihresgleichen suchte. Jaguars V12 gilt als einer der leisesten Motoren, die jemals gebaut wurden. Das aufwendige Aggregat läuft praktisch ohne jegliche Vibrationen und beschleunigt in Kombination mit der Dreigangautomatik geschmeidig und seidenweich. Dazu kommt ein glanzvolles Fahrwerk. Die Fahrschemel an Vorder- und Hinterachse sind über sogenannte Silentblöcke montiert, um Schall und Vibrationen maximal zu dämpfen. "Dadurch ruht die ganze Karosserie praktisch auf Gummi", sagt Bernhard Rosemann von der Jaguar Association Germany.

Das Problem: In zweiter oder dritter Hand wurde bei vielen XJ 12 bei Pflege und Wartung geknausert. Bei Luxusautos kann dies horrende Folgekosten nach sich ziehen, die viele Besitzer nicht mehr tragen wollten. "Dazu kamen Presseberichte, die den Jaguar XJ 12 als extrem schrauberunfreundlich verrissen", sagt Experte Rosemann. Die Folge war ein dramatischer Preisverfall beim Jaguar XJ 12. Viele von den einst so stolzen Luxuslinern fanden sich als Ladenhüter beim Fähnchenhändler wieder.

Warum ausgerechnet der?

"Der Jaguar XJ 12 ist für mich das schönste Auto der Welt", sagt Liebhaber Bernhard Rosemann. Tatsächlich brilliert die Limousine mit britischer Eleganz, ein Mercedes S600 (W140) wirkt dagegen wie ein ungehobelter Klotz. Herausragend ist auch der Fahrkomfort beim XJ 12, der Zwölfzylinder ist die Krönung der Motorentechnik. "Und eine aussterbende Art", betont Rosemann. Nicht nur, weil Zwölfzylinder heute kaum noch gebaut werden. Sondern, weil viele Oldtimerfreunde wegen der kapriziösen Technik von ihnen Abstand nehmen. Keine Kaufberatung, wo nicht vor der "Schlangengrube" des XJ 12 gewarnt wird, wenn man die Motorhaube öffnet. Dort ranken sich Kabel und Schläuche um eine Maschine, bei der selbst der Zündkerzenwechsel fünf Stunden dauert. Dafür muss man zunächst Nebenaggregate wie den Klimakompressor aus dem Weg räumen. Und anschließend wieder zusammenmontieren.

Selbst in der Jaguar-Szene wird daher eher zum XJ 40 mit seinen Reihensechszylindern geraten. Dabei ist der Zwölfzylinder als Kurzhuber deutlich robuster und verträgt wegen der niedrigen Kolbengeschwindigkeit auch Vollgas. 200.000 Kilometer läuft er ohne Korrektur des Ventilspiels, auch 400.000 Kilometer Laufleistung sind kein großes Ding. So zeigt der V12 eine ungeahnte Stärke: Er ist nachhaltig, zumindest was seine Langzeitqualität betrifft.

Denn auch in die Technik könne man sich einarbeiten, sagt Bernhard Rosemann. Der Kfz-Ingenieur aus der Eifel wartet seinen weinroten XJ 12 von 1986 selbst. "Ich kenne aber auch Büromenschen, die schrauben." Wer am Jaguar nicht nur schrauben, sondern ihn auch fahren möchte, sollte jedoch direkt etwas mehr Geld für ein Fahrzeug in ordentlichem Zustand investieren. "Dann kann selbst der XJ 12 ein alltagstauglicher Klassiker sein."

Verfügbarkeit:

Für einen Klassiker mit Zwölfzylinder ist das Angebot ziemlich groß, was ein Mitgrund für das niedrige Preisniveau ist. Neben Sovereign findet man auch Daimler Double Six und sogar Vanden Plas. Wer Rechtslenker mag, kann sich auch in England umsehen. Viele XJ 12 wurden aber bereits nach Deutschland importiert. Dies betrifft auch zahlreiche Kandidaten aus Nordamerika.

Ersatzteilversorgung:

Verschleißteile sind recht problemlos und teilweise sogar überraschend günstig erhältlich, vor allem über spezielle Teilehändler. Schwieriger wird es bei Ersatz für Karosseriekomponenten. Die englische Firma Robey fertigt Blechteile für den XJ 12 nach. BAS International hat sich auf Interieur und Zierrat spezialisiert, gilt aber lediglich als Experte für die XJ-Serie II. Über Clubs und Foren kommt man auch an gebrauchte Teile.

Ersatzteilpreise (beispielhaft):

  • Reparaturblech Schweller: ca. 290 Euro

  • Tür gebraucht: ca. 500 Euro

  • Lichtmaschine: ca. 160 Euro

  • Wasserpumpe: ca. 430 Euro

Schwachstellen:

Etwas Ölverlust im Alter ist normal. "Die Katze markiert ihr Revier", scherzt man in Jaguar-Kreisen. Ein triefender Streifen am Unterboden bis zu den hinteren Bremsen – die liegen beim XJ 12 am Differenzial an – weist dagegen auf eine malade Dichtung am Kurbelwellenausgang hin. Für den Austausch muss der Motor raus und zerlegt werden – für Ungeübte ein Fiasko. Beim Fahrwerk werden über die Jahre die Gummi-Elemente spröde, ohne Pflege poltert die Limousine unschön und für einen XJ 12 unwürdig über den Asphalt. Die Legenden über Jaguar-typische Ausfälle der Steuergeräte – der Elektronikzulieferer Lucas wird wegen seiner ausfallenden Bauteile unter Jaguar-Fahrern auch "Fürst der Finsternis" genannt - hält Experte Rosemann dagegen für übertrieben. Beim XJ 12 träten Elektronikprobleme nicht überdurchschnittlich oft auf. Die Einspritzanlage stammt von Bosch, bei unsauberem Motorlauf können die Einspritzventile oder -düsen verschmutzt sein. Nach einer Aufbereitung sollte die Maschine wieder wie ein Kätzchen schnurren. Rost kann sich über die Hohlräume ausbreiten, insbesondere die Schweller sind gefährdet. Aber auch hintere Radläufe, die Kotflügel um die Scheinwerfer sowie die Rahmen von Front- und Heckscheibe sollte man auf Korrosion prüfen.

Preis:

Fahrbereite Überraschungseier gibt es ab 3000 Euro, mit gültiger HU-Plakette ab etwa 5000 Euro.

Autos in ordentlichem Zustand können aber auch 10.000 bis 15.000 Euro kosten, Liebhaberstücke über 20.000 Euro.


Anlaufstellen im Internet:

www.jaguar-association.de 

https://jaguar-forum.de/ 

https://www.martinrobey.com/ 

http://www.car-hood.co.uk/jaguar-interiors 

Fotostrecke

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Foto: Renault
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